Das Stimmvolk hat entschieden, wenn auch knapp: Brugg und Schinznach-Bad werden sich per 1. Januar 2020 zusammenschliessen. Speziell am Abstimmungskampf war, dass sich auch Vertreter von Drittgemeinden, namentlich aus dem Schenkenbergertal, eingemischt hatten.

So haben sich Ulrich Salm, Gemeindeammann von Veltheim, und Urs Leuthard, Gemeindeammann Schinznach, in einem offenen Brief an die Stimmbevölkerung von Schinznach-Bad gewandt und darum gebeten, sich zum Schenkenbergertal zu bekennen.

Ebenso lud Ulrich Salm als Präsident der Kreisschule Oberstufe Schenkenbergertal im November 2017 zu einer Pressekonferenz ein, an der er betonte, wie wichtig die Schüler von Schinznach-Bad für die Kreisschule, vor allem aber für die Bezirksschule, sind. In Schinznach wurde zudem ein Komitee Pro Schinznach-Bad gegründet.

Dieses rief die Bevölkerung von Schinznach-Bad dazu auf, von einem Zusammenschluss mit Brugg abzusehen und stattdessen mit Schinznach zu fusionieren. Sie alle haben offenbar – trotz gewaltiger Charmeoffensive – nicht ganz bei allen Schinznach-Badern Gehör gefunden.

«Wir respektieren das Resultat»

«Wir bedauern den Entscheid sehr, es ist ein klarer Verlust für das Schenkenbergertal», sagt Ulrich Salm auch im Namen von Urs Leuthard am Montag gegenüber der AZ. «Der Souverän hat demokratisch für den Zusammenschluss zwischen Schinznach-Bad und Brugg entschieden und wir respektieren dieses Resultat.» Die Gemeinden im Schenkenbergertal würden weiterhin freundschaftliche, gutnachbarschaftliche Beziehungen zu Schinznach-Bad und Brugg pflegen.

Die Gemeinden im Schenkenbergertal müssen sich also überlegen, wie sie künftig ohne die Beteiligung von Schinznach-Bad an der Oberstufe und der Feuerwehr vorgehen wollen. Salm dazu: «Die Gemeinden des Schenkenbergertals werden die Prüfung von Varianten der Zusammenarbeit verstärken, und zwar absolut ergebnisoffen.»

Das sagen Politikerinnen und Politiker zum Zusammenschluss: 

Auf die Frage, ob es allenfalls eine Möglichkeit ist, dass die Feuerwehr Thalheim zur Feuerwehr Schenkenberg stösst, um den Wegfall von Schinznach-Bad zu kompensieren, antwortet der Vältner Gemeindeammann: «Die Zukunft der Feuerwehr Schenkenberg wird ebenfalls offen diskutiert.»

Hoffen auf die Gespräche

Klar ist, dass der Standort der Bezirksschule in Schinznach-Dorf gefährdet ist. «Das haben wir immer transparent kommuniziert», sagt Salm. «Wir werden uns nun mit einer klaren Ausgangslage für den Erhalt der ganzen Oberstufe im Tal einsetzen.» In Gesprächen mit der Stadt Brugg werde man die Anliegen des Tals und der Kreisschule vertreten. Dass Gespräche aufgegleist sind, bestätigte Barbara Horlacher, Stadtammann Brugg, bereits am Sonntag.

Das Komitee Pro Schinznach-Bad aus Schinznach setzt auf die signalisierte Gesprächsbereitschaft von Brugg, mit dem Ziel, die Zukunft der Oberstufenstandorte in Veltheim und Schinznach sicherzustellen, wie Martina Sigg (FDP-Grossrätin aus Schinznach) im Namen des Komitees sagt.

Für sie ist klar: «Brugg als Bezirkshauptort steht in der Verantwortung auch gegenüber den ländlichen Gemeinden. Ein Schulvertrag mit Brugg könnte die Kinder der Oberstufe davor bewahren, den langen, nicht ungefährlichen Weg nach Brugg nehmen zu müssen.»

Das Komitee akzeptiere den Entscheid von Brugg und Schinznach-Bad. «Wir wünschen der Gemeinde Schinznach-Bad eine gute Aufnahme und Integration in die Stadt Brugg.»

Sigg ist nach wie vor überzeugt: «Wir hätten uns weiterhin gut ergänzt und eine starke Landregion gebildet.» Denn mit Schinznach-Bad verliere das Schenkenbergertal einen ganz wichtigen Partner. Die Abstimmung hinterlasse einige schwierige Aufgaben, die im Verbund mit den Gemeinden im Schenkenbergertal zu lösen seien.