Veltheim
Senioren haben Lust auf Unbekanntes im Land des Lächelns

Das Ehepaar Jäger ist 2011 nach Asien ausgewandert: Seine Senioren-Residenz ist ein Erfolg. Neuerdings lernen bei ihnen auch Schweizer Köche, wie man authentisches Thai-Essen zubereitet.

Elisabeth Feller
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Ist es in der Schweiz 10 Uhr morgens, ist es in Thailand 15 Uhr. Das ist eine gute Zeit, um den einstigen Veltheimer Hans-Jörg Jäger im 480 Kilometer von Bangkok entfernten, nordöstlichen Na Phaeng a Na Pho zu erreichen (siehe Box). «Es ist etwas kühl heute», sagt Jäger mit einem Lächeln. Dabei spricht er von 26 Grad, was bei der Anruferin aus der Schweiz ein Neidchen aufkommen lässt.

Lebensabend in Thailand

Die Temperaturen sind stets ein Thema, da sie eine Rolle bei jenen Menschen spielen, die in die Senioren-Residenz von Lanee und Hans-Jörg Jäger einziehen wollen. Ein durchs Band weg freundliches Klima, dazu viele weitere Annehmlichkeiten sind für manche Menschen so verlockend, dass sie alles hinter sich lassen und in reifem Alter nach Thailand in eine unbekannte Zukunft aufbrechen.

Nach einer zwei Jahre dauernden, auch von Rückschlägen geprägten Aufbauarbeit und einer europaweit beachteten Dok-Serie des Schweizer Fernsehens («Auf und davon») haben sich die Senioren-Residenz mit 13 Bungalows und das kleine Hotel mit 6 Zimmern etabliert.

Betreiben in Thailand eine Seniorenresidenz: Lanee und Hans-Jörg Jäger.

Betreiben in Thailand eine Seniorenresidenz: Lanee und Hans-Jörg Jäger.

Zur Verfügung gestellt

Auf Probe wohnen ist wichtig

Inzwischen hat zwar das mediale, nicht aber das private Interesse nachgelassen. «Von Januar bis Mitte März 2014 sind wir ausgebucht», sagt Jäger stolz. «Ausserdem haben uns Gäste zugesagt, die schon hier waren und nun für immer bei uns leben wollen.»

Von November bis März 2014 kommen überdies zehn Interessenten zum Probewohnen. Auf dieses legen die Jägers grössten Wert. «Manche sehen hier nur das Paradies. Doch der Alltag ist – wie in der Schweiz – auch nicht nur rosig.»

Auf Anhieb eingezogen

Auf Probe wohnen kam jedoch für einen Gast gar nicht erst infrage. Hans-Jörg Jäger lacht, als er sich folgende Begebenheit in Erinnerung ruft. «Eines Tages sind wir von einem ehemaligen Schweizer Radprofi angerufen worden (aus Diskretionsgründen gibt er den Namen nicht bekannt). «Dieser hatte meine Frau und mich am Schweizer Fernsehen gesehen und war total begeistert. Seine Absicht war klar: Er wollte bei uns leben. Zeit zum Überlegen liess er sich allerdings nicht. Vom ersten Kontakt bis zu seinem Einzug sind gerade mal zehn Tage vergangen.»

Seither hat Hans-Jörg Jäger einen Partner für sein Lauftraining am Morgen. Radfahren ist übrigens im feuchten Klima Thailands ungewöhnlich – nicht für das Ehepaar, das die Senioren neu mit geführten Elektrobike-Touren überrascht. Wer Hans-Jörg Jäger zuhört, merkt: Rasten oder auf den Lorbeeren ausruhen gibt es nicht. Neue Ideen sind permanent gefragt.

Kurse für Schweizer Köche

Seit kurzem gibt das Ehepaar jungen Schweizer Köchen die Chance, die Thaiküche von Grund auf zu erlernen. Konkret: Interessierte kommen für drei Monate nach Na Phaeng a Na Pho, um sich dort mit den Finessen der einheimischen Küche vertraut zu machen. «Im Gegenzug», so Jäger, «müssen die Schweizer unsere Thaiköche unterstützen beim Erlernen der westlichen Küche.»

Die derzeitige Jungköchin Cécile Rohrbach kommt aus Dintikon, hat in der Schokoladefabrik Frey in Buchs gelernt und macht sich laut Hans-Jörg Jäger «einfach sensationell: Wir werden richtig verwöhnt.» Auf was freuen sich die Jägers jetzt? «Die Winterolympiade in Sotschi. Ist das nicht toll, wenn wir in unserem Gartenrestaurant bei milden 25 Grad und einem kühlen Bier die Skirennen verfolgen können?»