Er hat es geschafft. Cédric Bühler ist Schreiner. «Es ist ein Traumjob, das habe ich lange nicht gewusst», sagt der austretende Berufslernende. Der 21-Jährige empfängt mich ruhig – fast schon scheu – vor seinem Lehrbetrieb, der Schreinerei des Berufsbildungsheims Neuhof in Birr.

Als wir zusammen die Werkstatt betreten, erkenne ich, dass mein erster Eindruck nicht ganz richtig war: Er fühlt sich sichtlich wohl zwischen den Maschinen, dem Sägemehl und all den verschiedenen Holzarten. Der Öl- und Lackgeruch in der Luft vermischt mit feinem Holzstaub scheint für ihn das Natürlichste der Welt zu sein. Der Vorarbeiter kommt, um zu sehen, wer da sein Reich betritt. Cédric Bühler scherzt und lacht kurz mit ihm. Damit hat sich mein erster Eindruck definitiv in Luft aufgelöst.

Momentan sieht die Zukunft für den Schreiner rosig aus. Das war aber nicht immer so. «Mit 13 habe ich die Schule verweigert. Das gab natürlich grossen Ärger mit meinen Eltern», sagt Bühler offen. Seine Beweggründe erklärt er nicht. Seine Mine signalisiert, dass diese auch nicht folgen werden. «Dann bin ich in eine Institution aufgenommen worden. Ich habe auch dort gewohnt», sagt der Lehrabsolvent weiter. Man gab ihm eine neue Chance: Cédric Bühler durfte wieder nach Hause. «Aber die alten Gewohnheiten kehrten gemeinsam mit mir zurück», sagt der Schreiner. Er ging wieder nicht in die Schule. Im Dezember 2008 nahm sein Lebensweg eine neue Richtung: Cédric Bühler trat in das Berufsbildungsheim Neuhof ein. Er hat seit dieser Zeit mehrheitlich in Birr gewohnt und gelebt.

«Hier konnte ich meine Schulzeit nachholen», sagt Bühler. Aber wochenlang die Schulbank drücken musste er trotzdem nicht. Einen Tag pro Woche sass der Schulmuffel im Klassenzimmer. Die restliche Zeit verbrachte er bei landwirtschaftlichen Arbeiten. Diese Lösung funktionierte für ihn. Der heute 21-jährige konnte so seinen Schulabschluss nachholen. «Während dieser Zeit konnte ich in allen Betrieben des Neuhofs schnuppern», sagt Bühler.

Die Möglichkeiten für den jungen Mann waren vielfältig: Maler, Metallbauer, Schreiner, Landschaftsgärtner, Florist, Landwirt oder Koch. «Von der ersten Schnupperstunde an hat mir die Schreinerei gefallen», sagt Bühler.

Er macht eine kleine Pause und deutet auf die vielen verschiedenen Holzstücke, die in der ganzen Werkstatt verteilt sind. «Auch wenn der Baum gefällt wurde, lebt das Holz. Das fasziniert mich», erklärt der Schreiner mit leuchtenden Augen. Diese Lehrstelle wurde ihm aber nicht geschenkt. Er musste sich damals ganz normal bewerben. «In der Lehre haben wir wunderbare Möbel gemacht. Manche hätte ich sofort mit nach Hause genommen», sagt Cédric Bühler. Er beschreibt einen Schrank mit eingefrästen LED-Lämpchen. Auch während der Lehre wurde der Schreiner nie richtig warm mit der Schule: «Im Gegensatz zum Arbeiten hat man in der Schule nie etwas Konkretes: Es ist immer nur Papier.»

«Wir Lehrlinge wurden sehr gut betreut. Die Mitarbeiter und Vorgesetzten haben immer dafür gesorgt, dass niemand über- aber auch nicht unterfordert war», erklärt der Schreiner. Zu Konflikten sei es aber trotzdem immer wieder gekommen. Manchmal hätte er seine Arbeit am liebsten hingeworfen und wäre erst am nächsten Tag wiedergekommen. «Aber ans Aufgeben habe ich nie gedacht. Ich war mir von Anfang an bewusst: Das ist meine letzte Chance.»

Es scheint, dass der 21-Jährige alle Schwierigkeiten der Vergangenheit überwunden hat. Momentan arbeitet er noch im Neuhof. Er hatte nach etwa 15 Bewerbungen drei Zusagen. Entschieden hat sich Bühler für Renggli Laboratory Systems. Anfang August kann er dort als Montage-Schreiner beginnen. Auch seine Wohnsituation hat er vor drei Wochen verändert: Er ist mit seiner Freundin zusammengezogen.