Der Blick aus den Fenstern von Alban Burkhardts Haus schweift über die umliegenden Hügel und Rebhänge. Auf der Wiese nebenan weidet ein Pferd. Die Augen des ehemaligen Lehrers mit Jahrgang 1937 leuchten. Obwohl er mit seiner Frau Margrit schon 56 Jahre in Mönthal lebt, geniesst er die tafeljuraartige Umgebung noch heute sehr bewusst – und lässt sich von der ländlichen Ruhe zu seinen Bildern mit traumartigen, von Flüssen und Seen durchzogenen Landschaften inspirieren. Im Gartenhäuschen, wo früher die drei Kinder spielten, hat er sein Atelier eingerichtet und einen Speicherofen eingebaut. Dort ist er oft tagelang mit dem Pinsel und seinen Acrylfarben zugange. «Im Sommer mache ich gerne Velo- und Bergtouren, im Herbst und Winter male ich», erzählt der körperlich und geistig fitte «Fast-Achtziger». Er bezeichnet sich als Bewegungsmensch mit kreativer Ader.


Spät aber leidenschaftlich

Der gebürtige Badener, dessen Vater eine Bäckerei an der Badstrasse führte, zeichnete schon als Bub gern. Nach dem Lehrerseminar in Wettingen wurde er Dorfschullehrer in Mönthal. Bald engagierte er sich aktiv in verschiedenen Kommissionen und Vereinen. Über fast vier Dezennien gestaltete er die beliebten Dorfweihnachts- und Schuljahresschlussfeiern und führte 17 Jahre Theaterregie beim ortsansässigen Turnverein. Weil er die Bühnenbilder meist selber kreierte, wuchs die Lust am Malen. Als er 1999 pensioniert wurde, war er voller neuer Pläne. Mit über 60 begann er, an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich Kurse in Freihandzeichnen, Farblehre, Malimprovisation und vielem mehr zu nehmen.
Der spät berufene Künstler zeigt eines seiner abstrakten Bilder aus den Anfängen. Es erinnert an Unterwasserwelten mit Tausenden in minutiöser Feinarbeit aufgepinselten Elementen. Und schon seine Erstlingswerke beweisen: Der Mann kann was.
Auch als Burkhardt später seine Liebe zur Landschaftsmalerei entdeckte, blieb er seinem sorgfältigen Stil treu. Mit haarfeinen Pinseln malt er noch heute winzige Details in endlos weit wirkenden Naturszenarien. Himmel und Meer scheinen in der Ferne miteinander zu verschmelzen.


Reisen inspirieren ihn


Noch hängen die Exponate, die im März in Remigen ausgestellt werden, zu Hause in Mönthal. Sie zu betrachten, ist fast wie Fliegen oder Träumen. Aus der Vogelperspektive blickt man auf schimmernde Wasserflächen, blaue Buchten, goldene Strände und grüne Wälder. Bergspitzen lugen aus einem Nebelmeer in den rötlich gefärbten Abendhimmel hervor. Vergangene Reisen in die USA und nach Finnland haben einen gewissen Einfluss auf Burkhardts Bildwelten. Die meisten Motive entspringen aber seiner Fantasie: «Ich bin ein intuitiver Maler. Meine Bilder entwickeln sich beim Machen, und ich weiss nie, was am Schluss rauskommt», sagt er über seine «Seelenlandschaften».
Die Ausstellung im Weingut Hartmann ist erst seine zweite. 2010 zeigte der Künstler 50 Bilder in der Zähnteschüür Oberflachs erstmals einem breiten Publikum. 30 davon verkaufte er vom Fleck weg. Dass es ihn trotz seines Talents nicht wie viele andere Kreative an die Öffentlichkeit drängt, macht ihn sympathisch. Gerade weil er seine Leidenschaft für das Malen erst im fortgeschrittenen Alter entdeckte und nun richtig auslebt, möchte er noch lange nicht aufhören: «Wenn mir weiterhin eine gute Gesundheit beschieden ist und die Augen noch gut funktionieren, bin ich dankbar und mache weiter.»


«Seelenlandschaften» von Alban Burkhardt, 4. bis 25. März, Weingut Hartmann, Remigen. Vernissage: Samstag, 4. März, 16 Uhr. Einführung von Ruedi Witzig, Erlinsbach. Die Ausstellung ist geöffnet am 10., 17. und 24. März, 14 bis 19 Uhr, sowie am 11. und 25. März, 9 bis 17 Uhr.