Schinznach
«Ich habe vollen Einsatz geleistet»: Scheidende Gemeinderätin spricht über die möglichen Gründe für ihre Abwahl

Zwei von vier Bisherigen schafften die Wiederwahl in Schinznach nicht. Die amtierende Gemeinderätin Ingrid Baldinger lag 165 Stimmen unter dem absoluten Mehr.

Maja Reznicek
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Im Rebdorf Schinznach hat es am Wochenende ein politisches Erdbeben gegeben.

Im Rebdorf Schinznach hat es am Wochenende ein politisches Erdbeben gegeben.

Severin Bigler
(14. April 2021)

Nach dem ersten Wahlgang zeigte sich am Sonntag ein klares Resultat. Ab dem kommenden Jahr werden mit Stephan Burkart (FDP), Kurt Eggenberger (parteilos) und Adrian Mathys (SVP) drei Neue in die Schinznacher Exekutive Einzug halten. Von den Bisherigen erreichten nur Peter Zimmermann (SVP, Stimmen: 727) und Elisa Landis (parteilos, Stimmen: 435) das absolute Mehr von 425 Stimmen. Damit erhält der Gemeinderat Zuwachs aus dem bürgerlichen Lager.

Deutlich keine Wiederwahl für die zweite Amtsperiode gelang den beiden Gemeinderätinnen Manuela Wiederkehr (parteilos, Stimmen: 379) und Ingrid Baldinger (parteilos, Stimmen: 260). Letztere betreut seit 2018 unter anderem die Ressorts Bauwesen/Hochbau/Planung als auch Liegenschaften der Einwohnergemeinde inklusive Planung, Grundbuch sowie Vermessung.

Genauso wie Schulressort-Vorsteherin Wiederkehr betonte auch Ingrid Baldinger, dass sie überrascht sei, dass das Resultat bereits im ersten Wahlgang so klar sei. «Ich bin aber sehr froh darüber, und persönlich ist es für mich in Ordnung», erklärt die 56-jährige Unternehmerin und Baufachfrau am Tag danach.

Fünf bis acht Grossprojekte wurden in der Planungsentwicklung betreut

Dass die Wiederwahl nicht gelang, führt Baldinger vor allem darauf zurück, dass der Bevölkerung Informationen über ihre Tätigkeit im Gemeinderat fehlten. Sie habe viel Vorarbeit geleistet und Projekte mit einem langfristigen Horizont betreut, deren Ergebnisse nicht in einer Amtsperiode sichtbar würden.

Ingrid Baldinger (1965, parteilos).

Ingrid Baldinger (1965, parteilos).

zvg

Nichtsdestotrotz blicke sie auf vier intensive Jahre zurück, in denen sie – insbesondere für die Siedlungsentwicklung – vollen Einsatz geleistet habe:

«Wir bekamen im Ressort jährlich 360 bis 440 Bauanfragen, die wir alle beantwortet haben.»

Zudem wurden 60 Baugesuche pro Jahr bewilligt und nebenbei fünf bis acht Grossprojekte in der Planungsentwicklung betreut.

Gerne hätte die Bauleiterin und Umweltberaterin im aktuellen Wahljahr einen «Werkstattbericht» über die Aktivitäten ihrer Ressorts gegeben und die Schinznacher über die Gesamtentwicklung der Gemeinde informiert: «Verständnis aufgrund von Zusammenhängen und Fakten, anstelle Urteile vom Hörensagen», erklärt Ingrid Baldinger. Dies sei aber von Seiten des restlichen Gemeinderats nicht erwünscht gewesen.

Sie hofft auf offenen Gemeinderat und interessierte Bevölkerung

Baldinger zeigt sich zudem erstaunt, dass bei der Neuwahl der Exekutive die fachliche Kompetenz kaum im Fokus gestanden sei:

«Es ist im Ressort Bau enorm wichtig, dass eine nachhaltige Baukultur gefördert und eine echte Partizipation gelebt wird.»

Eine erneute Kandidatur in vier Jahren ist für Baldinger momentan kein Thema. Sie hoffe, in Zukunft einen offenen Gemeinderat und eine interessierte Bevölkerung anzutreffen. «Schinznach braucht das, es gibt sehr viel zu tun», schliesst die Parteilose.

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