Brugg/Windisch
Schulpflege: «Mehr in die Bildung statt in Beton investieren»

Einfach so wollen die Schulleitungen die Sparmassnahmen an den Volksschulen nicht hinnehmen: Sie machen mit einer Diskussionsrunde damit aufmerksam.

Luisa Bider
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Wehren sich: Die Schulleiter Martin De Boni (links) und Peter Merz. L.Bider

Wehren sich: Die Schulleiter Martin De Boni (links) und Peter Merz. L.Bider

Luisa Bider

«Entweder zielt der Regierungsrat mit diesen Sparmassnahmen absichtlich auf die Schüler, oder er hat das Thema nicht ganz durchdacht», sagt Martin De Boni, Schulleiter Windisch, und eröffnet mit diesen klaren Worten das Gespräch in der Aula Chapf in Windisch, zu dem die Schulleitungen Brugg und Windisch eingeladen haben.

Anlass zur Diskussion sind die geplanten Sparmassnahmen an den Volksschulen: Von rund 40 Oberstufen-Freifächern wie Freies Gestalten, Italienisch, Informatik oder Fotografie würden mit dem vom Regierungsrat geplanten Sparprogramm nur 5.5 Kurse übrig bleiben. «Das ist zu wenig», sind sich die 15 anwesenden Gesprächsgäste einig. Praxisbezogene Freifächer würden die Motivation stärken sowie eine gute Vorbereitung auf eine Berufslehre sein. EVP-Grossrat Sämi Richner fügt hinzu: «Ich habe heute einige Freifächer besucht und gemerkt, wie wichtig es ist, dass man seinen eigenen Interessen nachgehen kann. Könnte ich das in meinem Alltag nicht, wäre ich auch nicht motiviert.»

Anwesend sind die fünf Grossräte Sämi Richner (EVP), Dieter Egli (SP), Martin Brügger (SP), Franz Hollinger (CVP) und Titus Meier (FDP) sowie die Schulpflegepräsidenten Philipp Küng (Windisch) und Doris Erhardt (Brugg), die Brugger Stadträtin Andrea Metzler, die Windischer Gemeinderätin Rosi Magon, die Schulleiter Peter Merz (Brugg) und Martin De Boni (Windisch) sowie Lehrpersonen und Eltern aus Windisch und Brugg.

Einschulungsklassen sollen abgeschafft werden

Weitere Sparmassnahmen betreffen die Kindergärten und Primarschulklassen: Logopädie und Deutsch als Zweitsprache (DaZ) sollen reduziert, die Einschulungsklasse (EK) abgeschafft werden. Als Alternative für die Einschulungsklasse wird die Kleinklasse angeboten.

Doris Erhardt, Schulpflegepräsidentin Brugg sieht keinen Sinn in den Änderungen: «Solche Einsparungen sind nur kurzfristig. Gibt man den schwächeren Schülern nicht rechtzeitig die Unterstützung, die sie brauchen, werden sie später viel grössere Probleme haben – was zu noch höheren Kosten und einem Qualitätsabbau führt. Man sollte mehr in die Bildung statt in Beton investieren.» Dieser Aussage schliesst sich Martin Brügger an: «Die Bildung ist der wichtigste Schweizer Wirtschaftsfaktor. Es wäre dumm, in diesem Bereich die Leistungen zu kürzen.»

Als Ursache der Sparmassnahmen sehen einige die Steuersenkungen in den letzten Jahren – aufgrund der Steuerausfälle würde den Schulen das Geld fehlen. Ausserdem würden die Massnahmen im Kontrast zur Abstimmung über die Stärkung der Volksschule stehen. «Es würden damit viele Fortschritte wieder rückgängig gemacht«, sagt Titus Meier. Mit Briefen an den Regierungsrat und Aktionen möchten die Schulen weiterhin auf das Thema aufmerksam machen.