Villnachern
Schützengesellschaft aufgelöst - doch das «Obligatorische» bleibt im Dorf

Ein Novum im Kanton Aargau: Der Pistolenclub von Villnachern ersetzt die aufgelöste Schützengesellschaft aus dem Dorf als Organisator des «Obligatorischen».

Janine Müller
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Die Schützengesellschaft löste sich auf - das Obligatorische bleibt aber im Dorf. (Symbolbild)

Die Schützengesellschaft löste sich auf - das Obligatorische bleibt aber im Dorf. (Symbolbild)

Keystone

Normalerweise führen die Schützenvereine der Gemeinden das obligatorische Schiessen für schiesspflichtige Armeeangehörige durch. In Villnachern geht das nun nicht mehr. Denn die Schützengesellschaft hat sich an ihrer 114. und letzten Generalversammlung Ende Februar als Verein aufgelöst. Es war vor allem eine Folge des stetigen Mitgliederschwunds.

Dem Gemeinderat stellte sich folglich die Frage, was denn nun weiter mit dem «Obligatorischen» geschieht. Die Option, sich bei einer anderen Schützengesellschaft und Gemeinde einzukaufen, kam für die Behörde Villnacherns nicht infrage, auch aus Kostengründen.

Ein weiterer Grund: «Wir wollen unsere Eigenverantwortung als Gemeinde wahrnehmen und uns nicht einkaufen», erklärt Gemeinderat und Ressortverantwortliche Roland König. Und: Den Betrieb der gemeindeeigenen 300-m-Schiessanlage wolle man aufrechterhalten. «Die Schiessanlage ist in einem guten Zustand und die Infrastruktur aktuell», sagt König. Ein Rückbau der Anlage würde 100 000 bis 150 000 Franken kosten, gibt König zu bedenken.

Damit war die Frage noch nicht geklärt, wer denn das obligatorische Schiessen durchführen soll. Hier hat die Gemeinde Villnachern eine ungewöhnliche Lösung gefunden. Sie beauftragt den Pistolenclub aus dem Dorf mit der Aufgabe. «Dass ein anderer Verein als der offizielle 300-m-Schiessverein das ‹Obligatorische› durchführt, das gab es im Kanton Aargau, vielleicht sogar in der ganzen Schweiz, bisher noch nicht», sagt Roland König.

Eine Aufgabe für den Turnverein?

Die Umsetzung dieser Idee gestaltete sich nicht ganz einfach. Denn es gibt Vorschriften, wer das obligatorische Schiessen durchführen darf. Beim Pistolenclub Villnachern brauchte es zuerst eine Statutenänderung. Mit einbezogen in die Gespräche wurden der aargauische Schiesssportverband, der eidgenössische Schiessoffizier und Vertreter des Kantons Aargau, die dem Vorhaben zustimmen mussten.

«Die Behörden der Kantons- und Bundesebene haben positiv auf unser Anliegen reagiert und uns darin unterstützt», sagt Roland König. Das Villnacherer Modell könnte eines sein, das künftig auch in anderen Gemeinden zur Anwendung kommt. Denn viele Schützengesellschaften haben mit Mitgliederschwund zu kämpfen.

Da stellt sich auch die Frage, ob ein Turnverein mit den entsprechend ausgebildeten Leuten das obligatorische Schiessen anbieten könnte. Hier äussert sich König skeptisch: «Ich glaube kaum, dass das ein Turnverein könnte. Es braucht Leute aus dem Schiesswesen, ausgebildete Spezialisten. Beispielsweise auch für die Aufbewahrung der Munition.»

Er gibt zu, dass er ebenfalls den Gedanken hatte, ob sogar die Gemeinde selber das «Obligatorische» durchführen könnte. Dafür müsste aber noch einiges im rechtlichen Bereich geklärt werden. «Der bürokratische Aufwand war jetzt schon riesig, um nur die Aufgabe dem Pistolenclub abzutreten», gibt König zu bedenken.

Mit dem Pistolenclub Villnachern ist vereinbart, dass er das obligatorische Schiessen für Armeeangehörige für mindestens zwei Jahre auf der Anlage der Gemeinde durchführt. Der Gemeinderat und die Verantwortlichen des Pistolenclubs hoffen nun, dass die schiesspflichtigen Villnacherer und auch jene aus den umliegenden Gemeinden ihr «Obligatorisches» in Villnachern absolvieren. Denn: «Wenn dann nur zwei bis drei kommen, dann müssen wir uns die Sache nochmals überlegen», sagt Roland König.

Daten für das «Obligatorische» in Villnachern: 9. April von 9 bis 12 Uhr, 25. Juni von 9 bis 12 Uhr, 27. August von 13.30 bis 16 Uhr.