Brugger Neujahrsblätter
Schöne und traurige Geschichten: Wie Surfer, Schüler und Soldaten die Adventszeit feierten

Die Brugger Neujahrsblätter erzählen schöne, traurige und lustige Geschichten aus der Adventszeit, die in den letzten 100 Jahren hier passiert sind.

Deborah Bläuer
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Den Krieg für eine kurze Zeit vergessen: Soldaten feiern Weihnachten (Symbolbild).

Den Krieg für eine kurze Zeit vergessen: Soldaten feiern Weihnachten (Symbolbild).

KEYSTONE

Die Adventszeit ist selten so romantisch wie in den Bilderbüchern dargestellt. Anstelle von Schnee liegt überall Matsch, Geschenke zu kaufen artet in Stress aus und das «Kling Glöckchen» der Kirchen stört die Nachtruhe mancher Leute. Wie schön muss es früher gewesen sein, als man mit dem Pferdegespann durch die verschneite Landschaft fuhr, um im Wald einen Tannenbaum zu fällen.

In einem Anflug von Nostalgie hat die AZ die Brugger Neujahrsblätter der letzten 100 Jahre durchgesehen, um sich ein Bild zu machen, wie es damals war. Zutage gekommen sind mehr oder weniger besinnliche, heitere wie auch traurige Anekdoten und Berichte aus der Region.

Rosen an Weihnachten

Beliebt war der Klausmarkt in Brugg schon 1918. Damals grassierte die Spanische Grippe, die zahlreiche Todesopfer forderte. Ein Versammlungsverbot, welches das weitere Ausbreiten der Krankheit verhindern sollte, helfe sowieso nicht, fand man und so wurde der Klausmarkt durchgeführt. Wenig beeindruckt von den äusseren Umständen zeigte sich die Bevölkerung auch im Jahr 1929 und besuchte den Klausmarkt trotz starkem Sturm, Schneegestöber und Regen. Dafür war am 25. Dezember wieder alles grün. Drei Jahre später berichtete der Chronist gar über knospende und blühende Rosen am Weihnachtstag.

Seine Stimmung vermochte die unverhoffte Blumenpracht jedoch nicht zu heben. Denn er schrieb: «Die Welt steht im Zeichen der Krisis. Niemand weiss, wie das enden soll. Man prophezeit allgemein den Untergang des Kapitalismus und den Zerfall der weissen Zivilisation.» Doch trotz der Weltwirtschaftskrise wurde Weihnachten gefeiert. So stellte er erstaunt fest: «In der Stadt bemerkt man ein geschäftiges Treiben. Trotz Krise scheinen die Leute Geld zu besitzen, um Festgeschenke zu kaufen.»

Eifrig gespendet wurde während des Zweiten Weltkriegs für die Soldatenweihnacht. Die hier stationierten Zürcher Soldaten liessen es sich 1939 nicht nehmen, einen Räbeliechtli-Umzug zu veranstalten. Erfolgreich gestaltete sich die Adventszeit im darauffolgenden Jahr für die polnischen Internierten. Ihr Konzert wurde äusserst gut besucht und eine Woche später gewannen sie gegen den Fussballklub Brugg.

Positives gab es auch im Dezember 1976 zu vermelden. Der Chronist freute sich darüber, dass im Altersheim in Windisch Reformierte und Katholiken zum ersten Mal zusammen Weihnachten feierten. Für einen schönen Ausklang der 70er-Jahre sorgten die Schulklassen des ganzen Bözbergs mit der Aufführung der «Zäller Wiehnacht». Nicht vom Sommersport abhalten liessen sich zwei Surfer 1981. Sie turnten mit verankerten Surfbrettern bei –6 Grad auf der Aare herum.

Konzert im Flugzeughangar

Vielleicht war es der Gedanke an eine zu stille Nacht, die den Brugger Stadtrat im Dezember 1988 dazu veranlasste, die Beschwerde eines Anwohners abzuweisen, in der ein totales Läuteverbot für die Glocken der katholischen Kirche gefordert wurde. An einem ungewöhnlichen Ort gab das Stadtorchester Olten im Jahr 1989 ein Adventskonzert, nämlich im Flugzeughangar in Lupfig. Ob es als Dankeschön einen Gratis-Rundflug gab, ist nicht bekannt. Am Stephanstag 1999 fegte der Sturm «Lothar» den ganzen Weihnachtszauber hinweg. Dafür schien der Chronist 2003 umso mehr in Weihnachtsstimmung zu sein. So ist der poetische Satz zu lesen: «Kinder der Musikschule geben zusammen mit Pfarrer Wolfgang Rothfal der städtischen Weihnachtsfeier den Glanz und die Wärme, die die Besucher mit Zufriedenheit erfüllt und sie den Gedanken des Friedens weitertragen lässt.»

Umweltbewusst zeigt sich die Stadt Brugg ab dem Jahr 2013. Durch die Umstellung auf LED-Lampen senkte sie den Energieverbrauch der Weihnachtsbeleuchtung von 22 000 auf 2900 Kilowattstunden. Diese sorgt auch heuer wieder für festliche Stimmung. Womit wir in der Gegenwart angekommen wären, in der hoffentlich viele schöne Adventsgeschichten geschrieben werden.

Als Quelle dienten die Brugger Neujahrsblätter 1917 bis 2017.

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