Rottweil (D)
Schöne Aussicht: Der schwarze Turm hat nichts zu melden

Schon bald kann Bruggs Partnerstadt Rottweil (D) mit der höchsten Aussichtsplattform Deutschlands punkten – und die Besucher anlocken.

Michael Hunziker
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Der fertige Rohbau hat eine Höhe von rund 245 Metern erreicht, die öffentliche Aussichtsplattform wird sich auf 232 Metern befinden. zvg

Der fertige Rohbau hat eine Höhe von rund 245 Metern erreicht, die öffentliche Aussichtsplattform wird sich auf 232 Metern befinden. zvg

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Der trutzige Schwarze Turm beim Aareübergang ist das älteste Bauwerk auf Brugger Boden und wurde 1238 erstmals urkundlich erwähnt. Das hiesige Wahrzeichen in Ehren, aber mit einer Höhe von knapp 26 Metern kann es bei weitem nicht mithalten mit dem Riesen, der derzeit im idyllisch gelegenen Rottweil entsteht.

In Bruggs Partnerstadt baut das Unternehmen ThyssenKrupp einen rund 245 Meter hohen Testturm für Aufzüge. Mit dem öffentlichen Aussichtspunkt auf 232 Metern Höhe verfügt dieser über Deutschlands höchste Besucherplattform. Getestet und zertifiziert werden können in der neuen Forschungseinrichtung innovative Aufzüge, die dann in den Wolkenkratzern auf der ganzen Welt zum Einsatz kommen. Mit 12 Schächten und Fahrgeschwindigkeiten von bis zu 18 Metern pro Sekunde würden «nie dagewesene Möglichkeiten zur Lösung kommender Herausforderungen» geboten, stellt das Unternehmen fest. Drei Schächte seien alleine für den «revolutionären seillosen» Multi-Aufzug vorgesehen.

Einweihung Anfang 2017

Bezeichnet wird der Testturm als Blickfang sowie als Innovationsschmiede. Geplant von bis zu 100 Ingenieuren, wuchs er ab letztem Jahr in Rekordtempo in die Höhe. Beim Bau im 3-Schicht-Betrieb gesetzt wurde auf eine sogenannte Gleitbauschalung. Diese Konstruktion wurde mitsamt den Arbeitsplattformen hochgezogen und die Arbeitsschritte – wie das Betonieren und das Nachbehandeln – konnten ohne Unterbruch ausgeführt werden. Verwendet wurden unter anderem 15 000 Kubikmeter Beton sowie 2640 Tonnen Stahl. Das Investitionsvolumen beträgt mehr als 40 Mio. Euro.

«Nachdem der Testturm im Sommer 2015 seine endgültige Höhe erreicht hat, sind wir derzeit mit dem komplexen Innenausbau beschäftigt», sagt Michael Ridder, Leiter der ThyssenKrupp-Pressestelle. In diesem Frühjahr werde am Betonbau dann die prägnante Hülle aus Glasfasergewebe befestigt, die dem Turm sein charakteristisches Aussehen verleihen wird.

Der Bau des Testturms, fährt Ridder fort, liege völlig im Plan, sowohl was den Zeit- als auch Kostenrahmen angehe. Ausgegangen werde weiterhin von einer Inbetriebnahme Ende dieses Jahres. «Die Besucherplattform wird dann offiziell Anfang 2017 eingeweiht und der Turm der Öffentlichkeit freigegeben.» Zu erwarten ist laut ThyssenKrupp «dank rundum bodentiefer Verglasung eine spektakuläre 360-Grad-Sicht bis auf die Schwäbische Alb – bei idealen Bedingungen sogar bis zu den Schweizer Alpen».

Die Reaktionen auf das Bauwerk seien übrigens sehr positiv und für ein Vorhaben dieser Grössenordnung absolut einmalig, sagt der Mediensprecher. ThyssenKrupp habe von Beginn an einen starken Rückhalt durch die lokale Politik erfahren, die Bevölkerung sei durch die transparente Informationspolitik stets über alle Planungen und Fortschritte informiert gewesen. «Das war sicherlich ein wichtiger Faktor.»

Ort der Superlative

Ridder ist überzeugt, dass sich der Turm zu einem beliebten Ausflugsziel entwickeln und die Aussichtsplattform der Stadt Rottweil einen Schub in Sachen Tourismus verleihen wird – zusammen mit der geplanten, längsten Fussgänger-Hängebrücke der Welt. Diese weitere Attraktion könnte – verläuft alles reibungslos – im Herbst 2017 eröffnet werden und über rund 900 Meter von der historischen Innenstadt über das Neckartal direkt zum Testturm führen. Die Kosten werden auf etwa‹ 6 Mio. Euro geschätzt und von einem privaten Investor getragen.

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