Exakt 126,311 Kilometer hat die frisch gebackene Schweizer Meisterin Gabriele Werthmüller dieses Wochenende beim 12-Stunden-Lauf auf der Aareinsel Brugg zurückgelegt. Die Ultramarathonläuferin holte nicht nur den ersten Platz bei den Frauen, sondern überbot auch ihre Vorjahresdistanz von 121,177 Kilometern. Die Siegerin ist denn auch sehr zufrieden mit ihrer Leistung, zumal sie bis zum Freitag noch gar nicht mit der Teilnahme an diesem aussergewöhnlichen Ereignis rechnen konnte. Nur dank dem Angebot eines verletzten Laufkollegen, ihre Helfer-Schicht zu übernehmen, kam sie ganz spontan noch in diesen «Lauf-Genuss».

Man könnte jetzt meinen, dass eine Teilnahme ohne spezifische Vorbereitung etwas gewagt ist. Allerdings nicht für Gabriele Werthmüller. Im Gegenteil, die erfahrene Sportlerin nimmt am Nachmittag vor dem Lauf sogar noch an einem Familienfest auf dem Bächlihof in Oberflachs teil, bevor sie sich um Mitternacht Richtung Brugger Geissenschachen aufmacht. Die gebürtige Thalnerin hat einen robusten und erfahrenen Läufermagen und so kam es trotz der nicht ganz optimalen Ernährung zu keinerlei Komplikationen.

Adrenalinschub nach Gewitter

Das grössere Problem in dieser Nacht auf den Sonntag war das Unwetter, welches die Teilnehmenden vor schwierige Bedingungen stellte. Um 4 Uhr morgens zog ein starkes Gewitter auf, das für technische Probleme bei den Organisatoren sorgte und das die meisten Läuferinnen in den regengeschützten Unterstand zwang. Werthmüller beeindruckte dies kaum. Im Gegenteil: Der Regen und das Gewitter spornten die 40-Jährige an.

Sie scheint eine Schlechtwetter-Läuferin zu sein, so ganz nach dem Motto: Wer rastet, der rostet. Mit dem zusätzlichen Adrenalinschub durch das Gewitter und einem guten Verpflegungsrhythmus läuft sie zur Höchstleistung auf, plaudert zwischendurch mit den Mitlaufenden und sichert sich so sonntags um 12 Uhr den Schweizer Meisterschaftstitel.

Über 40 Kilometer vor Zweitplatzierten

Den Erfolg erklärt sich Werthmüller mit der Erfahrung und durch die Lockerheit, die sie vor dem Wettkampf hatte, da sie gar nicht mit einer Teilnahme rechnete. Nun wolle sie im nächsten Jahr versuchen, die 130 Kilometer-Marke zu knacken, meint die Laufbegeisterte nur einen Tag nach dem Triumph. Erstaunlich an diesem Resultat ist, dass die zweitplatzierte Schweizerin mit 78,996 Kilometern einen deutlichen Abstand auf die Siegerin hatte. Werthmüller liegt zurzeit auf Rang 10 der Weltjahresbestenliste 2014 der Frauen im 12-Stunden-Lauf.

Gold am Bieler 100-Kilometer-Lauf

Einen Tag nach dem 12-Stunden-Lauf scheint es ihr gut zu gehen. Die Arbeitswoche hat auch für die Sozialarbeiterin beim Sozialdienst in Derendingen wieder angefangen. Ausserdem geht es in zwei Wochen mit 17 Kilometern am Murtenlauf weiter. Die Läuferin absolviert 12 bis 14 Wettkämpfe pro Jahr; da bleibt nicht viel Zeit für eine Pause.

Impressionen vom 12-Stunden-Lauf in Brugg

Impressionen vom 12-Stunden-Lauf in Brugg

Pro Woche trainiert sie im Jahresschnitt rund 90 Kilometer und bei einer Vorbereitung für einen langen Wettkampf können es auch mal ein paar Kilometer mehr sein. Der wichtigste Wettkampf ist für Werthmüller der Bieler 100-Kilometer-Lauf: 2013 gewann sie die Goldmedaille; dieses Jahr folgte der zweite Platz, was bereits die zweite Bieler Silbermedaille in der Karriere der 40-Jährigen war.

Für die Frau aus dem Schenkenbergertal scheint kaum eine Distanz unrealistisch zu sein . Dies hat sie auch an diesem Wochenende im Brugger Geissenschachen wieder ausdrücklich bewiesen.

Hier finden Sie die Ranglisten.