Auenstein

Schräge Jodler, meckernde Ziegen und Vogelgezwitscher

Volksmusik, die Spass macht: Das Trio Räss mit (v. l.) Erich Fischer, Hannes Giger und Belisa Mang. Kel

Volksmusik, die Spass macht: Das Trio Räss mit (v. l.) Erich Fischer, Hannes Giger und Belisa Mang. Kel

Jazzartige Improvisationen, spannende Arrangements – das Trio Räss begeisterte die Zuhörer in der Kirche mit Volksmusik der speziellen Art. Es entstanden neue unerwartete Klangfarben, die in die Haxen fuhren und in den Ohren kitzelten.

Der Barti-Landler (in Bayern heissen die Ländler Landler) ist so stark schon abgenutzt, dass ihn anspruchsvolle Musiker kaum ins Repertoire nehmen. Nicht so das Trio Räss, das der Auensteiner Musikkommission am Sonntagabend zum grossen Vergnügen verhalf, Reservestühle aufklappen zu müssen.

Das Trio Räss transformiert den Barti-Landler vom Dreiviertel- in den Siebenachteltakt, den man in der alpinen Volksmusik nicht kennt, jedoch im slawischen Raum oder in Griechenland und im Jazz. Aus dem gemütlichen Landler wird, von Belisa Mang neu arrangiert, die «Bulbarti-Hora», ein Stück mit mitreissendem, fetzigem Drive.

Ab der Weltausstellung entstanden

Erich Fischer, Jazzer, Vibrafonist, Schlagzeuger aus Aarau, hat die Münchnerin Belisa Mang an der Weltausstellung 2000 in Hannover kennen gelernt, wo sie beide mit vielen anderen Hackbrett- und Handharmonikaspielern im Schweizer Pavillon auftraten.

Seither bilden sie, zusammen mit dem Kontrabassisten Hannes Giger aus Frick, das Trio Räss. Nach drei CDs, vielen Konzerten in der Schweiz und in Deutschland, Auftritten in Radio und Fernsehen überraschen sie noch immer mit ihrer eigenwilligen Art, die bayrische und appenzellische Volksmusik neu zu interpretieren.

Schräge Jodler, meckernde Ziegen

«Sännele hoja ho, sännele hoja ho» – das Trio zieht alle Register, um auf jeder Wanderung lauthals geplärrte Melodie aufzupeppen. Die Saiten von Hackbrett und Kontrabass werden gezupft, geschlagen, gestrichen.

Es entstehen neue unerwartete Klangfarben, die in die Haxen fahren und in den Ohren kitzeln. Schräge Jodler mischen sich mit Waldesrauschen, Vogelgezwitscher, dem Meckern von Ziegen und dem Krähen eines Hahns.

Derartige Laute und Geräusche tönen ja in Bayern und im Appenzell gleich, doch auch musikalisch sind die beiden Gegenden einander sehr nahe.

Hin und wieder waren die begeisterten Zuhörer versucht, in ein Lied einzustimmen. Man hielt sich aber zurück, man hätte ja zum eigenen Leidwesen das fantastische Hörvergnügen stören können.

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