Sechs Anklagepunkte die es in sich haben: mehrfache grobe Verletzung von Verkehrsregeln, Fahren ohne Berechtigung, Nichtabgabe eines entzogenen Führerausweises, Exhibitionismus, mehrfache sexuelle Belästigung und Missbrauch einer Fernmeldeanlage. Dafür musste sich ein 32-jähriger Serbe vor wenigen Wochen vor dem Bezirksgericht Brugg verantworten. Die Staatsanwaltschaft forderte eine unbedingte Freiheitsstrafe von elf Monaten sowie eine Busse von 2000 Franken für den vorbestraften Mann.

Der Angeklagte kam mit fünf Jahren in die Schweiz und besuchte hier die Schule. Er ist Familienvater und war bereits in vielen Betrieben angestellt. Die Berufsausbildung als Handwerker brach er ab und arbeitete danach im Logistikbereich sowie in anderen Branchen.

Kein unbeschriebenes Blatt

Es ist nicht das erste Mal, dass er mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist: 2011 war er strassenverkehrsrechtlich im Visier und Ende 2018 wurde er von der Ausgleichskasse angezeigt. Beim Bezirksgericht Brugg ging es nun aber um Vergehen aus dem Jahre 2016.

Im sommerlichen Feierabend-Verkehr wollte Alex (Name geändert) das Auto seines Bruders in den Service bringen. Da er sein Portemonnaie vergessen hatte und noch einmal nach Hause umkehren musste. Danach wurde es zeitlich plötzlich knapp, weil die Auto-Werkstatt um 18 Uhr schloss. Deshalb überholte Alex auf drei Streckenabschnitten trotz Gegenverkehr mehrere Fahrzeuge, wobei es beinahe zu Kollisionen gekommen wäre.

Der Beschuldigte erzählte seine Sicht der Dinge ruhig und bedacht. Der schlanke Mann zeigte sich einsichtig. Das bestätigte auch ein verkehrspsychologisches Gutachten vom letzten November, das über sein Verhalten im Strassenverkehr gemacht wurde. «Er ist deutlich selbstkritischer geworden und weiss, dass es ein ‹Seich› war. Das zeigt auch dieses Gutachten», sagte der Verteidiger von Alex.

Seinen Fahrausweis hat Alex seit dem letzten Oktober wieder. Dieser wurde ihm nach den gefährlichen Überholmanövern vom Sommer 2016 entzogen. Trotzdem fuhr er im November des selben Jahres bereits wieder ein Auto. Das Fahren ohne Berechtigung stand deshalb ebenfalls in der Anklageschrift. Dazu kam, dass er den Führerausweis trotz behördlicher Aufforderung nicht abgegeben hatte. Auch da sei er schuldig zu sprechen, so die Staatsanwaltschaft.

Exhibitionismus oder Pornografie?

Neben den Strassenverkehrsdelikten wurden ihm drei weitere Vergehen vorgeworfen: Exhibitionismus, mehrfache sexuelle Belästigung sowie mehrfacher Missbrauch einer Fernmeldeanlage. Zum Vorfall kam es ebenfalls im Sommer vor drei Jahren. Damals erschien Alex zusammen mit seinem Chef bei Anna (Name geändert), um ihr Garagentor zu öffnen. Sie hatte vorgängig den Schlüsseldienst angerufen. Kurz nachdem der Beschuldigte und sein Chef wieder gegangen waren, erhielt Anna mehrmals anzügliche SMS. Der Beschuldigte fragte nach Sex und schickte ihr Bilder seines erigierten Penis.

«Mein Klient und ich anerkennen alle Punkte der Anklage. Über das Strafmass lässt sich aber diskutieren. Es ist aus meiner Sicht völlig unverhältnismässig», erläuterte der Verteidiger in seinem Plädoyer. Bei den Überholmanövern könne man sich streiten, ob es eine leichte oder grobe Verletzung der Verkehrsregeln war, so der Verteidiger. Die Sache mit dem Führerausweis sei jedoch klar. Bei den Anklagepunkten zur Sache mit Anna gäbe es nichts abzustreiten. «Mein Klient hat einen ‹Seich› gemacht. Das weiss er selber auch.» Es sei nun aber bereits drei Jahre her. Zudem habe es nichts mit Exhibitionismus oder sexueller Belästigung zu tun. «Das Ganze geschah über das Smartphone und nicht über einen direkten körperlichen Kontakt. Mehrfache sexuelle Belästigung beziehungsweise Exhibitionismus kann es deshalb aus meiner Sicht nicht sein», so der Verteidiger. Er fordere lediglich eine Busse von 200 Franken wegen Pornografie und eine Probezeit von zwei Jahren. Da das Ganze bereits drei Jahre her sei, der Beschuldigte feste familiäre Strukturen habe und ein gutes Arbeitszeugnis vom Arbeitgeber bekommen habe, sei eine bedingte Strafe auszusprechen. Der Verteidiger schlug deshalb eine bedingte Strafe von 120 Tagessätzen vor. Damit schloss er sein Plädoyer ab. Vom Beschuldigten kamen keine Anmerkungen. Das Gericht wollte sich zuerst den Lohnausweis von Alex zusenden lassen und Urteil danach schriftlich mitteilen.

Das Bezirksgericht sprach Alex in allen Anklagepunkten schuldig und verurteilte ihn zu einer bedingten Geldstrafe von 240 Tagessätzen à 100 Franken sowie zu einer Busse in der Höhe von 1500 Franken. Ausserdem muss er der Zivilklägerin einen Schadenersatz von 1000 Franken zahlen.