«Kokshändler» müssen sitzen
Schwunghafter Handel: Fünf «Kokshändler» müssen sitzen

Das Bezirksgericht Brugg hat am Mittwoch fünf junge Männer zu Freiheitsstrafen zwischen vier Jahren und 23 Monaten Dauer verurteilt. Ein Teil der Strafen wurde teilbedingt ausgesprochen.

Louis Probst
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Kokain-Linien (Archiv)

Kokain-Linien (Archiv)

Keystone

Die Mühlen der Justiz mahlen zuweilen eher langsam. Das mussten fünf junge Männer erfahren, die sich am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Brugg zu verantworten hatten. Die Delikte, die ihnen vorgeworfen wurden - zur Hauptsache qualifizierte Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz - liegen bereits mehrere Jahre zurück.

«Multi-Cleaner»

Der (Grund-)Stoff, aus dem die Träume sind, kann zuweilen auch ein Felgenreiniger sein: Einem der Hauptangeklagten im Kokainhändlerprozess wurde vorgeworfen, 20 bis 30 Liter GBL (Gammabutyrolactone) in 40 bis 60 Liter der Droge GHB «verwandelt» zu haben. Im Internet wird GBL auch als Felgenreiniger angepriesen. (lp)

Zur Last gelegt wurde dem Quintett ein schwunghafter Handel vor allem mit Kokain. Gemäss Anklage wurden mehrere Kilo Kokain, aber auch Ecstasy-Tabletten, etwas Marihuana sowie einige Liter der Droge GHB (Gamma hydroxy butyrol) umgesetzt. Gemäss den Erkenntnissen der Anklage hatte der eine der Hauptangeklagten übers Internet einen «Multi-Cleaner» bestellt, aus dem sich das stark beruhigende GHB fabrizieren lässt.

Kampf um Grämmli

Vor Gericht versuchten die Angeklagten, die Menge der Drogen, die umgesetzt worden waren, herunterzuspielen. «Die Mengenangaben in der Anklage bewegen sich an der Obergrenze», meinte der eine Angeklagte in der Befragung durch Gerichtspräsident Hans-Rudolf Rohr. «Ich habe keine Buchführung gemacht.» Jener Angeklagte, der sich sozusagen in der Rolle des «Grossisten» vor Gericht wiederfand, entgegnete an die Adresse eines Mitangeklagten: «Ich habe schon geliefert. Aber nicht in jener Menge, die er mir jetzt in die Schuhe schieben will.»

Untypische «Drögeler»

Auf die Frage nach den Motiven für den Drogenhandel machten alle Angeklagten geltend, dass mit dem Erlös vor allem der eigene Drogenkonsum finanziert worden sei. Einer der Angeklagten räumte aber treuherzig ein: «Um den Lehrlingslohn etwas aufzubessern. Mit dem Stiftenlohn konnte man ja keine grossen Sprünge machen.» Aus der Befragung ging auch hervor, dass die meisten der Angeklagten der Drogenwelt inzwischen völlig entsagt und sich bürgerliche Existenzen aufgebaut haben.

«Lokale Drogengrössen»

«Es handelt sich hier nicht um Kügelidealer, sondern um Grössen des lokalen Drogenhandels», betonte der Staatsanwalt. Zum «Grossisten» erklärte er: «Der Angeklagte war mitnichten der kleine Fisch, als der er sich jetzt ausgeben möchte. Es geht um einen schweren Fall.» Der Ankläger forderte für den «Grossisten» denn auch eine Freiheitsstrafe von 61⁄2 Jahren. Für die vier weiteren Angeklagten forderte der Staatsanwalt Strafen zwischen 41⁄2 und 2 Jahren.

Drei Verteidiger beantragten für ihre Mandanten Freiheitsstrafen zwischen 20 und 6 Monaten. Zwei Verteidiger beantragten Einstellung der Verfahren wegen Verjährung.

«Keine Verjährung»

Das Bezirksgericht vertrat jedoch in seinen einstimmigen Urteilen die Ansicht, dass noch keine Verjährung eingetreten sei. Es sprach Freiheitsstrafen zwischen vier Jahren und 23 Monaten Dauer aus. Zwei Angeklagten gestand das Bezirksgericht den bedingten Aufschub eines Teils der Freiheitsstrafen und einem Angeklagten den bedingten Aufschub der gesamten Strafe zu.

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