Brugg

Schweizer Meisterschaft der Para-Schwimmer: Auf Nora Meister ruhten die meisten Blicke

In Brugg gingen 45 Teilnehmer an der Schweizer Meisterschaft der Para-Schwimmer an den Start – Nora Meister hat Tokio 2020 vor Augen.

Nachdem der Wettkampf in den vergangenen Jahren im Leistungszentrum Magglingen abgehalten wurde, war Plusport, der Dachverband des Behindertensports der Schweiz, auf der Suche nach einem neuen Veranstaltungsort. Die Verantwortlichen klopften beim Behindertensport Region Brugg an und schlugen vor, an die Aargauer Schwimm-Meisterschaft anzudocken, die ohnehin am Samstag in Brugg auf der Agenda stand.

«Warum nicht, die Infrastruktur musste ja sowieso bereit sein. Da gibt es so viele Synergien», sagt Thomas Rauber, früherer Präsident der SLRG Sektion Baden-Brugg, die am Samstag Plusport bei der Organisation half. Einziger Unterschied zu sonst: Die zehn SLRG-Helfer waren den ganzen Tag über im Einsatz, gestärkt durch ein Gratis-Mittagessen im Badi-Restaurant.

Goldenes Heimspiel für Para-Schwimmerin

Goldenes Heimspiel für Para-Schwimmerin

Das 17-jährige Schwimm-Talent Nora Meister aus Lenzburg holt 3 Goldmedaillen bei der Schweizermeisterschaft in Brugg. Kann sie ihren Erfolg an den Paralympics in Tokyo im Sommer 2020 wiederholen?

«Verstecken muss sich keiner»

«Bei der Schweizer Meisterschaft steht schon das Sportliche im Vordergrund, ich erlebe das als sehr wettkampforientiert, inklusive Doping-Kontrollen», so Andreas Kohler, der aktuelle SLRG-Präsident. Er sagt: «Von heute nehme ich mit: Sportliche Höchstleistungen sind auch bei körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen möglich. Verstecken muss sich von den Teilnehmern keiner.» 45 Teilnehmer gingen bei der Schweizer Meisterschaft an den Startblock – Männer und Frauen, Jungen und Mädchen. Jahrgang 2006 war der jüngste, Jahrgang 1967 mit Stephan Fuhrer der älteste Schwimmer. 72 Starts gab es insgesamt, weil einzelne Sportler gleich in mehreren Kategorien antraten.

Disziplinen auf den vier Bahnen im 25-Meter-Becken der Badi Brugg waren 100 Meter Rücken, 100 Meter Brust sowie 50, 100 und 400 Meter Freistil. Und beim Freistil war tatsächlich der Schwimmstil frei. Ans Ziel kommen, gleich wie, stand bei vielen im Vordergrund. Voraussetzung waren nur eine gewisse Sportlichkeit und Erfahrung mit Zeitmessungen.

Schweizer Meisterschaft der Para-Schwimmer in Brugg

Weitere Szenen von der Schweizer Meisterschaft der Para-Schwimmer in Brugg.

 

«Während wir in Magglingen bei der Frage, wer teilnehmen darf, eher streng waren, haben wir die Hürde dieses Mal doch bewusst tief gelegt», berichtet Matthias Schlüssel, Leiter Spitzensport bei Plusport. Das schlug sich in der Teilnehmerzahl nieder. Schlüssel: «Waren in Magglingen nur rund ein Dutzend Schwimmer am Start, sind es mit 45 jetzt deutlich mehr.»

Die Schwimmer waren in Gruppen unterteilt, je nach Art und Schwere der Behinderung. Manche starteten per Kopfsprung, manche sprangen einfach mit den Füssen voraus hinein oder befanden sich beim Start schon im Wasser. Kraulen oder Rückenschwimmen mit nur einem Arm – auch das gab es zu sehen. Schwimmer mit internationaler Wettkampferfahrung wie Stephan Fuhrer und Nora Meister fuhren mit dem Rollstuhl bis ganz an den Beckenrand. Der querschnittsgelähmte Fuhrer beeindruckte die Zuschauer damit, dass er beim Schwimmen nur die Arme einsetzen kann.

Paralympics in Tokio als grosses Ziel

Auf Nora Meister, Weltrekordhalterin und WM-Bronzemedaillengewinnerin, ruhten erwartungsgemäss die meisten Blicke. Die 16-Jährige ist der Shooting-Star im Para-Swimming. Als Lenzburgerin hatte sie einen der kürzesten Anfahrtswege. Die bei der Bewegung und im Hören beeinträchtigte junge Frau: «Wenn ich im Wasser bin, fühle ich mich ‹normal›. Da bin ich in meinem Element.» Die Teilnahme an den Paralympischen Sommerspielen in Tokio nennt sie als ihr nächstes, grosses Ziel.

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