Bözberg
Schliessung drohte, doch nun übernehmen 25-Jährige die Bäckerei Hirt

Ohne diese Nachfolgeregelung hätten Werner und Anni Hirt ihr Geschäft in Bözberg nach 33 Jahren schliessen müssen. Doch ab Neujahr 2016 schlagen zwei 25-Jährige mit der «Bözberg-Bäckerei» ein neues Kapitel auf.

Claudia Meier
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Die Backstube auf dem Bözberg bleibt in Betrieb: Anni und Werner Hirt (v. l.) übergeben das Geschäft Yves Bottlang und Angela Maurer.

Die Backstube auf dem Bözberg bleibt in Betrieb: Anni und Werner Hirt (v. l.) übergeben das Geschäft Yves Bottlang und Angela Maurer.

Alex Spichale

Seine Nussgipfel und -stollen sind legendär, dabei wollte Werner Hirt eigentlich gar nie Bäcker werden. Doch dazu später. An diesem Nachmittag steht er entspannt zusammen mit seiner Ehefrau Anni in der Backstube im Neustalden, einen Steinwurf von der Bözberger Passhöhe entfernt. Nach 33 Jahren hat sich das Ehepaar entschieden, die Bäckerei-Konditorei inklusive Verkaufsladen und kleinem Café in neue Hände zu geben. Hirts hatten Glück. Dank einem Zeitungsartikel fanden sie innert kurzer Zeit geeignete Nachfolger.

Yves Bottlang und Angela Maurer lernten sich an der Berufsschule in Aarau während der Bäckerlehre kennen. Ab 1. Januar 2016 schlagen die beiden 25-Jährigen unter dem Namen «Bözberg-Bäckerei» ein neues Kapitel auf. Die Vorfreude steht ihnen im Gesicht geschrieben. «Für mich war immer klar, dass ich mal selber eine Bäckerei führen will», sagt Angela Maurer und strahlt. Seit zwei Jahren arbeitet sie in Brienz. Sie ahnt, worauf sie sich mit der Geschäftsübernahme einlässt: «Ich habe in Meiringen schon während einigen Monaten eine Backstube geführt. Ich weiss, wie es ist, wenn man alles selbstständig organisieren darf.» Maurer schätzt an ihrer Tätigkeit in einer kleinen Bäckerei, dass sie das Produkt ihrer Arbeit selber den Kunden präsentieren kann und oft unmittelbar ein Feedback dafür bekommt. Ganz im Gegensatz zu einer Anstellung in einer Grossbäckerei.

Bözberger-Brot und Osterhasen

Auch Yves Bottlang war es immer wichtig, irgendwann sein eigener Herr und Meister zu sein und sich nicht nach den Ideen eines Chefs richten zu müssen. Er liebt es, der Kreativität freien Lauf zu lassen und seine Liebsten mit speziellen Torten zu beglücken. Die Freude am Bäcker-Handwerk will er weitergeben. Geplant ist, künftig auch selber Lernende auszubilden.

Doch zuerst wollen Maurer und Bottlang im eigenen Geschäft Fuss fassen. Zu Beginn dürfen sie auf Hirts Unterstützung zählen. Denn das Ziel ist klar: Die gute Qualität der Produkte soll beibehalten werden. Auch die Kunden, dazu gehören Restaurants und Läden ebenso wie die Sekundar- und Bezirksschule in Brugg, sollen übernommen werden. Werner Hirt gibt alle Rezepte weiter: «Ich habe keine Geheimnisse. Klar werden die Nachfolger mit der Zeit ihre eigenen Spezialitäten haben.» Mit anderen Worten: Das bekannte Bözberger und St. Galler Brot sowie die seit Generationen beliebten Osterhasen wird es auch weiterhin geben.

Dogdance als Ausgleich

Maurer und Bottlang werden in den Ortsteil Gallenkirch ziehen. Hirts bleiben in der Wohnung über der Bäckerei. Das Geschäft vermieten sie. Alles andere wäre in der aktuellen Situation nicht realistisch. Das junge Paar will sich fünf bis zehn Jahre Zeit geben, um zu beurteilen, ob die Entscheidung richtig war. Im ersten Geschäftsjahr sind Ferien kein Thema. Dennoch wissen schon beide, wie sie einen Ausgleich zum strengen Berufsalltag finden werden. Yves Bottlang will der Feuerwehr Bözberg beitreten und Angela Maurer will mit ihrer 8-jährigen Hündin – einer Zwetna Bolonka – wieder Dogdance trainieren.

Auch Anni und Werner Hirt, beide 66, haben genaue Vorstellungen, wie sie ihre neu gewonnene Freizeit ausfüllen werden. Ein morgendlicher Spaziergang soll fester Bestandteil des Alltags werden. Zudem freuen sich vier Enkelkinder darauf, ihre Grosseltern häufiger zu sehen. Und auch das Reisen, Spielen und Jassen darf nicht zu kurz kommen.

Werner Hirt machte zuerst eine Ausbildung als Hochbauzeichner und Maurer. Die Eltern führten auf dem Bözberg eine Bäckerei mit Volg-Laden. Als die Migros mit dem Verkaufswagen aufs Land hinaus kam, fürchteten sie um ihre Existenz. Einige Zeit später, ergab sich die Möglichkeit, eine grössere Lieferung für frische Backwaren zu übernehmen. Daraufhin stieg der Junior in den elterlichen Betrieb ein und absolvierte beim Vater die Bäckerlehre. Damals war Werner 26. «Ich heiratete einen Stift, der bald Vater wurde», erinnert sich Anni und lacht. 1982 übernahmen sie die Bäckerei. Bereut haben sie diesen Schritt bis heute nicht.

«Wie eine grosse Familie»

Werner Hirt erlitt vor zehn Jahren einen Herzinfarkt. Von den drei Töchtern wollte aber keine ins Geschäft auf dem Bözberg einsteigen. Umso glücklicher sind die beiden Pensionäre nun, dass es mit der Nachfolge geklappt hat. Bis nach Ostern hätten sie sich noch Zeit gegeben. Ansonsten wäre die Bäckerei definitiv geschlossen worden. Angela Maurer und Yves Bottlang übernehmen zwei Verkäuferinnen.

Werner Hirt freut sich darauf, wieder normal schlafen zu können. Mit seiner Frau will er künftig am Abend auch mal eine Veranstaltung besuchen. Ein Vorhaben, das in den letzten 33 Jahren deutlich zu kurz kam. Anni Hirt sitzt am Tisch im Laden und sagt wehmütig: «Die Gespräche am Sonntagmorgen im Café werden mir fehlen. Das war immer wie in einer grossen Familie.»

Frische Berliner vor der Bäckerei gibts am Samstag, 5. Dezember. Der Samichlaus ist zwischen 10 und 11 Uhr zu Besuch. Die Neueröffnungsfeier findet am Sonntag, 3. Januar, zwischen 9 und 12 Uhr statt.