Windisch
Sein Beruf politisierte ihn: «Ich bin nicht mit dem SP-Gen geboren worden»

Kandidat Bruno Graf (SP) über seine politischen Kernanliegen und warum er die Partei wechselte.

Janine Müller
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Bruno Graf ist es ein Anliegen, dass die Gemeinde eine klare Strategie hat, wie sie mit den eigenen Gütern wie der Bossartschüür umgehen will. Sandra Ardizzone

Bruno Graf ist es ein Anliegen, dass die Gemeinde eine klare Strategie hat, wie sie mit den eigenen Gütern wie der Bossartschüür umgehen will. Sandra Ardizzone

Sandra Ardizzone

Ein Fussball-Goalie ist primär da, um zu verhindern, dass der Gegner ein Tor schiesst. Ein Goalie ist aber auch da, um die Mannschaft von hinten anzuführen, das Spiel zu überschauen. Er muss zuverlässig sein und in jenem Moment seine beste Leistung abrufen, wenn alle vor ihm versagt haben. Goalies sind dienstleistungsorientierte Menschen, stürzen sich auch mal ins Getümmel. Und sie müssen gut mit persönlichen Misserfolgen umgehen können. Bruno Graf (58) ist Goalie bei den Senioren 50+ des FC Windisch.

Er kandidiert nun als Gemeinderat in Windisch. Als Gesprächsort hat er sich ein Bänkli vor dem Eingang zum Dorfschulhaus ausgesucht – in unmittelbarer Nähe zur Bossartschüür, was kein Zufall ist. Doch dazu später. Der grossgewachsene Mann mit violetter Krawatte und grauem Haar nimmt Platz. Um den einen Zeigefinger hat er Sporttape gewickelt. Er schmunzelt: «Goalie halt.»

Sport hat im Leben von Bruno Graf einen hohen Stellenwert. Nebst dem Fussballspielen wandert er gerne, mit seiner Partnerin absolviert er zurzeit den Jurahöhenweg in einzelnen Etappen. Er hat aber auch im Bereich des Sports gearbeitet. Während 15 Jahren führte Bruno Graf ein Sportgeschäft in Brugg, heute bekannt als Walser Sport.

1997 war ein einschneidendes Jahr für Bruno Graf. Die Scheidung von seiner damaligen Frau bewirkte, dass er sich auch Gedanken über seine berufliche Zukunft machte. Er wurde daraufhin Personalberater beim Amt für Wirtschaft und Arbeit beim Kanton Aargau, absolvierte zunächst die Ausbildung zum Personalberater und später berufsbegleitend den Master in Leadership & Change Management.

Von der FDP zur SP

Heute ist Bruno Graf Leiter des Regionalen Arbeitsvermittlungsamts (RAV) in Suhr. Er führt 55 bis 60 Angestellte und betreut mit diesen rund 3000 Stellensuchende. Es ist eine Arbeit, mit der sich – «dank der Unterstützung des Arbeitgebers», wie Bruno Graf sagt –, ein Gemeinderatsamt vereinbaren lässt.

Es war unter anderem sein jeweiliger Beruf, der Bruno Graf politisierte. Das Erstaunliche: 1984 liess sich der aus Gossau (SG) Zugezogene in Windisch auf die FDP-Liste für die Einwohnerratswahlen setzen. Sein Umfeld, vor allem aber auch sein beruflicher Wechsel führte aber dazu, dass er der SP beitrat. «Ich würde mich aber als sozial-liberalen SPler bezeichnen», sagt er. Dennoch: «Ich bin nicht mit dem SP-Gen geboren worden. In dieser Partei fühle ich mich aber wohl, weil viele Ideen Platz haben.» Die Arbeit beim RAV habe ihm gezeigt, wie enorm wichtig die sozialen Institutionen sowie ein funktionierender Arbeitsmarkt sind und dass der Einsatz dafür wichtig ist.

Er geniesst breite Akzeptanz

Bruno Graf geniesst in Windisch über die Parteigrenzen hinweg grosse Akzeptanz, was seiner Kandidatur als Gemeinderat helfen dürfte. Seine Arbeit als Einwohnerrat, vor allem aber auch als Präsident der Finanz- und Geschäftsprüfungskommission wird geschätzt.

Er sei ein Pragmatiker, setze sich dort ein, wo es nötig ist und verspreche nicht einfach etwas vor einer Wahl, das sich dann gar nicht umsetzen lässt, sagt er. Und für das freiwerdende Ressort Soziales – Christoph Haefeli (SP) tritt nicht mehr an – sei er mit seinem beruflichen Hintergrund prädestiniert, meint Bruno Graf. Er spricht bedächtig, redet nicht sofort drauf los, nur, damit etwas gesagt ist.

Er hat sich nicht von sich aus für das Amt beworben, sondern wurde angefragt. Das Amt als Gemeinderat könne er sich aber sehr gut vorstellen. «Ich bin überzeugt, dass ich mit meiner Arbeit als Gemeinderat etwas zum Leben und zur Entwicklung der Gemeinde Windisch beitragen kann.» Zudem möchte er im Gegensatz zum Einwohnerrat in der Exekutive direkteren Einfluss auf die Geschehnisse nehmen.

Als Gemeinderat möchte er sich für ein positives Image der Gemeinde Windisch einsetzen. «Noch heute werden wir auf die Finanzen und den Steuersatz reduziert, dabei hat sich die Situation dank der hervorragenden Arbeit von Gemeinde- und Einwohnerrat in den letzten Jahren beruhigt», sagt er.

Schule und Bildung sind elementar

Weitere Kernanliegen von Bruno Graf sind die Bildung und die Schulraumplanung. «Investitionen in Schule und Bildung sind elementar», sagt er. «Und ich spreche dabei nicht von Luxuslösungen. Aber wir müssen gute Rahmenbedingungen schaffen.» Ressourcen vernünftig einsetzen, auch das ist Bruno Graf wichtig – das bewusste Umgehen mit den Finanzen, aber auch mit den Gemeindegütern. Womit wir bei der Bossartschüür wären. «Die Gemeinde Windisch muss Sorge tragen zu ihren noch wenigen verbliebenen Gütern», findet er und erwähnt im gleichen Atemzug das Elektrizitätswerk, zu dem die SP gerade kürzlich erfolgreich ein Referendum zustande gebracht hat (die AZ berichtete). «Für den Umgang mit den gemeindeeigenen Gütern braucht es eine klare Strategie», fordert er.

Wichtig ist Bruno Graf auch ein funktionierender Sozialdienst, basierend auf fachlich guter Arbeit. «Schlechte Arbeit in diesem Bereich wird teuer», sagt er. «In Windisch macht die Abteilung einen guten Job.» Hier würde ihm sein beruflicher Background auf jeden Fall helfen. «Ich bin in diesem Bereich gut vernetzt, weiss, wie soziale Institutionen funktionieren und kenne mich bei den Sozialversicherungen aus.»

Bruno Graf, der drei eigene erwachsene Kinder hat und dreifacher Grossvater ist, bewohnt mit seiner Partnerin, die ein Kind hat, ein Doppeleinfamilienhaus im Klosterzelg-Quartier.

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