«Wir sind schon das 16. Jahr dort unten», sagen Cornelia und Gerhard Schippert. Mit «dort» ist Haiti gemeint – eines der ärmsten Länder der Welt. Das Treffen mit dem Ehepaar findet aber nicht in diesem karibischen Inselstaat, sondern im Pfrundhaus Birr statt.

Ein Ort, der den beiden bestens vertraut ist, schliesslich war Gerhard Schippert von 1976 bis 1988 Pfarrer in der Pestalozzi-Gemeinde.

Natürlich hätte der Ostschweizer, einst Pfarrer in Rorschach, seinen vorgezogenen Ruhestand in der Schweiz geniessen können, «aber wir wollten den Benachteiligten dieser Welt helfen; wollten kleine Inseln auf dieser Welt bauen» (siehe Box).

Hilfe praktischer Natur

Deswegen gingen Cornelia und Gerhard Schippert nach Haiti und schlugen ihre Zelte in Pont Sondé – 100 Kilometer von der Hauptstadt Port-au-Prince entfernt – auf.

Dort machten sie sich für vieles stark: Nähschulen, um haitianische Frauen auszubilden; ein Webatelier, Sonnen- sowie Pyrolysenkocher für die Nahrungszubereitung und ein kleines Gästehaus am Rand der Hauptstadt.

Als ob all das nicht genügte, erwähnt das Ehepaar die Berufsschule für Fachlehrerinnen. Schnell wird klar: Es handelt sich immer um praktische Hilfe, die den Haitianern im Alltag sehr zupasskommt.

Die private Entwicklungsarbeit der Schipperts wurde auf eine harte Probe gestellt, als am 12. Januar 2010 ein Erdbeben Haiti erschütterte – es brachte Tod und hinterliess unvorstellbare Verwüstungen.

Weltweit bangten Menschen um Angehörige und Freunde. Am 13. Januar 2010 traf ein unverhofftes E-Mail in der Schweiz ein: «Niemand aus unserem Umfeld konnte sich erinnern, ein derartiges Beben erlebt zu haben. Es ist eine Katastrophe riesigen Ausmasses. Hier in Pont Sondé sind aber alle wohlauf.»

Wie sieht die Situation drei Jahre später aus? «80 bis 90 Prozent des Schutts sind abgetragen», sagt Gerhard Schippert, «ausserdem sind die Zeltlager aufgelöst. Es wird enorm viel gebaut.» Und das vor allem in der Nähe der Hauptstadt. Generell, so Gerhard Schippert, zähle die Karibikinsel zu den gefährdetsten Gebieten der Welt.

Erdbebensichere Behausungen sind mithin ebenso zwingend wie etwa Pyrolysenkocher, denn: «Es wird viel zu viel Holzkohle fürs Kochen verwendet», sagt Cornelia Schippert, «und das ist überhaupt nicht gut» – ganz gewiss nicht im Hinblick auf die praktisch abgeholzte Karibikinsel.

Eine bessere Situation bieten

Wer einen Pyrolysenkocher benutzt, kann praktisch alles verwerten. Abfall oder etwa getrocknete Bananen-Blätter werden eingeweicht und zu einem Brei verarbeitet, woraus sich ein Brikett pressen lässt.

Erzählt das Ehepaar von dem, was sich alles in Haiti tut, scheint Gelassenheit in all seinen Worten auf. «Dabei», so Gerhard Schippert, «muss man in Haiti einen ganz, ganz langen Atem haben.»

Alles mute – aus westlicher Sicht – aufwendiger, schwieriger und komplizierter an. Hoffnungslos? Die beiden lächeln. Nein. Dann sagt Gerhard Schippert ein Wort: Dranbleiben. Unter dieses Motto stellt der Pfarrer morgen den zweiten Teil seiner Predigt in Birr.

Dranbleiben heisst für das Ehepaar Schippert, den «Menschen in Haiti eine bessere Situation als vor dem Erdbeben zu bieten». Weshalb sind sie denn in der Schweiz und nicht in Haiti?

Ganz einfach: Gerhard Schippert macht auch in diesem Jahr Pfarrer-Stellvertretungen wie etwa in Birr, um Geld zu verdienen, denn «dank dieser Regelung kommt bei unserer Hilfe jeder Spendenfranken den Einheimischen zugute. Alle Arbeit wird ehrenamtlich geleistet.»

Nach Monaten in der Schweiz, werden die Schipperts im September wiederum abheben – nach Haiti, ihrer zweiten Heimat.

Reformierte Kirche Birr Predigt um 10.10 Uhr mit Pfarrer Gerhard Schippert. Danach Beisammensein und Verkauf von Web- und Schneiderarbeiten aus Haiti.