Michael Grunder (Erich Eggimann) wird von einer üblen Ahnung umgetrieben. Er fürchtet, dass ihn seine Kinder umbringen wollen. Grund dafür besteht durchaus. Als «Bauland-Bauer» ist er schwer zu Geld gekommen. Dieses Geld will er aber, wie er seinem Freund Hermann Rohrbach (Peter Steiner) anvertraut, nicht seinem nichtsnutzigen (Halb-)Nachwuchs hinterlassen. Er will es in eine Stiftung stecken.

Tatsächlich sind die Attentats-Pläne von Stiefsohn Rolf (Bruno Schaffner) und Stieftochter Janine (Alexandra Schumacher) weit gediehen. Der Würfelzucker, mit dem der alte Grunder um die Ecke gebracht werden soll, ist präpariert.

Grunder findet sich denn auch bald in einer Zwischenwelt wieder: Im Terminal von «Angel-Air» und «Underground-Train». Dort hat sich ein Panoptikum an Figuren versammelt. Vom Fallschirmspringer, der vergessen hatte, die Reissleine zu ziehen, bis zum Rennvelo-«Gümmeler», der den Blick statt auf die Strasse auf eine schöne Frau gerichtet hatte.

Frau Rosso (Ramona Zumstein), als prächtig anzuschauende Rokoko-Kokotte, und Herr Bianco (Heinz Geissberger), als Playboy im weissen Anzug mit Mafia-Hut und «Laggschüeli», führen das Zepter. Ihnen obliegt es, die Ankommenden auf deren Bestimmung einzuspuren: Himmel oder Hölle. Immerhin gibts in diesem Irgendwo im Nirgendwo Cüpli.

Fehler im himmlischen (oder höllischen) System

Probleme bereitet aber ein gewisser Peter Walter (Fabian Giger). Er war auf dem Weg zur Familie seiner Angebeteten verunglückt. Im himmlischen (oder höllischem) System hat sich jedoch ein Fehler eingeschlichen. Frau Rosso und Herr Bianco entscheiden sich fürs «Reset» (man kennt das aus der Politik). Die Zeit wird angehalten. Peter Walter kann, unter allerhand Auflagen, ins Leben zurückkehren.

Weil die Zeit angehalten worden ist, bereitet man sich dort – im Hause Rohrbach – auf die Ankunft des «untoten» Peter Walter vor. Denn dessen Angebetete Katrin Rohrbach (Bettina Leutwiler) ist niemand anders als Herrmann Rohrbachs Tochter. Und – man ahnt es schon – das Zusammentreffen von Hermann Rohrbach und Peter Walter führt zu Stunk und ungeheuerlichen Erkenntnissen.

Aktuelles Stück in den Zeiten von Fake News

Wer mit wem welche fiesen Fäden gezogen hat, um an Grunders Geld zu kommen, soll nicht verraten werden. Die «Wörklichkeit» ist erschreckend. Rico Spring ist es gelungen, als Autor ein Stück zu schreiben – und es als Regisseur mit seiner Truppe auf die Bühne zu bringen –, das einen herrlich grusligen Blick in menschliche Abgründe eröffnet.

Ein aktuelles Stück zudem, in den Zeiten von Fake News, in denen man sich ständig fragt, was denn nun «Wörklichkeit» ist. Ein Stück vor allem aber, das den Akteurinnen und Akteuren Gelegenheit gibt, alle Register zu ziehen. Wie war das doch an der Premiere? Waren der Hustenanfall Herrn Biancos und Frau Rossos prompte Reaktion darauf «Wörklichkeit» oder bloss blendend gespielt? Dem Publikum hats jedenfalls sehr gefallen.