Habsburg
Schulhund Fuchur: «Ich bin zu lang geraten und habe zu kurze Beine»

Auf ihn will keines der zwölf Kinder der Gesamtschule Habsburg verzichten: Fuchur. Seit 2011 ist er Schulhund und in dieser Funktion unverzichtbar beim Erlernen von Sozialkompetenz. Fuchur hat eine bewegte Lebensgeschichte.

Elisabeth Feller
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«Weil ich Kinder unglaublich mag, bekam ich eine Bewilligung als Schulhund», sagt Hund Fuchur.

«Weil ich Kinder unglaublich mag, bekam ich eine Bewilligung als Schulhund», sagt Hund Fuchur.

SvdM

Die Besucherin betritt das kleine Schulhaus in Habsburg. Und das nicht wegen der zwölf Kinder, die an der Gesamtschule unterrichtet werden, sondern weil dort ein Hund zu Hause ist, dessen Ähnlichkeit mit dem Glücksdrachen in Michael Endes «Die unendliche Geschichte» derart frappierend ist, dass kein Mensch auf die Idee kommt, ihn anders als Fuchur zu rufen. Diesen Schulhund müsste man erfinden, gäbe es ihn nicht schon. Fuchur ist ein Schatz – unvergleichlich und unverzichtbar für das Erlernen von Sozialkompetenz. Er hat eine bewegte Lebensgeschichte.

Hallo, Fuchur. Von dir hört man ganz viel. Du sollst angeblich der klügste Hund der Schweiz sein.

Fuchur: Wirklich? Das wusste ich ja gar nicht. Wer sagt denn so etwas?

Brötliexamen in Habsburg

Das Brötliexamen in Habsburg findet am Samstag, 21. Juni, statt.
14 Uhr: Beginn mit Ballonwettbewerb und dem Rangverlesen des letztjährigen Wettbewerbs
14.30-16.30 Uhr: Familienspiele unterm Motto «Spiel ohne Grenzen»
17 Uhr: Aufführung der Schüler in der Mehrzweckhalle
18.30 Uhr: Apéro; musikalische Begleitung: Musigwürm Windisch
ab 19 Uhr: Eröffnung Festwirtschaft
22 Uhr: Brötliexamenlied und offizielles Ende des Brötliexamens. (AZ)

Alle, die man in der Schule fragt.

Mmh. Dabei kann ich weder rechnen noch schreiben. Ich schlafe ja die meiste Zeit in meinem Korb im Klassenzimmer.

Da kriegst du aber dennoch einiges mit. Etwa über das Brötliexamen.

Klar. Ich weiss doch, wie sehr die Kinder sich darauf freuen. Vor allem, weil sie dieses Jahr Zirkus spielen.

Wie das?

Ganz einfach. Eines Tages kam ein Artist in unsere Schule und dann hat der mit den Schülern ganz toll gearbeitet.

Hast du je schon einmal Zirkusluft geschnuppert?

Nein. Ich bin auf der Strasse gross geworden.

Wo denn?

In Sofia. Weisst du, wo das ist?

Natürlich, in Bulgarien. Wer waren deine Eltern? Du bist ja . . .

. . . eine wilde Mischung? Wolltest du das sagen? Ich weiss nicht, ob meine Mutter klein oder ob mein Vater gross war. Ich weiss nur, dass ich zu lang geraten bin und für meine Grösse zu kurze und zu krumme Beine habe. Was ich nicht weiss ist, wie alt ich bin. Ich werde auf Fünf geschätzt – hoffentlich stimmt das auch.

Ich finde dich umwerfend.

O, das freut mich – vielen Dank.

Bitte erzähl weiter.

Das Strassenleben in Sofia war unglaublich hart. Dann bin ich von einer Tierschutzorganisation aufgegriffen und in ein Schweizer Tierheim gebracht worden.

Hattest Du Heimweh nach Sofia?

Nein. Es ging mir in der Schweiz gut. Mich machte bloss traurig, dass mich niemand adoptieren wollte, weil ich eben kein Rassehund war. Aber dann kam eines Tages Sabine Vos de Mooij ins Tierheim.

Sie ist Lehrerin in Habsburg.

Ja. Sie hatte mich in einer TV-Tiersendung gesehen, schloss mich sogleich ins Herz und adoptierte mich.

Warst du glücklich?

(Bellt vergnügt) Und wie! Weil Sabine Vos de Mooij allen sagte, dass ich Kinder unglaublich mag und lieb mit ihnen bin, bekam ich eine Bewilligung als Schulhund. 2011 bin ich erstmals mit ins Klassenzimmer gegangen. Seither bin ich hier. Alle haben mich gerne und streicheln mich – und ich habe sie alle gerne.