Bei anhaltendem, starkem Regen macht sich regelmässig Nervosität breit bei der Frau aus Brugg-Lauffohr: Denn stets muss sie damit rechnen, dass die Kanalisation die Wassermassen nicht mehr schlucken und ableiten kann. Es kommt zu einem Rückstau, durch die beiden Schachtdeckel just bei ihrem Haus drückt das verschmutzte Abwasser an die Oberfläche. Es gebe jeweils eine kleinere Fontäne, sagt die betroffene Anwohnerin.

Das dreckige Wasser fliesst in der Folge über die Hüslimattstrasse auf das Landwirtschaftsland Richtung Aare. Weder der Geruch noch der Anblick sind besonders angenehm, wird doch neben den Fäkalien allerhand mitgeschwemmt: vom WC-Papier über den Tampon bis zum Kondom. Wenn sie sich vorstelle, fügt die Frau an, dass auf diesem Feld später der Nüsslisalat geerntet werde, dann sei das doch grusig.

Im Haus ist sie geschützt

Diese Situation besteht laut der Anwohnerin seit Jahren oder Jahrzehnten, schon ihre Mutter habe davon berichtet. Bisher sei das Problem aber zu wenig ernst genommen worden. Oder aber es sei schlicht nicht erkannt worden, vermutet die Frau. Denn wenn bei früheren Hochwassern die Aare über die Ufer trat, war das ganze Gelände überflutet. Zentimeter- oder gar meterhoch. Dass zusätzlich dreckiges Wasser aus der Kanalisation an die Oberfläche gelangte, sei vielleicht gar niemandem aufgefallen. Immerhin verfüge ihr Haus mittlerweile über eine Rückstauklappe, damit das Abwasser nicht ins Innere dringe, ergänzt sie. «Hier kann ich mich schützen.»

Die Frau hat sich an die Abteilung Planung und Bau in Brugg gewandt und die Situation geschildert. Die Verantwortlichen hätten zwar einen Augenschein genommen und das Problem erkannt. Passiert sei bisher allerdings nichts. Sie sei vertröstet worden. Auch sei die Kanalisation durchgespült worden. «Ich bin zwar nicht vom Fach», stellt die Anwohnerin fest. «Aber das bringt doch nichts.»

In diesem Gebiet kommen tatsächlich verschiedene ungünstige Randbedingungen zusammen, sagt Stefan Hein, Leiter der Abteilung Planung und Bau in Brugg. Denn: Das Gefälle sei gering, «was einen Einstau begünstigt». Zudem könne die Kanalisation im Gebiet Auhof bei Überlastung direkt in die Aare entlasten. Da der Fluss wegen der vielen Niederschläge Hochwasser führte, «staute sich das Abwasser aufgrund des Gegendrucks der Aare in die Kanalisation zurück». In den letzten 30 Jahren habe es zu wenigen solcher Einstau-Fälle kommen können. Es handle sich um das kritischste Gebiet in der Stadt, sagt Hein auf die Frage, wo die Probleme am grössten sind.

Die Stadt Brugg hat ihren Generellen Entwässerungsplan (GEP) überarbeiten lassen. «Aufgrund der Regensimulationsrechnungen konnte der Zustand rechnerisch erkannt werden», hält der Leiter der Abteilung Planung und Bau fest. Mit dem GEP wurden auch die Massnahmen definiert. Im Gebiet Lauffohr wird unter anderem die Förderleistung des Abwasserpumpwerks Auhof erhöht und optimiert. Mit der Anlage wird das Abwasser von Brugg – von der linken Seite der Aare – in die Kläranlage Wasserschloss gepumpt. «Damit gelangt im Einstau-Fall mehr Abwasser auf die Kläranlage», fasst Hein zusammen. Diese Massnahme läuft und ist bis Ende März umgesetzt.

Versickern führt zu Entlastung

Oberhalb der Zurzacherstrasse in Lauffohr sieht der GEP vor, das anfallende Dachwasser von Liegenschaften künftig, wo möglich, örtlich auf der Parzelle versickern zu lassen. Oder, bei ungünstigen Bedingungen, das Dachwasser der Liegenschaften soll in einem separaten Rohrleitungssystem gesammelt und direkt in die Aare geführt werden. Diese Massnahmen im Bereich Hüslimattstrasse/Auhof tragen gemäss Hein mittelfristig zu einer wesentlichen Entlastung bei. «Die Massnahmen können pro Liegenschaft sehr individuell sein», antwortet er auf die Frage nach Tipps für betroffene Anwohner. Die Abteilung Planung und Bau gebe gerne Auskunft.

Die Umsetzung der Massnahmen auf dem GEP sei wichtig, hebt Hein hervor. Aufgrund der Klimaänderungen würden die Intensität der Niederschläge sowie auch die Hochwassersituationen eher zunehmen.