Der Gemeinderat von Schinznach-Bad ist im Jahr 2013 die Zukunft proaktiv angegangen und hat die Stadt Brugg für Fusionsgespräche angefragt. Das war sein gutes Recht. Es ist die Pflicht einer Behörde, sich um die Gemeinde zu sorgen, Visionen zu haben und diese zum Wohl der Bevölkerung umzusetzen. Zudem geht der Trend in der Gemeindelandschaft klar hin zu grösseren Kommunen. Die fusionierte Gemeinde Brugg/Schinznach-Bad hätte knapp 12 500 Einwohner.

Ob die Fusion von Brugg und Schinznach-Bad allerdings zum Wohl der Bevölkerung ist, darüber wird heftig gestritten. Gegner und Befürworter schmeissen sich Zahlen an den Kopf, Komitees – sogar aus der Nachbargemeinde Schinznach – mischen sich ein und und den Abstimmungskampf auf. Sodass die Stimmberechtigten kaum noch wissen, wem sie denn jetzt glauben sollen. Wichtig wird am Freitagabend sein, dass die Einwohnerräte in Brugg und die Stimmberechtigten an der Gemeindeversammlung in Schinznach-Bad ohne Scheuklappen den Entscheid fällen und vor allem einen grösseren Zeithorizont als fünf Jahre vor dem geistigen Auge haben.

Themen wie Schule und Feuerwehr haben dazu geführt, dass einige Scheuklappen aufgesetzt haben. Es sind Aspekte, die die Menschen in ihrer direkten Lebenswelt treffen. Entsprechend wichtig war es, dass diese angesprochen werden. Tatsächlich ist es eine unschöne Geschichte, wie die Kreisschule Oberstufe Schenkenbergertal mit dem aktuellen Fusionsvertrag arg geschwächt werden würde. Und unschön ist auch, dass sich offenbar die Projektleitung um keine bessere Lösung bemüht hat. Das hat einen schalen Beigeschmack. Warum ist es nicht möglich, dass Brugg einen Vertrag mit der Kreisschule eingeht für die Schüler von Schinznach-Bad? Bezüglich Schulweg nach Brugg muss bedacht werden: Oberstufenschüler sind durchaus in der Lage, mit dem Velo von Schinznach-Bad nach Brugg zu fahren. Und sie sind auch fähig, alleine Zug zu fahren. Das hilft, Selbstständigkeit zu erlangen. Weiter sind die Schüler über den Mittag gut betreut und wer sich den Mittagstisch nicht leisten kann oder will, kann das Zmittag immer noch selber mitnehmen.

Ein ebenso viel diskutiertes Thema ist die Feuerwehr. Die Einsatzzeiten könnten bei einem Zusammenschluss nicht eingehalten werden, zudem gebe es zu wenige Feuerwehrangehörige in Schinznach-Bad. Das ist nicht optimal, hat aber nicht nur mit der Fusion zu tun. Viele Feuerwehren kämpfen mit Nachwuchsmangel, das Einhalten von Einsatzzeiten ist offenbar je nach Tageszeit wegen Stau usw. so oder so schwierig. Aber wer sagt denn, dass die Feuerwehr in fünf oder zehn Jahren immer noch gleich organisiert ist? Hier ist auch der Kanton gefordert, Lösungen zu finden und der aktuellen Situation anzupassen. Möglicherweise gilt der Grundsatz «eine Gemeinde, eine Feuerwehr» schon bald nicht mehr.

Bei den Diskussionen um diese emotionalen Themen ist fast untergegangen, welche Vorteile eine Fusion vor allem für die Schinznach-Bader hätte. Damit sind nicht nur der tiefere Steuerfuss und die finanziell gesicherte Zukunft gemeint. Der Werkhof wäre besser aufgestellt – mit Manpower und Ausrüstung – und Überstunden könnten wesentlich einfacher abgebaut werden. Dasselbe gilt für die Verwaltung, die professioneller organisiert ist. Die Kinder könnten von der Schulsozialarbeit profitieren sowie Ämter einfacher besetzt werden. Auch wenn Schinznach-Bad in der letzten Zeit die Sitze besetzen konnte: Wahnsinnig demokratisch ist es nicht, wenn sich pro Amt eine Person zur Verfügung stellt.

Angesichts dieser Ausgangslage wäre es wünschenswert, dass das Stimmvolk von Brugg und Schinznach-Bad – möglichst zahlreich – am 4. März an der Urne über das wichtige Geschäft entscheiden kann.