Königsfelden

Schon Königin Agnes kannte den Glockenschlag der Klosterkirche

Das Vesperglöckchen zählt zu denältesten im Kanton Aargau. NN

Das Vesperglöckchen zählt zu denältesten im Kanton Aargau. NN

Seit 700 Jahren hängt die Glocke in der Klosterkirche Königsfelden und gibt mit ihrem Geläut die Zeit an. Sie zählt zu den ältesten im Kanton Aargau. Doch auch im Alter soll sie nicht ruhen. Die Glocke erhielt einen neuen elektrischen Antrieb.

In früheren Jahrhunderten ersetzte der Glockenschlag der Königsfelder Klosterkirche für viele Bewohner der umliegenden Gemeinden die Uhr. 1802 etwa traf ein Begehren des «Kantons Baden» ein, der Turm sei zu reparieren und das Geläute wiedereinzuführen, da sich sonst die Landbevölkerung und insbesondere die Bauern nicht nach der Uhr richten könnten. Viele Windischer können sich auch heute noch kaum vorstellen, dass das sogenannte Vesperglöcklein im Dachreiter der Klosterkirche um 7, 11 und 15 Uhr nicht mehr schlägt – so sehr hat man sich daran gewöhnt.

Ab Anfang dieses Jahres ertönte aber ein Glockenschlag mit Aussetzern und ungleicher Stärke, was Anwohner denn auch umgehend meldeten. Schon vor Jahren hatte die Glockengiesserei Rüetschi, Aarau, gewisse Sanierungsarbeiten ausgeführt; diesmal nun galt es, die elektronische Antriebstechnik zu ersetzen. Der Mitarbeiter Franko Strebec aus Birr zwängte sich vom Estrich aus in den engen Dachreiter hinauf und führte während zweier Tage diese Arbeiten aus. Jetzt schlägt die Glocke wieder gleichmässig und gut abgestimmt. Der Schaltkasten ist im Estrich untergebracht.

Wie René Spielmann, Geschäftsführer der Rüetschi AG, auf Anfrage erklärte, stammt die rund 350 Kilogramm schwere Glocke mit einem Durchmesser von 82 Zentimeter aus dem 14. Jahrhundert und damit aus der Gründungszeit von Kirche und Kloster. Sie zählt zu den ältesten im Kanton und ist im Originalzustand sehr gut erhalten. Einzig der Klöppel musste ersetzt werden. Am Hals findet sich eine Umschrift in gotischen Grossbuchstaben: «Ave Maria Gracia Plena / Defunctos Plango Vivos Vogo Fulgura Franco». Übersetzt: «Gegrüsst seist Du Maria, voll der Gnade. Die Toten beklage ich, die Lebenden rufe ich, die Blitze breche ich.» Wo die Glocke gefertigt wurde, ist nicht bekannt.

Wie sich Anton Zehnder, welcher früher Königsfelder Führungen leitete, erinnert, war die Glocke bis zum Jahr 1978 von Hand geläutet worden. Der Strang reichte in die Mitte des Chores hinab und endete als Lederriemen. Für das Läuten war ein Pfleger zuständig, während vieler Jahre aber auch ein Patient. Dann erfolgte die Elektrifizierung, bei einer späteren Restaurierung der Einbau einer Funkuhr.

Die Glocke bleibt beim mitternächtlichen Übergang ins neue Jahr stumm. Ein Mal gab es eine Ausnahme: Vor etwa 17 Jahren setzte der verantwortliche Mitarbeiter der Klinik die Glocke kurz vor Mitternacht in Betrieb und ging kurz weg, da er zu einem Kaffee eingeladen war. Dabei vergass er die Abschaltung. Als sich Anwohner telefonisch bei der Klinikzentrale über die anhaltenden Glockenschläge beschwerten, brachte der Mann das Läutwerk zum Schweigen. Das neue Jahr war tüchtig eingeläutet worden…

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