Brugg
Seile aus Stahl: Die Brugg Group kann ihren Umsatz markant steigern

Die Brugg Group erzielt ein Spitzenergebnis – vor allem dank der Seiltechnik. Die Coronakrise ist aber zunehmend spürbar.

Michael Hunziker
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Mit Sicherheitsabstand haben sie trotz Coronakrise gut lachen (von links): Andrea Roth, CEO Brugg Ropes; Stephan Wartmann, CEO Brugg Group; Otto H. Suhner, Verwaltungsratspräsident; Markus Grüter, CEO Brugg Lifting, vor der neuen Extrusionsanlage zur Herstellung von Tragriemen.

Mit Sicherheitsabstand haben sie trotz Coronakrise gut lachen (von links): Andrea Roth, CEO Brugg Ropes; Stephan Wartmann, CEO Brugg Group; Otto H. Suhner, Verwaltungsratspräsident; Markus Grüter, CEO Brugg Lifting, vor der neuen Extrusionsanlage zur Herstellung von Tragriemen.

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Die Brugg Group hat im 2019 – trotz anspruchsvollem Markt – eines der besten Resultate der letzten Jahre erzielt. Der Gruppenumsatz stieg um 7 Prozent auf 633 Mio. Franken. «Sehr erfreut» zeigte sich denn auch Verwaltungsratspräsident Otto H. Suhner an der gestrigen Medieninformation. Massgeblich zum guten Ergebnis beigetragen hätten, hielt er fest, die Fortschritte in der Kabelsparte sowie das Wachstum bei der Seiltechnik. Diese grösste Division der Brugg Group steigerte den Umsatz um 13 Prozent auf 263 Mio. Franken.

Eingeladen wurde in die Brugg Lifting in Birr, wo Auf­zugseile und Riemen hergestellt werden. Neben Liftanlagen kommen die Spezialseile dieses Geschäftsfelds auch zum Einsatz bei Seilbahnen, Brücken und Stadien, bei Schutznet­- zen gegen Umweltgefahren wie Steinschlag, Lawinen und Hangrutsche oder bei Sicherheitsnetzen für den Motorsport. Am Standort Birr wird derzeit kräftig in die Modernisierung investiert, rund 7 Mio. Franken sind es über drei Jahre in sogenannte Extrusions- und Verseilanlagen für ummantelte Tragseile sowie in Testlabor und Technikbüro.

Dank Innovationen sind die Aussichten positiv

Erfolgreich gearbeitet worden bezüglich Umsatz und Gewinn ist laut Suhner ebenfalls in den Geschäftsfeldern Rohrsysteme und Prozessleittechnik. In diesen sind – dank Investitionen und Innovationen – die Aussichten vielversprechend.

«Wir suchen ständig neue Märkte», bestätigte Stephan Wartmann, CEO der Brugg Group. Als Beispiele nannte er den Bereich Rohrsysteme mit der sogenannten Kryotechnik für den Flüssiggas-Transport. Die Rede ist von Temperatu­- ren von -161 bis -269 Grad Celsius. Anwendungsbereiche sind Tankstellen, Food und Medizin genauso wie Grossforschung oder Space. Ebenfalls erwähnte Wartmann die Brugg eConnect, den Pionier für Schnell- und Hochspannungslade-Kabelsysteme für die E-Mobilität.

Mittlerweile ist Coronakrise zunehmend spürbar

Der Schwung aus dem alten Jahr sei Anfang 2020 gleich mitgenommen worden, sagte Wartmann. In den ersten drei Monaten habe sich der Umsatz auf Vorjahresniveau bewegt, der Ertrag ganz knapp darunter. Inzwischen sei beim Auftragseingang die Coronakrise aber zunehmend spürbar, fügte er an. Diverse Projekte würden durch die Kunden verschoben, zusätzlich zu verzeichnen seien punktuell Versorgungsengpässe, vor allem von Lieferanten aus Norditalien. Der CEO erwartet eine schrittweise Normalisierung ab dem dritten Quartal.

Durch die Erfahrungen in den drei Werken in China konnte die Brugg Group die nötigen Hygiene- und Verhaltensmassnahmen frühzeitig umsetzen und auf Europa übertragen. Bei weltweit insgesamt über 1900 Mitarbeitenden mussten bisher zwei Infektionsfälle verzeichnet werden, einer in Birr und einer in Österreich. Beide Mitarbeiter zeigten gemäss Wartmann nur wenige Symptome und sind mittlerweile zurück am Arbeitsplatz. Kurz: «Die Brugg Group ist gut aufgestellt trotz Coronakrise», fasste der CEO zusammen. «Aber die Delle werden wir in diesem Jahr spüren.»

Die von den Behörden beschlossenen Massnahmen zur Bekämpfung der Coronapandemie seien zu Beginn richtig gewesen, stellte Verwaltungsratspräsident Otto H. Suhner fest. Er warnte aber davor, den Lockdown länger aufrechtzuer­halten, die Wirtschaft nicht rasch wieder hochzufahren. «Das ist grundfalsch und führt uns in eine Krise, wie wir sie noch nie gesehen haben seit dem Zweiten Weltkrieg.» Es sei nicht einzusehen, warum kleine Läden nicht öffnen dürften am 27. April.