Sie macht aus der Not eine Tugend: Barbara Artmann, Inhaberin und Geschäftsführerin der Schuhfirma Künzli aus Windisch. Weil ihr das Geld für gross angelegte, teure Werbekampagnen fehlt, sucht sie Kooperationen mit Verbänden, Interessengruppen, Firmen, Sportlern oder Künstlern – brandaktuell mit DJ Bobo für dessen «Mystorial»-Tour.

Am gemeinsamen Neujahrsempfang für Unternehmerinnen und Unternehmer der Stadt Brugg und der Gemeinde Windisch hat Barbara Artmann am Dienstagabend im Campussaal lebhaft und launig geschildert, wie sich ihre Schuhfirma in einem hart umkämpften Markt behauptet – seit 90 Jahren mittlerweile. «Standhaft schweizerisch und fortschrittlich erfinderisch», lautet die Devise.

Ihre Stelle an der Spitze des Unternehmens trat sie 2004 an. Sie habe stets an die Chancen geglaubt und diesen Schritt nie bereut. «Und welche Frau träumt nicht von Schuhen?», fragte sie mit einem Lachen.

Tanz am Rande des Abgrunds

Für Künzli sei der Produktionsstandort Schweiz schon immer eine Stärke gewesen, betonte die Referentin. «Wir wollen hier bleiben», nannte sie eines der obersten Ziele. Durch Innovationen sei die Firma «recht hübsch und fleissig» gewachsen in den beiden Produkt-Bereichen Medizin und Mode, fuhr sie fort. Sie erinnerte aber auch an die schwierigen Zeiten, an die jahrelangen rechtlichen Auseinandersetzungen um das Markenzeichen, die legendären fünf Streifen. Mit den fünf Klötzli beendete Künzli 2012 die Streitigkeiten und wagte einen Neuanfang. «Es war ein Tanz am Rande des Abgrunds», sagte Barbara Artmann und fügte an: «Aber wir mögen Herausforderungen.»

Auch 2017 werde wieder vieles anders. «Der Schuhhandel ist enorm im Umbruch», stellte die Referentin fest. Im Bereich Medizin bringt Künzli einen Schuh mit einem neuen Stabilsystem auf den Markt. Bei der Sneaker-Linie werden Name und Design angepasst. «Das kommt richtig gut an.»

Ein Paar essbare Schuhe

Um die Kunden zu erreichen, seien Website, Webshop sowie Social-Media-Aktivitäten heute nicht mehr wegzudenken, zeigte Barbara Artmann auf. Alles sei zwar kompliziert geworden, aber enorm spannend. Als Erfolgsfaktoren bezeichnete sie die Produktion mit der Mischung aus Handwerkskunst und Technik sowie das eingespielte, gut gelaunte Team. «Sehe ich fröhliche Menschen, bin ich selber fröhlich.»

Der gemeinsame Neujahrsempfang sei eine Gelegenheit, den Unternehmerinnen und Unternehmern in ungezwungener Atmosphäre zu danken für ihr Engagement, sagten Heidi Ammon, Gemeindeammann in Windisch, sowie Daniel Moser, Stadtammann in Brugg. Der Referentin überreichten sie eine Tasche mit Geschenken – darunter ein Paar essbare Künzli-Schuhe, die aus Heidi Ammons Küche kamen.