Serie: Das treibt mich an
Immer der Nase nach: «Es ist spannend, zusammen mit dem Hund etwas als Team zu erreichen»

Claudia Comps aus Brugg betreibt mit Hündin Maura das Mantrailing, bei dem stets volle Konzentration gefordert ist. Die 42-Jährige erklärt, warum es in dieser Sportart keine Wettkämpfe gibt.

Deborah Bläuer
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Claudia Comps und ihre Labradorhündin Maura teilen die Leidenschaft für das Mantrailing.

Claudia Comps und ihre Labradorhündin Maura teilen die Leidenschaft für das Mantrailing.

Bild: Deborah Bläuer

Die spektakulärste Sportart ist Mantrailing nicht. Weder rast der Hund in gestrecktem Galopp über Hindernisse noch springt er hoch, um Frisbeescheiben zu fangen. Stattdessen sucht er sich hoch konzentriert seinen Weg. Immer wieder hält er inne, geht ein paar Schritte zurück oder zur Seite und dann wieder beherzt vorwärts. Der Mensch beobachtet indes sein Tier genau, er hält die Schleppleine und folgt ihm.

Obwohl Mantrailing kein «actionreiches» Hobbys ist, ist Claudia Comps’ Leidenschaft dafür riesig. «Es ist total spannend, zusammen mit dem Hund etwas als Team zu erreichen. Man kommt nur gemeinsam ans Ziel. Und man muss sich als rationaler Mensch blind auf den Hund verlassen», schwärmt die studierte Maschinenbauingenieurin. Seit die Bruggerin vor acht Jahren einen Anfängerkurs im Mantrailing besucht hat, kriegt sie nicht genug davon.

Sich blind auf den Hund verlassen

Aber worum geht es eigentlich bei diesem ominösen «Mantrailing»? Der Begriff stammt aus dem Englischen und bedeutet direkt übersetzt «Mensch folgen/verfolgen». In der Regel läuft das Training so ab: Der Hund schnüffelt an einer Gaze, mit der sich die versteckte Person zuvor ein paar Mal über den Hals gewischt hat, und nimmt sogleich die Witterung auf.

Der Hundeführer versucht dabei die Reaktionen seines Gefährten richtig zu deuten, ihn bei der Suche nicht zu beeinträchtigen und ihn gegebenenfalls zu unterstützen. Das klingt simpel, ist es aber nicht. Schnell kann es passieren, dass der Zweibeiner den Vierbeiner unbeabsichtigt von der Suche abbringt. Sei es, indem er ihm im Weg steht oder in eine bestimmte Richtung schaut, worauf der Hund als aufmerksamer Beobachter denkt, der Mensch wolle in diese Richtung und entsprechend dorthin läuft.

Claudia Comps demonstriert ihr Hobby auf dem Areal in Königsfelden.

Video: zvg/Marc Lauber

Schon die kleinsten nonverbalen Signale können Folgen haben, deshalb muss der Hundeführer beim Mantrailing hoch konzentriert sein und sich selbst und das Tier ständig genaustens beobachten. Dadurch kann er auch erkennen, wenn der Hund von der Spur abgekommen ist und ihn wieder zurückführen.

Zweimal pro Woche trainiert sie mit ihrer Hündin

Angenommen, die Fährte führt über eine Brücke, doch just als der Hund sich daran macht, diese zu überqueren, kommt ihm eine Gruppe Menschen entgegen. Der Vierbeiner registriert dies, ordnet die Brücke als «gesperrt» ein und lässt von der Suche ab. Hier ist das Eingreifen des Hundeführers gefragt.

Zweimal pro Woche trainiert Claudia Comps das Mantrailing mit ihrer Labradorhündin Maura in Oftringen, einmal in einer regulären Gruppe und einmal in Marc’s k9 Rettungshundestaffel. Um mehr darüber zu wissen, warum ihr Hund in welcher Situation entsprechend reagiert, hat die 42-Jährige die Ausbildung zur Hundeinstruktorin sowie zahlreiche Weiterbildungen absolviert. Und weil sie die Begeisterung für das Mantrailing weiter geben möchte, leitet Claudia Comps in der Region Brugg mehrmals pro Woche selbst ein paar Gruppen.

Ein Hobby, das sogar Leben retten kann

Mantrailing ist nicht nur Zeitvertreib, es kann sogar Leben retten. So hatten Comps und Maura bei der Rettungshundestaffel auch schon einen Ernstfall; die Suche nach einer dementen Person, die weggelaufen war. Häufig wird Mantrailing mit der Arbeit von Lawinen- oder Verschüttetensuchhunden verwechselt.

Der Unterschied liegt darin, dass diese Hunde im Schnee- oder Trümmerfeld nach allen Menschen suchen, während die Hunde beim Mantrailing darauf trainiert sind, die Witterung einer ganz bestimmten Person aufzunehmen und diese – selbst in der grössten Menschenmenge – zu finden.

Maura ist eine Labradorhündin aus der Arbeitslinie.

Maura ist eine Labradorhündin aus der Arbeitslinie.

Bild: Deborah Bläuer

Im Prinzip ist fürs Mantrailing jeder Hund geeignet, vom Pudel bis zur Deutschen Dogge. Sie alle riechen, auch wenn es je nach Rasse grosse Unterschiede geben kann, um ein Vielfaches besser als der Mensch.

Zum Vergleich: Die Vierbeiner besitzen in ihrer feinen Nase zwischen 125 bis 220 Millionen Riechzellen, während wir Zweibeiner auf gerade einmal 5 Millionen kommen. Zudem sind zehn Prozent der Gehirnmasse von Hunden für die Verarbeitung von Gerüchen zuständig. Entsprechend tut der Hundeführer beim Mantrailing gut daran, seinem Tier zu vertrauen, auch wenn dieses an vermeintlich merkwürdigen Orten sucht.

Hier wurde auf Mauras Mantrailing-Geschirr verzichtet, da die Hündin sonst im Arbeitsmodus und zu zappelig für ein Foto gewesen wäre.

Hier wurde auf Mauras Mantrailing-Geschirr verzichtet, da die Hündin sonst im Arbeitsmodus und zu zappelig für ein Foto gewesen wäre.

Bild: Deborah Bläuer

Aber Gerüche sind flüchtig und je nach Witterungsverhältnisse und Sonneneinstrahlung können sich die Bedingungen für die Suche innert Minuten ändern. Deshalb gebe es beim Mantrailing keine Wettkämpfe, erklärt Claudia Comps. Es wäre nicht möglich, für alle Teilnehmer gleiche Voraussetzungen zu schaffen.

Freude an der Arbeit ist wichtiger als Perfektion

Manchmal komme es vor, dass die versteckte Person nicht gefunden werde, sagt Claudia Comps. Schliesslich könnten auch Hunde mal einen schlechten Tag haben. Allerdings, fügt sie an und lacht, sei beim Mantrailing meistens der Hundeführer für die Fehler verantwortlich. Aber das findet die zweifache Mutter in Ordnung. Wichtiger ist ihr, dass Mensch und Tier Freude an der Arbeit haben.

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