Brugg
Schulhaus Stapfer: Das halten die Parteien vom redimensionierten Projekt

Die finanziellen Rahmenbedingungen fehlen, sagt die SVP Brugg. Anders tönt es bei anderen Parteien.

Michael Hunziker
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Das Schulhaus Stapfer soll saniert werden.

Das Schulhaus Stapfer soll saniert werden.

Walter Schwager

Für die SVP ist der Fall klar: «Der Kredit ist zu hoch», sagt Präsident Stefan Baumann. Im Finanzplan 2014–18 der Stadt – «der bereits deutlich über unseren Verhältnissen liegt» – seien 7,1 Mio. Franken für die Sanierung des Stapferschulhauses und 0,5 Mio. Franken für die Projektierung vorgesehen, führt er aus. «Das Versäumnis liegt beim Stadtrat, der es wieder einmal klar verpasst hat, die finanziellen Rahmenbedingungen bei der Ausschreibung zu setzen.»

Die Stadt muss, steht für den SVP-Politiker fest, das Projekt deutlich redimensionieren, «wie das auch in der Privatwirtschaft üblich wäre». Klare Vorgaben bezüglich Kostendach limitieren gemäss Baumann den Spielraum der Architekten, «zwingen sie dazu, das Wünschbare vom Machbaren zu unterscheiden und das Beste mit einem gewissen Betrag rauszuholen». Das gelte im Speziellen für die geplanten Sanierungsmassnahmen. Kurz: lediglich ein stark redimensioniertes Projekt sei ökologisch sinnvoll.

Mit Sockelbau: Die Visualisierung zeigt, wie sich das erweiterte Schulhaus Stapfer präsentieren wird.

Mit Sockelbau: Die Visualisierung zeigt, wie sich das erweiterte Schulhaus Stapfer präsentieren wird.

zvg/Liechti Graf Zumsteg Architekten

«Die Stimmbevölkerung muss sich der vollen Tragweite des überteuerten Projekts bewusst sein», fährt Baumann fort. «Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass unser aktuelles Vermögen weiterhin auf Finanzerträgen beruht, die im gegenwärtigen Zinsumfeld leider auch immer geringer ausfallen.» Weiter würden die Rechnung und das Vermögen positiv beeinflusst durch zeitlich begrenzte Aufwertungsreserven in Millionenhöhe durch die Umstellung auf das Rechnungsmodell HRM2 sowie die Rückzahlung eines Darlehens. «Dies sind alles ausserordentliche Erträge. Aus betrieblicher Tätigkeit resultiert nach wie vor ein Verlust, wir können somit von einem strukturellen Defizit sprechen.» Anders ausgedrückt: «Wir leben primär gut dank unseres Finanzvermögens.» Nicht zuletzt sei daran zu denken, «dass wir in Zukunft noch ausserordentliche Abschreibungen in Millionenhöhe haben werden, wenn wir die leidige Diskussion mit der Fehlinvestition Campussaal endlich beenden werden».

Was halten die Parteien vom Kredit von 10,56 Mio. Franken für das Schulhaus Stapfer?

FDP: Die FDP-Fraktion unterstützte im Einwohnerrat den Kredit für die drei Teilprojekte grossmehrheitlich. «Der Gesamtbetrag ist hoch und wir hätten es begrüsst, wenn er tiefer ausfallen würde, doch sind die Kosten aus unserer Sicht begründet», führt die Partei aus. «Wir erwarten aber vom Stadtrat eine saubere Kostenkontrolle während der Umsetzung.» Es ist für die FDP unbestritten, dass das Stapferschulhaus nach über 30 Jahren einer grundlegenden Sanierung bedarf. Ebenso notwendig sei die Erweiterung des Schulhauses, die aber aufgrund der Situation nicht kostengünstig auf grüner Wiese realisiert werden könne.

Grüne: Das «Stapfer» sei das ehrwürdigste Schulhaus der Stadt, halten die Grünen fest. «Aber es ist in die Jahre gekommen, die Sanierung des 100 Jahre alten Gebäudes nötig, um es wieder an die Bedürfnisse seiner Schülerinnen und Schüler sowie deren Lehrpersonen anzupassen.» Dank der Erweiterung könne gleichzeitig der für die Primarschule im Zentrum ausgewiesene Raumbedarf gedeckt werden. «Am vorliegenden Projekt überzeugt die Grünen insbesondere der respektvolle und sorgsame Umgang mit dem schützenswerten Gebäude und seiner Umgebung», so die Partei. «Wir stimmen dem Baukredit deshalb zu.»

EVP: Die Einwohnerratsfraktion der EVP hat dem Betrag für die Gesamtsanierung und Erweiterung zugestimmt. «Das Schulhaus wurde erst einmal in den 1980er-Jahren sanft renoviert», schreibt die Partei. «Dies erklärt auch, dass nach sorgfältiger Prüfung der Bausubstanz die Kosten für die erste umfassende Gesamtsanierung doch relativ hoch sind.» Mit der zeitgemässen Isolation könnten die Heizkosten zukünftig gesenkt werden, führt die Partei weiter aus. Der Werterhaltung werde Rechnung getragen. «Insgesamt haben wir den Eindruck, dass mit dem Bestehenden respektvoll umgegangen wird.»

GLP: «Das Stapferschulhaus als ortsbildprägendes und Identifikation schaffendes, denkmalgeschütztes Gebäude muss von Grund auf saniert werden, um es für die nächste 50 Jahre fit zu machen», führen die Grünliberalen aus. «Weil das Erscheinungsbild und damit der Charakter des Schulhauses möglichst erhalten bleiben müssen, sind an das Erweiterungsprojekt wie auch an die Sanierungsmassnahmen erhöhte Ansprüche zu stellen, die sich auch kostenmässig auswirken.» Die Projektierung sei sorgfältig vorgenommen worden. Am erneuerten und erweiterten Stapferschulhaus dürften sich die nächsten Generationen freuen.

SP und CVP haben auf die Anfrage der Aargauer Zeitung nicht geantwortet