Terrorist

Schweizer Gotteskrieger drückte in Brugg die Schulbank

Türkische Medien berichten, dass er der aufständischen Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) angehört. Diese Terrormiliz steht der al-Qaida nahe.

Türkische Medien berichten, dass er der aufständischen Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) angehört. Diese Terrormiliz steht der al-Qaida nahe.

Çendrim R. ist in Brugg aufgewachsen und nun ein Dschihadist – vor einer Woche war er angeblich in einen Terroranschlag auf einen Kontrollpunkt in der Südtürkei verwickelt und verhaftet worden. Drei Menschen starben, darunter ein Polizist und Soldat.

Er ist in Brugg aufgewachsen, ging hier zur Schule - und wurde Dschihadist: Çendrim R. Er wurde kürzlich in der Türkei verhaftet, weil er in ein Attentat verwickelt sein soll: Vor einer Woche haben europäische Dschihadisten in der Südtürkei einen Kontrollpunkt der Polizei attackiert. Drei Menschen starben, darunter ein Polizist und ein Soldat.

R. soll sich auf der Rückreise aus dem syrischen Bürgerkrieg nach Kosovo befunden haben. Türkische Medien berichten, dass er der aufständischen Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) angehört. Diese Terrormiliz steht der al-Qaida nahe.

R. ist um die 23 Jahre alt und hat einen grossen Bruder. Wie Fussballer Xherdan Shaqiri stammt er aus Gjilan, einer Stadt im Südosten des Kosovo. Laut «Tagesanzeiger» kam er als Siebenjähriger während des Krieges in die Schweiz - nach Brugg, wo seine Verwandten leben. Hier ging er zur Schule.

Ein Bekannter von R. erzählte dem «Tagesanzeiger», dass R. in der Realschule durch Gewaltausbrüche aufgefallen sei und immer wieder in Schlägereien verwickelt war. Auch einen Lehrer habe er angegriffen. Zudem habe R. immer ein Messer auf sich getragen.

Nach der Schule absolvierte er keine Lehre, sondern wurde kriminell: Wegen eines bewaffneten Raubüberfalls auf einen Juwelier soll er eine dreijährige Haftstrafe in der Justizvollzugsanstalt Lenzburg abgesessen haben.

2013 ausgeschafft

Ende Februar 2013 wurde R., der offiziell Bürger von Serbien-Montenegro ist, ausgeschafft. Seine Aufenthaltsbewilligung für die Schweiz wurde ihm entzogen. «Wegen erheblicher Straffälligkeit», so eine Sprecherin des Bundesamts für Migration gegenüber dem Tagesanzeiger, «ist die Person weggewiesen worden.»

In der Schweiz ist R. nicht als besonders gläubig aufgefallen. Wann und wo er sich so radikal dem Islam zuwandte, ist nicht bekannt - verschiedene Medien berichten, es sei während seiner Haft in Lenzburg geschehen. Andere wiederum glauben zu wissen, dass R. erst nach seiner Ausreise aus der Schweiz zum Dschihadisten wurde. Zu seiner Familie soll er über längere Zeit keinen Kontakt gehabt haben.

Dass junge Albaner im syrischen Bürgerkrieg kämpfen, ist bekannt: Laut albinfo.ch, dem schweizerisch-albanischen Infoportal, hat die freie syrische Armee rund 800 Freiwillige aus Albanien, Mazedonien und Kosovo rekrutiert.

Der norwegische Terrorexperte Petter Nesser sagt gegenüber «Blick», die «Vereinigung Islamischer Staat im Irak», der sich R. angeschlossen haben soll, sei «eine der extremsten unter den Aufständischen in Syrien". Bei europäischen Gotteskriegern sei sie sehr populär. «Nur selten werden in Europa rekrutierte Dschihadisten zu internationalen Terroristen», so Nesser. «Die Trainingslager finden in Pakistan, Afghanistan, Tschetschenien oder Kaschmir statt. Kaum einer kehrt dann in den Westen zurück.» Laut einer Studie erreiche aber nur einer aus neun dieses selbsternannte Ziel eines internationalen Terroristen.

Einer aus neun - für R.‘s Familie in Brugg ist das einer zu viel. Gegenüber aargauerzeitung.ch wollten sie sich nicht dazu äussern. Sie bittet darum, in Ruhe gelassen zu werden, die Familie sei durch diese Sache bereits genug kaputt gegangen. (nro)

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