Brugg/Wil
Sie haben als Eltern die Schulbank gedrückt

Susi und Stephan Karlen aus Wil haben die Elternlehre in der Berufsfachschule Gesundheit und Soziales Brugg besucht. Bereut haben sie es nicht.

Carolin Frei
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Susi und Stephan Karlen können den Besuch der Elternlehre empfehlen.

Susi und Stephan Karlen können den Besuch der Elternlehre empfehlen.

Carolin Frei

«Ich nehme einiges an neuen Erfahrungen mit. Der Kurs gab mir Einblicke in die Entwicklungsphasen und die altersgerechten Bedürfnisse unserer Kinder. Dadurch kann ich im Alltag gelassener bleiben.

Den Charakter des Kindes wertzuschätzen und das Kind in seiner natürlichen Entwicklung zu unterstützen, war ein wesentlicher Kursinhalt», sagt Susi Karlen. Die 36-Jährige hat den ersten Teil der Ausbildung alleine besucht, ihr Mann Stephan ist später dazugestossen.

«Ich war erst etwas skeptisch. Ich fragte mich, wozu ich als Vater eine Lehre brauche», sagt er. Überzeugt hat ihn jedoch, was seine Frau jeweils nach dem Kursbesuch erzählte. Das gab den Ausschlag, ebenfalls die Schulbank in Sachen Kindererziehung und Kindsentwicklung zu drücken.

Sicherheit, Tipps und Tricks

«Ich habe viel gelernt, unter anderem, dass Zweijährige noch kein Mitgefühl kennen. Das entwickelt sich erst im Alter ab drei Jahren. Dieses Wissen ist je nach Situation entscheidend», sagt der 43-Jährige.

Er habe zudem wertvolle Tipps und Tricks mitnehmen können. Auch den Austausch mit anderen Eltern hat er geschätzt. «Es tat gut zu sehen, dass andere vor gleichen oder ähnlichen Problemen und Fragestellungen stehen.»

Susi und Stephan Karlen haben die positive Atmosphäre im Kurs geschätzt. Man habe sich öffnen können, habe ungeniert über offene Fragen reden können. Die Kursleiterin Marianne Leber habe es verstanden, mögliche Stolpersteine aufzuzeigen und Lösungsansätze zu liefern.

Immer mit dem Hinweis, ein eigenes Gefühl dafür zu entwickeln, was für seine Kinder gut sei. Und sie darin zu unterstützen, ihren Weg zu einem mündigen Menschen mit einem gesunden Selbstbewusstsein zu gehen.

Elin lotet die Grenzen aus

Das Gelernte kann das Ehepaar Karlen täglich umsetzen. Die vierjährige Jana und die zweijährige Elin bieten ihnen genügend Gelegenheit dazu. Bei der Vierjährigen sind Rollenspiele – etwa Heiraten und Babys kriegen – ein grosses Thema.

Elin hingegen lotet ihre Grenzen täglich aufs Neue aus. Dank der Elternlehre haben die beiden weiteres Rüstzeug zur Hand, um den Alltag mit Kindern positiv zu meistern.

Das Umfeld der Karlens hat unterschiedlich darauf reagiert, dass die beiden diese Lehre absolviert haben. «Im Bekanntenkreis zeigten sich einige etwas erstaunt über unseren Entscheid», sagt die 36-Jährige.

Ganz anders bei ihrem Mann: «Ich habe es an meinem Arbeitsplatz nicht gross thematisiert, aber auch nicht verschwiegen. Überraschte Reaktionen gabs jedoch nicht.»

Am 19. März haben die beiden ein letztes Mal die Schulbank gedrückt. Und – sie würden es jederzeit wieder tun, können es anderen Eltern nur empfehlen.