Brugg

Senioren und Studenten wohnen zusammen unter einem Dach

Das Zusammenleben von Senioren und Studierenden bringt Vorteile für beide Seiten.

Das Zusammenleben von Senioren und Studierenden bringt Vorteile für beide Seiten.

Seniorinnen und Senioren besitzen oft ein Eigenheim mit freien Räumen, welche sich als Unterkunft für Studenten eignen würden. Geholfen wäre damit beiden Seiten. In Brugg stösst das Projekt auf grosses Interesse.

«Das ist mehr als das Dutzend Leute, das ich erwartet habe», freute sich René Kunz vom Seniorenrat der Stadt Brugg über den Aufmarsch zum Informationsanlass zum Thema «studentisches Wohnen». Tatsächlich hatten gut 40 Personen den Weg in den Brugger Rathaussaal gefunden, um sich von alt Regierungsrat Kurt Wernli, dem Präsidenten des Vereins für studentisches Wohnen, vom Seniorenratsmitglied Peter Haudenschild und vom Wirtschaftsstudenten Samuel Gut aus erster Hand informieren zu lassen.

Senioren und studentisches Wohnen? Tatsächlich «sitzen» viele Seniorinnen und Senioren sozusagen auf einem beachtlichen Potenzial an Wohnraum, der sich für studentisches Wohnen eignen könnte: Nach dem Auszug der erwachsen gewordenen Kinder werden im Eigenheim Räume frei, die anderweitig genutzt werden könnten. Zum Beispiel von Studierenden. Kurt Wernli lockte denn auch: «Wir sind interessiert an Wohnungsangeboten.»

Killerkriterium Lage

«Unser Verein befasst sich seit 2009 mit dem studentischen Wohnen», sagte Kurt Wernli. «Ziel und Zweck des Vereins ist es, preisgünstigen Wohnraum für Studierende zur Verfügung zu stellen.» Er wies darauf hin, dass mit der Eröffnung des Campus zwischen 2500 und 3000 Studierende erwartet werden und dass bei rund 5 Prozent der Studierenden Bedarf an Wohnraum besteht.

«Momentan», so Kurt Wernli, «stehen dem Verein in Brugg und Windisch rund 30 Wohnungen zur Verfügung, meist auf der Basis der Miete eines Einfamilienhauses.» Der Verein trete dabei als Mieter auf, vermiete an die Studierenden weiter und sei für Gebühren, Nebenkosten und die Einrichtung der Wohnungen verantwortlich.

«Zwei Leben nebeneinander»

«Eine wichtige Voraussetzung für die Miete eines Objekts durch den Verein», so Kurt Wernli, «ist die Distanz zum Campus. Zu Fuss muss der Campus in maximal 20, mit dem Velo in 10 und mit Bus oder Bahn in maximal 15 Minuten erreichbar sein.»

Aus der Sicht eines Privatvermieters gab Peter Haudenschild, und aus der Sicht eines Mieters Haudenschilds Untermieter, der Wirtschaftsstudent Samuel Gut, Auskunft über die Erwartungen und die Erfahrungen der beiden Seiten.

«Wenn man jemanden aufnimmt, kommt man sich relativ nah», gab Peter Haudenschild zu bedenken. «Daher braucht es gewisse Absprachen. Zum Beispiel über die Benutzung des Bades. Ich verwende einen einfachen schriftlichen Mietvertrag.» Auf die Frage aus dem Publikum, wie es denn mit dem Besuch von Freundinnen der Mieter gehalten werde, meinte Peter Haudenschild: «Es wäre wohl etwas unglücklich, Studierende bemuttern oder bevatern zu wollen.»

Auch Samuel Gut wies auf die Besonderheiten dieser speziellen Wohnform hin. «Man muss sich darüber im Klaren sein, dass Fremde im Haus wohnen und man Bad und Küche teilen muss», stellte er fest. «Es sind zwei Leben, die nebeneinander stattfinden. Daher braucht es Regelungen, die von vornherein getroffen werden müssen – vor allem auch eine Besuchsregelung. Schlummermütter mit Erziehungsfunktionen sind ein absolutes No-go.»

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