Bezirk Brugg

Schloss Habsburg: Kaiser Franz persönlich kam auf Besuch

Eintrag im Gästebuch Schloss Habsburg: Franz Mpia der erste Oesterreichische Kayser, zvg/Staatsarchiv Aargau NL.A-0229

Eintrag im Gästebuch Schloss Habsburg: Franz Mpia der erste Oesterreichische Kayser, zvg/Staatsarchiv Aargau NL.A-0229

Vor 200 Jahren weilten nacheinander drei Angehörige des österreichischen Kaiserhauses in der Region. Dies zeigen Einträge im Gästebuch des Schloss Habsburg.

Der Wiener Kongress und die auf Waterloo folgenden Verhandlungen in Paris bestätigten das Fortbestehen des Kantons Aargau. Die diplomatischen Reisen führten 1814 und 1815 mehrere hohe Besucher durch unser Land, die auch im Bezirk Brugg Station machten. 1815 machte der Bruder des österreichischen Kaisers, Erzherzog Johann, den Anfang, als er in seiner Funktion als Kommandant der Rheinarmee von Italien her kommend am 3. Juni die Habsburg besichtigte.

Auf Ankündigung des Besuchs wurde die Burg eilends vom gröbsten Gestrüpp befreit und die Umgebung «in gehörigen Stand» gesetzt. Zusammen mit den Regierungsräten Johannes Herzog von Effingen, Albrecht Rengger und dem noch als Vorderösterreicher in Laufenburg geborenen Franz Joseph Venerand Friderich tafelte man nahe der Burg in einem Zelt; der Erzherzog besuchte anschliessend Königsfelden und reiste weiter nach Baden.

«Kaiserkuh» zierte den Stall

Kaiser Franz I. persönlich tat es ihm nach der letzten Niederlage Napoleons gleich: am 11. Oktober auf der Rückreise von der Pariser Konferenz und in Begleitung des Grafen Wrbna. Diesmal wurde das Mittagessen im Beisein der Regierungsräte Herzog von Effingen, Reding und Rothpletz im Bad Schinznach eingenommen. Freiwillige aus Brugg stellten die Ehrenwache.

Die Stammburg würdigte der Kaiser mit dem eigenhändigen Eintrag («Mpia», manu propria) im Fremdenbuch, das der Regierungsrat in Anbetracht der historischen Bedeutung damit zu beschliessen bestimmte. Überliefert wird die Anekdote, dass Schlosswärter Emanuel Hummel so herzerweichend über eine verstorbene Kuh zu klagen verstand, dass der Kaiser nicht umhinkonnte, ihm eine neue zu schenken, die fortan als «Kaiserkuh» den Stall zierte. Weiter ging es ebenfalls nach Königsfelden und zum Nachtquartier in Baden. Nur wenige Wochen später folgte Kronprinz Ferdinand den väterlichen Spuren.

Verbundenheit weiter gestärkt

Dieselbe Regierungsdelegation hatte zwei Tage vor dem Kaiserbesuch, am 9. Oktober 1815, in Brugg bereits Alexander I. auf der Durchreise begrüsst. Der russische und der österreichische Kaiser hatten am Wiener Kongress und in Paris gleichermassen die Schweiz als neutralen Pufferstaat im Zentrum Europas gefördert. Österreich war bereit, dafür sogar auf das 1798 der Helvetischen Republik, 1803 dem neuen eidgenössischen Kanton Aargau zugeschlagene Fricktal zu verzichten. Kaiser Franz’ offizieller Besuch auf der seit 1415 eidgenössischen und seit 1803 aargauischen Stammburg bekräftigte das Prestige des noch jungen, diplomatisch gegen verjährte Ansprüche und zentrifugale Tendenzen ankämpfenden Kantons. Schon bei seinem Besuch im Juni 1814 im Fricktal konnte Franz im Rathaus zu Rheinfelden sagen: «Die Frickthaler sind meine alten Unterthanen; es freut mich, dass es ihnen wol geht; sie sind jetzt mit dem Kanton Aargau vereinigt.»

Die Freundschaft mit Österreich hatte und hat Bestand. Und so erklärte 200 Jahre nach den Ereignissen von 1814 und 1815 Landammann Urs Hofmann am 30. November 2015 auf der österreichischen Residenz in Bern: «Es ist also diese teilweise ambivalente, aber in ihrer Konsequenz eindeutig positive Wirkung des Wiener Kongresses auf unseren Kanton, die uns dazu bewog, das Jubiläumsjahr gemeinsam mit der österreichischen Botschaft mit einer Reihe von Veranstaltungen zu begehen. Ich freue mich sehr, dass wir damit die Verbundenheit zwischen dem Kanton Aargau und Österreich weiter stärken und unsere Freundschaft vertiefen konnten.»

*Barbara und Jürg Stüssi-Lauterburg sind Historiker und leben in Windisch.

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