In den kommenden Jahren werden im Aargau zwei neue Kantonsschulen nötig sein. Eine davon könnte im Fricktal installiert werden, die andere im Raum zwischen Aarau und Baden. So lauten derzeit die Entwicklungsabsichten für die nächsten 25 Jahre. Sollten die Ausführungen vom kantonalen Departement Bildung, Kultur und Sport im bis Mitte 2019 zu erwartenden Planungsbericht zeigen, dass es tatsächlich notwendig ist, einen zusätzlichen Mittelschulstandort zu planen, scheint sich die Region Brugg-Windisch aufzudrängen. Jedenfalls würden sich dann die elf Grossräte aus dem Bezirk Brugg für eine neue Schule in der Region einsetzen. Das teilten sie vergangene Woche in einer gemeinsamen Stellungnahme mit.

Titus Meier, einer der elf Grossräte und FDP-Einwohnerrat in Brugg, will nicht abwarten. In einem an der Einwohnerratssitzung am Freitagabend abgegebenen Postulat fordert er den Brugger Stadtrat auf, sich aktiv für eine neue Kantonsschule im Raum Brugg-Windisch einzusetzen.

Evaluation und Landsicherung

In seiner Begründung schreibt Titus Meier: «Aufgrund der gestiegenen Schülerzahlen muss der Kanton gegenwärtig Schulräume zumieten und Provisorien bauen.» Angesichts der weiter steigenden Schülerzahlen (auch bei gleichbleibender Maturitätsquote) werde unabhängig von der Frage einer Tagesmittelschule im Fricktal im Aargauer Mittelland weiterer Raumbedarf erwartet. Und in diesem Zusammenhang wird der Aufbau eines neuen Standorts geprüft. «Daraus ergibt sich die Chance, dass auch die Region Brugg zu einer Kantonsschule kommen könnte», so Titus Meier.

Aus seiner Sicht ist es deshalb unabdingbar, rechtzeitig die richtigen Massnahmen an die Hand zu nehmen. Der FDP-Politiker denkt etwa an: Bildung einer Arbeitsgruppe zur Evaluation eines möglichen Standorts, Landsicherung, proaktive Kommunikation der Vorteile einer neuen Kantonsschule im Raum Brugg-Windisch und entsprechendes Lobbying. Dazu zählt auch das Schmieden von gemeinde- und bezirksübergreifenden Allianzen.

«Die Stadt Brugg sollte als Bezirkshauptort den Lead übernehmen. Doch darf eine solche Abklärung nicht nur auf die Stadt Brugg beschränkt sein, sondern sollte zusammen mit der Gemeinde Windisch und allfällig weiteren Partnergemeinden erfolgen», hält Titus Meier fest.

Aus unterem Aaretal und Fricktal

Die zentrale Verkehrslage in Brugg-Windisch könnte prädestiniert sein, um beispielsweise auch Schüler aus den bezirksangrenzenden Gemeinden und aus dem unteren Aaretal sowie dem oberen Fricktal aufzunehmen. Dies bedeutet eine Entlastung für die bisherigen Standorte. «Gleichzeitig könnte auch der öffentliche Verkehr nach Aarau und Baden entlastet werden», erwähnt der 37-Jährige.

Der Einsatz für eine neue Kantonsschule sei auch geboten vor dem Hintergrund verschiedener Reformvorhaben des Regierungsrats. Beispielsweise die Verkürzung der Schuldauer bis zur gymnasialen Matur. «Sollte dieses Vorhaben umgesetzt werden, so sind die Bezirksschulen mit ihrem dualen Bildungsauftrag mittelfristig gefährdet», so Meier. Mögliche Alternative wäre die Einführung eines Langzeitgymnasiums, wozu jedoch der Standort einer Kantonsschule notwendig ist.

So oder so muss laut Meier der Kampf für das Berufs- und Weiterbildungszentrum (BWZ) in Brugg weitergeführt werden. Allenfalls könnten beide Anliegen miteinander verknüpft werden.