Atommüll
Schwachaktiver Abfall muss noch 300 Jahre lang kontrolliert werden

Mitglieder der Regionalkonferenz Jura Ost haben ein Endlager für radioaktive Abfälle in Frankreich besucht und sind auf viele offene Fragen gestossen.

Claudia Meier
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Zu Besuch im französischen Atommüll-Lager
9 Bilder
Das Centre de l'Aube liegt unweit eines Naturschutzgebiets
Das Dach ist mobil
Mitglieder der Regionalkonferenz Jura Ost in einer leeren Lagerzelle
Betonfässer werden unter einem mobilen Dach eingelagert
Ausstellung im Besucherzentrum
André Lambert und Sophie Dubois vergleichen die Lagerkonzepte der beiden Länder
Im Lager wird es total etwa 450 Betonzellen geben
Die Zellen haben einen Überwachungstunnel

Zu Besuch im französischen Atommüll-Lager

Gerry Thönen

«Ein beachtlicher Teil der Bevölkerung glaubt, die Schweiz sei das erste Land, das ein Lager zur Entsorgung von radioaktivem Abfall bauen will», sagte Co-Präsident Ueli Müller auf der Fahrt zum Endlager Centre de l'Aube im Nordosten Frankreichs. «Wir bieten den Mitgliedern der Regionalkonferenz nun die Gelegenheit, ein Endlager, das seit Jahrzehnten in Betrieb ist, zu besichtigen.» Rund 30 von 95 Mitgliedern haben die Einladung angenommen.

In 50 Jahren ist das Lager voll

Seit 50 Jahren in Frankreich: Entsorgung an der Oberfläche

In Frankreich werden kurzlebige schwachaktive Abfälle in oberflächennahen Endlagern unter der Verantwortung der Agence nationale pour la gestion des déchets radioactifs (ANDRA) entsorgt. Von 1962 bis 1994 war dies im Centre de la Manche in Nordfrankreich der Fall. Seit 1992 wird der Abfall im Centre de l'Aube zwischen den Departements Aube und Haute-Marne entsorgt. Das Fassungsvermögen von einer Million Kubikmeter ist zehnmal so gross wie die gesamte zu erwartende Abfallmenge in der Schweiz.. Sind alle Betonzellen voll, werden sie zugedeckt und mit wasserfester Folie überzogen. Die Überwachungsphase dauert 300 Jahre. (cm)

Abfall aus dem ganzen Land

Täglich führen rund sechs Lastwagen aus ganz Frankreich Abfall aufs Areal. Die Lieferungen werden systematisch kontrolliert und anschliessend in einer der sieben offenen Zellen eingelagert.
Der Abfall stammt zur Hälfte aus Atomkraftwerken. Weiter verursachen Forschung, Medizin und die Industrie ebenfalls schwachaktiven Abfall. Das Volumen loser, Gegenstände wird zuerst mit einer Hochleistungspresse reduziert.

Die Pläne für den Bau des Centre de l'Aube sorgten für grossen Widerstand. Das ANDRA hatte viel Sensibilisierungsarbeit zu leisten und verbesserte die Kommunikation. Heute sei der Widerstand schwach, so Mer. Das Zentrum zahlt rund 7 Millionen Euro Steuern pro Jahr. Mit rund 3000 Wasser-, Luft und Grasproben pro Jahr wird die Umgebung kontrolliert.

Wichtige Informationen werden elektronisch und auf speziellem Papier an verschiedenen Orten archiviert. Der Informationstransfer für die nächsten Jahrhunderte ist eine Herausforderung. Die Markierung des Lagers nach dem Abschluss ist nur eine der vielen offenen Fragen.

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