Brugg
«Sehe ich andere, sage ich mir: Fredi, dir gehts doch einfach gut»

Fredi Büchler, Gründer des Brugger 24-Stunden-Laufs, erreichte an der Triathlon-Europameisterschaft im türkischen Alanya den 7. Platz – nun peilt er die Weltmeisterschaft in London an.

Elisabeth Feller
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Fredi Büchler beim Zieleinlauf in Alanya: Der Brugger probte an der EM im Paratriathlon für die WM, die bald in London stattfinden wird. ZVG

Fredi Büchler beim Zieleinlauf in Alanya: Der Brugger probte an der EM im Paratriathlon für die WM, die bald in London stattfinden wird. ZVG

ZVG

Es ist heiss im türkischen Touristenort Alanya. Wo Feriengäste am Meer im Schatten dem süssen Nichtstun frönen, rackert sich Fredi Büchler an der prallen Sonne ab: Der Ironman, welcher die Schweiz an der Triathlon-Europameisterschaft mit 70 Teilnehmern vertritt.

750 Meter muss der 51-Jährige schwimmen, 20 Kilometer Velo fahren und 5 Kilometer rennen. Alles machbar, klar, aber für Menschen mit einer körperlichen Behinderung ist das eine physische und psychische Leistung sondergleichen.

Fredi Büchler, Gründer des Brugger 24-Stunden-Laufs, weiss, wovon er spricht: «1991 stellte ein schwerer Autounfall mein Leben auf den Kopf. Nichts war mehr wie vorher.» Acht Jahre nach dem einschneidenden Ereignis begann Büchler jedoch wieder mit Joggen, zehn Jahre später bewältigte er wiederum einen Ironman.

Seither ist der Strahlemann mit den warmherzigen braunen Augen am Ball. Konkret: Er trainiert Tag für Tag. Frühmorgens geht es zum Beispiel 150 Stufen hinauf in den Wald.

Dazu besucht er die Laufschule in der Badener Au, wo ihn Michael Steinmann umsichtig betreut. Im letzten Jahr ist Büchler dem Triathlon-Club Baden beigetreten, um dort seinem grossen Traum näher zu kommen – der Teilnahme an den Paralympics in Rio de Janeiro.

Die Paralympischen Spiele

Seit 1992 finden die Paralympics jeweils drei Wochen nach den Olympischen Spielen am selben Ort statt. Die XV. Paralympics werden vom 7. bis 18. September 2016 in Rio de Janeiro ausgetragen. Der Paratriathlon wird ins Programm aufgenommen. Für diesen gibt es 6 Starklassen, um eine faire Wettkampfwertung zu ermöglichen. (AZ)

Fredi Büchler strahlt: «Der Triathlon für Sportler mit einer Behinderung wird erstmals bei den Paralympics 2016 aufgenommen.» Dort will Büchler, der überdies eine Ausbildung zum Schiedsrichter von Swiss Triathlon absolviert hat, unbedingt starten.

Obgleich jeder Sportler weiss: Dabei sein ist alles, geht es Büchler um mehr. Er strebt eine Medaille an. Nicht verwunderlich, dass für ihn die Teilnahme an der Triathlon-Europameisterschaft in Alanya einer Hauptprobe glich.

Zufrieden mit der Leistung

Ist er mit dem Resultat, dem 7. Platz, zufrieden? «Sicher», sagt er, «wiewohl ein Podestplatz möglich gewesen wäre». Aber, gibt er freimütig zu: «Das Schwimmen ist meine schwächste Disziplin. Daran muss ich noch hart arbeiten. Zudem brauchte ich in Alanya für 20 Kilometer mit dem Velo 40 Minuten – 5 Minuten mehr, als ich ansonsten benötige.»

Lachend sagt Büchler, dass er «nicht gross auf die Konkurrenz» schiele: «Wenn es den anderen gut geht, bin auch ich froh.»

Ein Schatten huscht über sein Gesicht. In Alanya kam Büchler auch in Kontakt mit Teilnehmern aus Russland, Opfern der atomaren Katastrophe in Tschernobyl. «Als ich sie gesehen habe, habe ich zu mir gesagt: Fredi, Dir gehts einfach gut.»

Gut geht es ihm auch deshalb, weil er «derart motiviert ist». Und das im Hinblick auf den World Triathlon Grand Final, der im September in London stattfindet. Das ist die Generalprobe für die Paralympics in Rio de Janeiro.

Fredi Büchler wird an der WM in der durch ein ärztliches Attest bezeugten Startklasse TR3 antreten. Wo sich das Ganze abspielt, weiss er nicht genau. Nur soviel: «Mitten in London. Es muss dort einen Park und einen See geben». O ja, den Hyde Park und The Serpentine. Schöner geht's nimmer.