Brugg/Türkei
Schleppender Prozess gegen Aargauer IS-Terroristen Cendrim R. in der Türkei

Schweiz-Albaner Cendrim R., aufgewachsen in Brugg AG, schloss sich der Terrormiliz Islamischer Staat an. In der Türkei sitzt er in Haft und muss sich vor Gericht verantworten. Doch der Prozess gegen Cendrim geht nur schleppend voran und wird immer wieder vertagt.

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Cendrim R. am 24. März 2014 vor dem Gericht in Ankara.

Cendrim R. am 24. März 2014 vor dem Gericht in Ankara.

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Der Schweiz-Albaner Cendrim R. (24), Mitglied der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), musste sich am Donnerstag in Nigde zusammen mit drei Mitangeklagten in der Türkei für den Anschlag auf eine Polizeikontrolle vom März 2014 verantworten. Drei Menschen starben damals.

Cendrim R. ist in Brugg AG aufgewachsen, wo seine aus dem Kosovo stammende Familie weiterhin lebt.

Die Angeklagten waren nicht persönlich anwesend bei diesem ersten und bisher einzigen Gerichtsprozess um IS-Terroranschläge in der Türkei, wie der SonntagsBlick berichtet.

Sicherheitsbedenken sind der Grund, wie das Justizministerium in Ankara erklärt. Cendrim R. sitzt in einem Hochsicherheitsgefängnis der Hauptstadt – sein Transport nach Nigde sei zu gefährlich, hiess es.

Man befürchtet wohl, dass er unterwegs von Gesinnungsgenossen befreit werden könnte. Weil beim Anschlag nahe Nigde auch ein Soldat und ein Polizist starben, gilt der Prozess als politisch hoch sensibel.

Auf den wenigen Zuschauerplätzen sassen vor allem Männer, die offenbar zum türkischen Geheimdienst MIT gehören.

Umso merkwürdiger, dass nur drei oder vier türkische Me­dien die Verhandlung beobachteten. Das mangelnde öffentliche Interesse ist nicht die einzige Merkwürdigkeit in diesem Verfahren, das als Präzedenzfall für die juristische Aufarbeitung von IS-Verbrechen in der Türkei gilt.

Fünf Richter wurden ausgewechselt, wichtige Zeugen nicht vorgeladen und ein Verhandlungstermin wegen der «heiklen Situation» einer nahenden Parlamentswahl gestrichen. Das sind keine guten Vorzeichen für den Berg an Terrorismusverfahren, den die türkische Justiz vor sich herschiebt: Im vergangenen Jahr wurden weit mehr als tausend mutmassliche IS-Mitglieder im Land festgenommen, viele sitzen im Gefängnis und warten auf ihre Prozesse.

Doch die bei Verfahren gegen Kurden und kritische Pressevertreter eilfertige Justiz legt eine auffällige Scheu an den Tag, Islamisten anzuklagen – vielleicht weil dann Einzelheiten über die Kooperation der Regierung mit Dschihadisten publik werden könnten.

Auch der Prozess gegen Cendrim R. geht nur schleppend voran. Nur nach halbstündiger Verhandlung wurde er erneut vertagt.

Der Richter erklärte, dass noch Gutachten fehlten – diese sollen beim nächsten Verhandlungstermin am 11. Mai behandelt werden.