Habsburg

Schüler verbessern durch Schach Sozialkompetenz und Mathe-Wissen

Die Kinder der Habsburger Gesamtschule sind mit Feuereifer beim Schachspiel dabei. EF

Die Kinder der Habsburger Gesamtschule sind mit Feuereifer beim Schachspiel dabei. EF

Jeden Freitag spielen 12 Kinder der Gesamtschule Habsburg Schach – sie gewinnen dadurch Sozialkompetenz und rechnen besser. Seit zweieinhalb Jahren veranstaltet Schulleiter Beat Troller die Spielstunde und ist überzeugt vom Konzept.

«Was sagt ihr zuerst?», fragt Schulleiter Beat Troller und sechs Kinder, die eigens für die Besucherin eine Demonstration geben, antworten wie aus einem Mund: «Ich wünsche dir eine schöne Partie.»

Das ist noch nicht alles. Mit einem Händedruck bekräftigen sie, dass das Gegenüber kein Gegner, sondern ein Partner ist in einem königlichen Spiel – Schach.

Beat Trollers Augen leuchten auf, als er den Kindern zusieht, wie sie einer Box weisse und schwarze Figuren entnehmen und diese auf dem 64 Felder zählenden Brett platzieren. Seit zweieinhalb Jahren wird in der kleinen Gesamtschule Habsburg unter dem trutzigen Schloss offiziell und mit vollem Einverständnis der Eltern Schach gespielt.

Jeden Freitag öffnet Beat Troller den Schrank im Flur, wo die acht vom Schachklub Lenzburg zur Verfügung gestellten Schachbretter liegen. Punkt 11 Uhr beginnt Trollers Schachstunde, Punkt 12 Uhr endet sie.

Bloss ein lockerer Zeitvertreib? Ein erstaunter Blick trifft die neugierige Besucherin. «Nein», winkt der Schulleiter ab und zählt flugs eine Menge von Pluspunkten auf, die für das Schachspielen in der Schule sprechen.

«Schach ist ein fantasiereiches Spiel, für das man Strategien entwickeln muss. Also darf man nicht hasten. Kinder und Jugendliche lernen, Ruhe zu finden; sie lernen aber vor allem, dass sie sich mit einem Gegenüber auseinandersetzen müssen und dass das Spiel bestimmten Regeln gehorcht. Wer Schach spielt, lernt ausserdem Erfolg kennen und mit Misserfolg umgehen», stellt der Schulleiter fest.

So weit die «weichen» Fakten. Doch Troller führt auch «harte, erwiesene» an. Welche? «Lehrerinnen und Lehrer haben festgestellt, dass Kinder dank Schach ihre mathematischen Fähigkeiten eindeutig verbessern konnten, beispielsweise im Bruchrechnen.»

Solches fällt ins Gewicht, auch bei den wenigen anderen Schulen – etwa im Wallis – die Schach als Schulfach verankert haben.

Gleichwohl landet man im Gespräch mit Beat Troller immer wieder bei den sozialen Kompetenzen, die dank Schach gefördert werden.

«Die Kinder und Jugendlichen lernen sich besser kennen, weil sie in einer ständigen Auseinandersetzung mit sich selbst sind.» Ist das königliche Spiel, das Stefan Zweig zu seiner berühmten «Schachnovelle» inspiriert hat, auch für ein cholerisches Kind tauglich?

In den blauen Augen des Habsburger Schulleiters blitzt es belustigt auf: «Am Brett ist der Charakter des Kindes zu erkennen», sagt Troller und setzt gleich hinzu: «Ich habe schon Kinder erlebt, die wahre Wildfänge waren. Aber sie haben mit der Zeit eine Ruhe erlangt, die für das Schachspiel einfach unabdingbar ist.» Mit einem Wort: Choleriker haben durchaus eine Chance.

Beat Troller selbst hat während 28 Jahren in Klubs Erfahrung im Jugendschach gesammelt. Diese waren derart positiv, dass er sie unbedingt in die Gesamtschule Habsburg einbringen wollte.

Freiwillig sollte diese Stunde sein, «aber es kamen alle», sagt der Schulleiter. Er freut sich schon auf die nächste Stunde am kommenden Freitag, die um 11 Uhr mit dem Satz beginnen wird: «Ich wünsche dir eine schöne Partie.»

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