Die Fliegerei ist – noch immer – eine Männerdomäne. Mag sein. Ganz schnell Fuss gefasst hat in dieser Welt eine junge Frau mit ihrer aufgestellten und unkomplizierten Art. Lara Jann ist als erste hauptamtliche Schlepp-Pilotin auf dem Flugplatz Birrfeld verpflichtet worden.

Die Sonnenbrille sitzt locker-lässig hochgeschoben auf den zusammengebundenen blonden Haaren, die aufgeweckten braunen Augen strahlen mit der Morgensonne um die Wette. Auf der Piste herrscht noch Ruhe. Für das Gespräch nimmt Lara Jann Platz am Tisch im Büro. Das sei allerdings nicht der Ort, an dem sie sich normalerweise aufhalte, stellt die sympathische 23-Jährige mit einem Lachen fest.

Tatsächlich: Anzutreffen ist sie vor allem im Cockpit. Mit ihrer einmotorigen Maschine, einem Tiefdecker des Typs Robin, bringt sie die am Schleppseil befestigten Segelflugzeuge in die gewünschte Höhe. Seit dem Stellenantritt im März hat sie bereits knapp 600 Landungen hingelegt.

Mit offenen Armen empfangen

Sie sei mit einem gesunden Respekt an ihre Aufgabe herangegangen, stellt Lara Jann fest. Schliesslich habe sie ihr Flugbrevet noch nicht lange in der Tasche. Mit der Einweisung und Schulung in einem unbekannten Umfeld sei in kurzer Zeit einiges auf sie zugekommen. «Es war eine grosse Umstellung.» Alle Zweifel sind inzwischen zerstreut. Sie sei «mega lieb» empfangen und aufgenommen worden. «Alle sind hilfsbereit, der Umgang ist respektvoll.» Auch in ihrem Zimmer, das sie für den Aufenthalt unter der Woche im Flugplatzgebäude beziehen konnte, hat sie sich gut eingelebt. «Es gefällt mir super.»

Heinz Wyss der stellvertretende Flugplatzleiter und stellvertretende Leiter der Fliegerschule, lobt die neue Mitarbeiterin. Er habe mit ihr die Einweisung auf das Schlepp-Flugzeug sowie die Schlepp-Ausbildung durchgeführt. «Sie hatte das Flugzeug sehr schnell im Griff. Ihre Aufgabe löst sie selbstständig und hervorragend. Wir haben grosse Freude. Es passt wunderbar.»

Die Arbeit gestalte sich so, wie sie es sich vorgestellt habe, ergänzt Lara Jann. «Dieser Schritt hat sich für mich auf jeden Fall gelohnt. Ich erhalte neue Einblicke und lerne viel. Davon kann ich profitieren.»

Die Angst ist verflogen

Apropos Arbeit: An den Wochentagen ist Lara Jann je nach Witterung und Bedarf der Segelflug-Piloten in der Luft. Dazu kommen administrative Tätigkeiten am Boden. Am Abend bringt sie die Flugzeuge an die vorgesehenen Plätze im engen Hangar und versieht den Feuerwehr-Dienst. Sie wäre also zur Stelle, sollte es auf der Piste zu einem Zwischenfall kommen. Ein Arbeitstag dauert gut und gerne bis Sonnenuntergang. Trotz langer Präsenzzeit: «Das ist es mir wert. Ich sehe, was mir die Tätigkeit hier für die Zukunft bringt», sagt Lara Jann.

In einem Flugzeug in den Himmel zu steigen sei ein unglaubliches Gefühl, einfach schön, fährt sie fort. Im Cockpit fühle sie sich glücklich, der Blick aus dem Fenster sei ein Erlebnis. Ebenfalls spannend sei die Technik, die Konstruktion, die vielen Faktoren, die zusammenspielen.

Kam sie schon in brenzlige Situationen? Sie selber nicht. Bei ihrer Ausbildung auf dem kleinen Flugplatz Wangen-Lachen am Zürichsee allerdings sei einmal ein Flugzeug über den Pistenrand hinausgeraten. Da habe ihr der Atem schon einen Moment lang gestockt.

Dass sie einmal als Pilotin arbeiten würde, war alles andere als vorhersehbar. Aufgewachsen in der Innerschweiz, hatte Lara Jann als Kind mit der Fliegerei überhaupt nichts am Hut. Im Gegenteil: Es sei sogar eher Angst vor dem Unbekanntem vorhanden gewesen, erinnert sie sich. Verloren hat sie diese erst auf einer Reise in die USA. Sie fasste den Plan, nach der Matura ein Jahr bei der Fluggesellschaft Swiss als Flugbegleiterin zu arbeiten, bevor sie das Studium aufnimmt und sich als Lehrerin ausbilden lässt. Die Möglichkeit zu reisen, ein neues Leben, neue Kulturen sowie auch die Atmosphäre an den grossen Flughäfen kennen zu lernen, habe sie fasziniert. Die Absicht, dereinst ins Cockpit zu wechseln, bestand indes nicht.

Aber als Flugbegleiterin nutzte sie die Gelegenheit, den Piloten über die Schultern zu schauen. «Da hat es Klick gemacht.» Sie begann Fachzeitschriften zu lesen – «von den technischen Aspekten hatte ich am Anfang wenig Ahnung» – und meldete sich schliesslich für das Selektionsverfahren der Swiss an, um einen Ausbildungsplatz als Linienpilotin zu ergattern. «Ich hatte schon gewisse Bedenken, ob ich das überhaupt schaffe.» Sie kam weit – bis in die dritte Runde. Dann war allerdings Schluss.

Berufspilotin bleibt das Ziel

Lara Jann beschloss, die Privatpilotenlizenz zu erwerben und begann die Ausbildung im Frühling 2014. Ende Januar dieses Jahres schloss sie die Prüfungen mit Erfolg ab. Auf dem Flugplatz Birrfeld will sie die Gelegenheit packen, bis zum Saisonende im Oktober möglichst viel Erfahrung – auch bei Wind und Wetter – und möglichst viele Flugstunden zu sammeln.

Diese braucht sie im Hinblick für die kommenden Schritte, denn: Der Wunsch, Berufspilotin zu werden, ist geblieben. Diese Tätigkeit habe einen besonderen Reiz – ob der Weg nun in das Cockpit eines Linienflugzeugs oder eines Geschäftsflugzeugs führe. Auch wenn es happig werde und viel zu büffeln gebe für die Berufspilotenlizenz: «Ich freue mich auf das, was kommen wird.»