Bözberg

Schützenvereine schiessen auch ohne Munition scharf gegeneinander

Gerade mal noch sechs Aktive zählt der Schützenbund Bözberg. Präsident Peter Roth (2. v. l.) findet trotzdem, dass eine Fusion mit der Schützengesellschaft Oberbözberg keine gute Idee wäre.

Gerade mal noch sechs Aktive zählt der Schützenbund Bözberg. Präsident Peter Roth (2. v. l.) findet trotzdem, dass eine Fusion mit der Schützengesellschaft Oberbözberg keine gute Idee wäre.

Die zwei Bözberger Schützenvereine – der Schützenbund Bözberg und die Schützengesellschaft Oberbözberg – beklagen den Mitgliederschwund. Eine Lösung für das Problem hat bisher niemand gefunden. Klar ist aber: Mit einer Fusion liebäugelt niemand.

Die Gemeinde Bözberg ist bekannt für ihre vielen Vereine. Doch das heisst nicht, dass diese nicht wie andere um ihr Überleben kämpfen müssten. Das merken auch die beiden Schützenvereine: der Schützenbund Bözberg und die Schützengesellschaft Oberbözberg.

Die Situation präsentiert sich beim Schützenbund allerdings noch wesentlich prekärer als bei der Schützengeselleschaft. Noch sechs Aktive zählt der Schützenbund. Die Mitgliederzahlen sinken seit Jahren. Präsident Peter Roth merkt zwar an: «Mehr als 10 waren es nie.» Mittlerweile überlegt sich der Schützenbund gar den Austritt aus den Schützenverbänden. «Um den Mitgliederbeitrag zu sparen», sagt Roth. Das hätte zur Folge, dass sich der Schützenbund selber versichern müsste.

Den Vorteil, den der Schützenbund hat: Die Mitglieder sind alle relativ jung, zwischen 30 und 40 Jahren. Trotzdem gelang es bisher nicht, Jungschützen längerfristig an den Verein zu binden. «Wir haben Jungschützenkurse angeboten, aber 90 Prozent der Teilnehmer verliert man dann trotzdem wieder», sagt Peter Roth. Schon fast ratlos ergänzt er: «Die Entwicklung ist halt einfach so.» Niemand wolle sich mehr an einen Verein binden. Und: «Der Schiesssport liegt einfach nicht mehr im Trend.»

Kugelfang nicht saniert

Ein weiteres Problem hat der Schützenbund mit dem veralteten Kugelfang. Noch vor der Fusion auf dem Bözberg entschieden die Gemeinden, den Schiessstand der Schützengesellschaft zu sanieren. Für den Schützenbund heisst das: Entweder er bezahlt das neue Kugelfangsystem selber, oder er stellt das 300-Meter-Schiessen auf spätestens 2019 ein. Bis dahin sind die Natur-Kugelfänge noch erlaubt. Ob der Schützenbund sich dies leisten kann, ist unklar. 30 000 Franken würde die Sanierung in etwa kosten. Zur Diskussion stehen auch Laseraufsätze für die Sturmgewehre. Es würde dann also nicht mehr mit Munition geschossen. Aber auch hier sind Investitionen in der Höhe von gut 2100 Franken pro Gewehr gefragt.

Was im Jahr 2019 mit den Mitgliedern passiert, wenn sich der Schützenbund für keine der obengenannten Umrüstungen entscheidet, sei ihnen überlassen, sagt Peter Roth. Eine Fusion – noch bevor dieses Szenario eintrifft – sei für ihn keine Option. «Es wären zwei Kulturen, die aufeinandertreffen. Das könnte zu Reibungen führen», meint er. Fügt aber rasch an, dass man durchaus einen freundschaftlichen Umgang mit der Konkurrenz vom Oberbözberg pflege und gemeinsam Jungschützenkurse durchführe.

Schiff über Wasser hal

Ähnlich klingt es vom Präsidenten der Schützengesellschaft Oberbözberg. Jakob Schweizer – selber auch nach 20 Jahren noch «en frömde Fötzu» auf dem Bözberg, wie er in breitem Berndeutsch zu Protokoll gibt – zeigt sich aber nicht ganz so resolut. Es sei auch schon ein Thema gewesen. «Ich will aber nicht bohren», sagt er. «Der Schützenbund kann auf uns zukommen.»

Von den Mitgliederzahlen her geht es der Schützengesellschaft nicht ganz so schlecht wie den Kollegen vom anderen Verein. Sie zählt rund 40 Mitglieder, davon sind 15 bis 20 noch aktive Schützen. «Wir versuchen, das Schiff irgendwie über Wasser zu halten», sagt Jakob Schweizer. Drei Faktoren macht er dafür verantwortlich, dass es immer weniger Schützen gibt. Zum einen gebe es immer weniger Leute, die «das Obligatorische» schiessen müssen, weil die Armee in den letzten Jahren derart zurückgebunden wurde. Zweitens hätten viele ihr Sturmgewehr nicht mehr zu Hause, sondern im Zeughaus. Und nicht zuletzt sei der Schiesssport wohl nicht mehr so attraktiv wie auch schon. «Er hat sich halt in den letzten Jahrzehnten kaum verändert», gibt Jakob Schweizer zu.

Beiden Vereinen gemein ist, dass sie heute Samstag, bzw. am Sonntag, 18. Oktober ein Endschiessen durchführen. Eine Möglichkeit auch für Ungeübte, Einblick in den Schiesssport zu erhalten.

Endschiessen Schützenbund Bözberg, Samstag, 10. Oktober, ab 13.30 Uhr im Schiessstand Gallenkirch. – Endschiessen Schützengesellschaft Oberbözberg, Sonntag, 18. Oktober, 13 bis 17 Uhr im Schiessstand Uelbach Bözberg. – Nachtschiessen Schützengesellschaft Oberbözberg, Donnerstag, 29. Oktober, und Freitag, 30. Oktober, jeweils 18 bis 22 Uhr.

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