Bözberg/Riniken

Schweizweit einzigartig: Am Gäbihübel kommen 380 Tonnen Kabel in den Boden

Schweizweit einzigartig: Auf Gäbihübel kommen 380 Tonnen Kabel in den Boden

Von der Rolle unter die Erde: So verschwinden die Kabel im Bözberg.

Swissgrid baut zwischen Beznau und Birr die bestehende Leitung auf 380 kV aus. Zurzeit werden die zwölf Kabel in den Boden gelegt. Für alle Beteiligten bedeutet das Projekt eine neue Dimension.

Zum ersten Mal verlegt Swissgrid, die Eigentümerin des Schweizer Höchstspannungsnetzes, 380-Kilovolt-Stromleitungen in den Boden. Am «Gäbihübel» in Bözberg/Riniken ist zurzeit eine spektakuläre Bauphase im Gang. Insgesamt zwölf Stromkabel werden auf einer Länge von 1,3 Kilometern in den Boden verlegt.

Hintergrund: Swissgrid baut zwischen Beznau und Birr die bestehende Leitung auf 380 Kilovolt aus. Es handelt sich dabei um ein Teilstück der Leitung zwischen Beznau und Mettlen LU. Das ist ein wichtiges Projekt im Rahmen des "Strategischen Netzes 2025". Damit sichert das verantwortliche Unternehmen Swissgrid die Energieverteilung und die Versorgungssicherheit insbesondere im Ballungsraum Zürich und in der Zentralschweiz.

Der rund 6,5 Kilometer lange Abschnitt zwischen den Gemeinden Rüfenach und Habsburg ist das letzte, noch nicht ausgebaute Teilstück dieser Leitung. Speziell am Ausbau: Im Jahr 2011 hat das Bundesgericht entschieden, dass am Gäbihübel in Bözberg/Riniken auf einer Länge von 1,3 Kilometern ein Teilverkabelungsprojekt ausgearbeitet wird. 

Während ein Grossteil der Leitung oberirdisch geführt wird, verläuft sie zwischen Bözberg und Villnachern also unterirdisch. In der Folge wird – die Verantwortlichen gehen vom Jahr 2021 aus – die bestehende 220 Kilovolt-Leitung zwischen Rüfenach und Habsburg demontiert.

Die Logistik ist eine besondere Herausforderung

Bis Mitte August sollen die zwölf Starkstromkabel im Boden sein. Dafür sind zwölf Schwertransporte nötig. Von der Herstellerfirma Brugg Cables werden die Kabel zum Übergangsbauwerk Nord am «Gäbihübel» transportiert. Es sind auch für den Hersteller neue Dimensionen: Der Durchmesser der Kabelrolle beträgt 4,6 Meter, die Breite 3,8 Meter. Jede wiegt, inklusive Kabel, ca. 40 Tonnen. Ein Meter Kabel ist 21 Kilogramm schwer. Entsprechend werden gut 380 Tonnen Stromkabel in den Boden gebracht.

Michael Junghans von Brugg Cables sagt: «Es ist eine spezielle Herausforderung, die auch eine erhöhte Ingenieurleistung erforderte. Besonders aufwendig ist allerdings die Logistik.» Mit dem aktuellen Durchmesser hat Brugg Cables die Limite erreicht, denn die Grösse der Trommel sei durch die Brückenmasse limitiert, erklärt Junghans.

Es braucht viel Kabelgleitfett

In der Nacht auf Dienstag wurde die achte Kabelrolle angeliefert. Am Dienstagmorgen wurde dieses Kabel im Beisein von den Medien in den Boden verlegt. Von der Kabelrolle auf dem Anhänger wird das Kabel zum Übergangsbauwerk geführt. Mitarbeiter der Firma Arnold AG, die auch die Bauleitung innehat, sind dafür besorgt, dass das Kabel in die einbetonierten Schutzrohre eingeführt wird. Eine Zugmaschine zieht das Stahlseil, an dem das Kabel befestigt ist, langsam unter einer Zugkraft von etwa 4,5 Tonnen in die Rohre.

Beim Übergangsbauwerk verschwindet das Kabel in den Boden. Eine Treppe führt in den Untergrund, wo die Kabel verankert werden. Begleitet wird das Einziehen des Kabels von einem regelmässigen Rattern der Transportrollen und einem gelegentlichen Quietschen. Damit das Stromkabel gut durch die 1,3 Kilometer Schutzrohr gleitet, wird es von einem Arbeiter mit Kabelgleitfett eingerieben. Dieser Vorgang wird in zwei sogenannten Bridenschächten wiederholt.

Herausfordernd ist auch der steile Abhang Richtung Villnachern. Darum muss dort das Kabel gut befestigt werden, bevor der letzte Teil bewältigt wird. Rund einen Arbeitstag braucht es, um ein Kabel in den Boden zu legen. Dabei sind maximal acht bis zehn Arbeiter nötig. Sind die Kabel im Boden verlegt und befestigt, folgt der Anschluss an die Freileitung.

Technische und wissenschaftliche Erkenntnisse

Ob in Zukunft mehr Kabel- statt Freileitungen geben wird, kann Swissgrid nicht sagen. Der Entscheid liegt bei den Behörden. Klar ist aber, dass das aktuelle Projekt viele technische und wissenschaftliche Erkenntnisse liefern wird. Swissgrid lässt das Projekt wissenschaftlich begleiten. Untersucht werden beispielsweise der Temperaturverlauf und die Biodiversität im Boden sowie die magnetischen Felder.

Um die lokale Bevölkerung und weitere Interessierte über das Projekt zu informieren, ist im Bözberger Hafen ein Besucherzentrum erstellt worden. Am 7. September ist Tag der offenen Tür. Später kann das Zentrum nur auf Voranmeldung besucht werden. Der Besuch ist geführt und maximal für 30 Personen möglich.

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