Gärtnerei
Seltenes Kraut vom Neuhof rettet noch seltenere Schmetterlinge

Landschaftsgärtner Hans Jörg Schilliger züchtet im Berufsbildungsheim Neuhof in Birr eine seltene Pflanze, die einem Schmetterling als Nahrung dient.

Larissa Hunziker
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Gärtnerei-Betriebsleiter Hans Jörg Schilliger mit Setzlingen des Leinkrauts für die Leinkrautscheckenfalter.

Gärtnerei-Betriebsleiter Hans Jörg Schilliger mit Setzlingen des Leinkrauts für die Leinkrautscheckenfalter.

Larissa Hunziker

Seit Januar arbeitet Hans Jörg Schilliger als Betriebsleiter der Gärtnerei im Neuhof in Birr. Gleich mit brachte er sein eigenes Projekt, das er in den vergangenen Jahren im Wallis aufgebaut hatte. Schilliger zieht Setzlinge des Leinkrauts, das dem Leinkrautscheckenfalter, einer Unterart, die so nur im Wallis, vor allem im vorderen Vispertal, existiert, als Nahrungsquelle dient. Aufgrund des Einsatzes von Unkrautvernichtern und der Verbuschung der Rebberge verschwand das Leinkraut nach und nach und damit reduzierte sich auch der Bestand der Falter. Schilliger las darüber einen Zeitungsbericht und begann, auf einer Parzelle seines Reblands im Wallis Leinkraut anzupflanzen. Mittlerweile baut er auf drei Parzellen einzig das Leinkraut für den Leinkrautscheckenfalter an.

Als er Anfang Jahr den Posten als Betriebsleiter der Gärtnerei im Neuhof antrat, säte er auf gut Glück Samen des Leinkrauts aus. Tatsächlich keimten die Samen und mittlerweile hat Schilliger eine stattliche Anzahl an Setzlingen beisammen, die er ins Wallis bringen und dort anpflanzen wird. Das Leinkraut wächst in unseren Breitengeraden nämlich nicht, dafür ist es ihm zu nass, es bevorzugt trockene Böden, wie sie im Wallis zu finden sind. Die Setzlinge hingegen lassen sich hier hervorragend ziehen, im Walliser Boden keimen sie weniger gut.

Bestand erholt sich

Mittlerweile ziehen einige andere Walliser Rebbauern am gleichen Strick wie Schilliger und pflanzen auf ihren Böden Leinkraut an. Sogar eine Forscherin aus England reiste an, um den Bestand der Falter zu überprüfen. Dieser hat sich nachweislich wieder erholt. «Die Falter vermehren sich stärker, wenn es mehr Nahrung hat», sagt Schilliger. Die Raupen des Falters fressen sich an den Blättern des Leinkrauts satt, überwintern, mampfen sich im Frühling weiter kugelrund und verpuppen sich dann. Im Mai schliesslich schlüpfen sie aus und machen sich auf die Suche nach Nektar.

Im Neuhof in Birr wird Biodiversität grossgeschrieben. Neben dem Leinkraut ziehen Schilliger und sein Team weitere Setzlinge von zum Teil seltenen Pflanzen. Darüber hinaus besitzen sie eine grosse Auswahl an Kräutern und bieten auch Pro-Specie-Rara-Sorten an. Ihre Pflänzchen setzen sie vorwiegend über Märkte im Frühling und Herbst ab, im Neuhof findet aber auch ein Direktverkauf statt. Eines der Ziele der Neuhof-Gärtnerei ist es, seltene Pflanzen zu vermehren, damit sie verfügbar bleiben. «Wir wollen ein Ort werden, wo man seltene und wenig gehaltene Pflanzen findet», sagt Hans Jörg Schilliger.