Brugg
Schüler «büscheln» den Festschmuck für den Rutenzug

Zum Auftakt der Büscheliwoche binden die Oberstufenschüler Kränze aus Buchsbaum- und Tannzweigen. Die Fünftklässler fertigen die Papierrosen dazu. Je schneller man bastelt, desto früher hat man frei, doch die Qualität leidet darunter überhaupt nicht.

Matthias Hausherr
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Die Primarschüler der 5. Klassen sind für die Papierrosen zuständig, welche die Strassen und Altstadthäuser zieren werden
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Die Rosen werden im Teamwork gemacht
Insgesamt werden 4634 Rosen benötigt
Wie vor 100 Jahren
Die Oberstufenschüler bis zur 3. Stufe und die Sechstklässler übernehmen das Binden der Kränze
Schüler «büscheln» Festschmuck für den Rutenzug
Schüler bringen Nachschub in das Freudensteinwäldli für die Binder
Die fertigen Kränze werden ins Schulhaus zurückgetragen
Alles in allem wurden rund 70 Tannenbäume und etwa 10 Kubikmeter Buchsbaumzweige zu Kränzen gebunden

Die Primarschüler der 5. Klassen sind für die Papierrosen zuständig, welche die Strassen und Altstadthäuser zieren werden

Matthias Hausherr

Mit dem Sturmlauf durch die Altstadt wird in Brugg die Jugendfestwoche eröffnet, die auch unter dem Namen «Büscheliwoche» bekannt ist. Dieser Name rührt daher, dass die Schüler am Montag und Dienstag Tann- und Buchsbaumzweige zu Kränzen «büscheln», die für den Rutenzug am Donnerstag die Häuser und Strassen in der Altstadt schmücken.

Total 4634 Rosen

Im Hallwylschulhaus sind die sechs Klassen der 5. Schulstufe daran, gelbe, weisse und rote Blumen zu basteln. Insgesamt müssen 4634 Rosen gefertigt werden. Das sind rund 55 Rosen pro Person. Die Schüler haben dafür die Arbeit aufgeteilt. Ein Kind faltet, das nächste schneidet, das dritte bindet den Faden an und das vierte entfaltet das Papier zur Blume. In einer Klasse liest eine Vorleserin, wie das noch vor hundert Jahren in den meisten Fabriken der Fall war. Doch die Erzählerin geht unter dem Rascheln des Papiers beinahe unter.

Freiwillige sind gern gesehen

Auf dem Pausenplatz betreuen Daniela Winterhofen und Christoph Urech das Kranzbüro, das für die Koordination und Auskunft zuständig ist. Sie betreuen auch Kinder, die sich verletzt haben. Gerade lässt sich eine Schülerin der 4. Oberstufe ein Pflaster auf die Handinnenfläche kleben, um Blasen zu vermeiden, die beim Binden der Kränze entstehen können. Als Schülerin der 4. Oberstufe müsste sie eigentlich nicht mithelfen, trotzdem hat sie sich gemeldet. Wie jedes Jahr sei man dankbar für solche freiwilligen Helfer, welche die Schüler tatkräftig beim Kranzbinden unterstützen, sagt Daniela Winterhofen. Neben Ehemaligen sind das vor allem Eltern von Schülern und Senioren.

Im Freudensteinwäldchen nebenan sind die Sechstklässler und Oberstufenschüler daran, dicke, lange Schlangen aus dem Kranzmaterial zu binden. Auch hier hat man sich organisiert: Zwei bis drei Schüler schneiden die Zweige auf die richtige Länge, die anschliessend auf dem Kranz «zurechtgebüschelt» und von einem Schüler festgebunden werden.

Lieber schön als schnell

Am Dienstag müssen alle Kränze und Blumen fertiggestellt sein. Erfahrungsgemäss dauert das bis etwa zur Mittagszeit. Je schneller die Schüler arbeiten, desto früher dürfen sie in die Badi. Darunter leidet die Qualität aber nicht unbedingt: «Wir arbeiten lieber ein bisschen langsamer, dafür werden wir am Schluss einen schönen Kranz haben», sagt ein Schüler mit prüfendem Seitenblick auf den Kranz des Nachbarn.

60 bis 80 Tannenbäume

Das Material für das Kranzbinden stellt das Forstamt zur Verfügung. Dabei handelt es sich um grobe Tann- und etwas weichere Buchsbaumzweige. Für die ganze Dekoration benötigt man rund 60 bis 80 Tannenbäume und 10 Kubikmeter an Buchsbaumästen, wie der Gesamtschulleiter Peter Merz weiss. Das Angebot an Buchsbäumen ist oft knapp aufgrund des Buchsbaumzünslers, dessen Raupen die Blätter und Rinde kahl fressen. In diesem Jahr habe man aber Glück gehabt, da viele Haushalte ihre Buchsbäume ganz loswerden möchten. Die Buchsbaumäste stammen aus privaten Gärten bis an den Rhein hinunter, die durch das Forstamt zurückgeschnitten wurden.