Scherz
Scherz stellt Weichen für Zukunft – jetzt gehts an unüberbaute Reserven

Die Bevölkerung wächst, die Bauzonenreserven schwinden: Die 650-Seelen-Gemeinde Scherz zeigt auf, was – planerisch – zu tun ist und stellt die Weichen für eine massvolle und kontinuierliche Entwicklung.

Michael Hunziker
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Das Gebiet Trottenacher in Scherz.

Das Gebiet Trottenacher in Scherz.

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In Scherz wird die Nutzungsplanung Siedlung und Kulturland überarbeitet. Wichtige Themen sind die Gestaltung von Dorfkern und Ortsbild. Ziel ist es, die örtlichen Besonderheiten als ländliche Wohngemeinde mit hoher Lebensqualität beizubehalten. Weiter sollen die Bauzonengrössen angepasst und Optionen für quantitative Verdichtungen aufgezeigt, die bestehenden Arbeitsplätze erhalten, die Zone für öffentliche Bauten und Anlagen reduziert, der Hochwasserschutz umgesetzt sowie die Schutzzonen und Schutzobjekte aktualisiert werden.

Bis 22. September wird ein Mitwirkungsverfahren durchgeführt, in dem jedermann Hinweise und Vorschläge zu den Entwürfen einreichen kann. Der Gemeinderat weist darauf hin, dass es sich noch nicht um das eigentliche Auflageverfahren mit Einwendungsmöglichkeiten handelt. Dieses erfolge im Anschluss an die Vorprüfung durch das Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons Aargau. Verläuft alles nach Plan, kann die Gemeindeversammlung im Sommer 2015 über das Geschäft befinden.

Einwohnerzahl steigt auf 800

Die letzte gesamthaft revidierte Nutzungsplanung von Scherz ist rund 20-jährig. «Deshalb ist diese Revision allein unter dem Grundsatz der Rechtsbeständigkeit gut vertretbar», wird im Planungsbericht festgehalten. «Zudem haben sich zwischenzeitlich auch starke Veränderungen im übergeordneten Bau- und Planungsrecht ergeben.»

In der Gemeinde sind noch 0,4 Hektaren unüberbaute Dorfzonen sowie 2,1 Hektaren unüberbaute Wohnzonen vorhanden. Als grösste Reserven gelten Trottenacher, Lettenstrasse, Riedacherweg sowie Eiergasse. Bis ins Jahr 2030 muss gemäss Planungsbericht mit einem Anstieg der Bevölkerung auf rund 800 Einwohner gerechnet werden. Zum Vergleich: Derzeit sind es rund 650 Personen. «Die aktuell absehbaren Bautätigkeiten zeigen, dass die noch vorhandenen Bauzonenreserven sich innert kurzer Zeit auf knapp die Hälfte reduzieren werden. Aus raumplanerischer Sicht muss deshalb vor allem aufgrund der vorhandenen, sehr geringen Einwohnerdichte eine verstärkte Siedlungsentwicklung nach innen initiiert werden», lautet das Fazit. Anders gesagt: Die noch unüberbauten Bauzonenreserven sollen soweit wie möglich aktiviert werden, Neueinzonungen von Bauland sind dagegen voraussichtlich nicht vorgesehen.

Platz für Läden und Restaurants

Im Rahmen einer Ideenskizze zur inneren Verdichtung und zur Aufwertung von Freiräumen und Landschaft wird im Planungsbericht für die Unterdorfstrasse eine mögliche Strassenraumgestaltung aufgezeigt. Diese enthält verschiedene Elemente wie zusätzliche Bäume, sichere Verbindungen für Fussgänger und Velofahrer, eine Aufwertung des Bachlaufs sowie eine dem dörflichen Charakter angepasste Strassenfläche, um für publikumsorientierte Nutzungen – Läden, Post, Restaurants – optimale Voraussetzungen zu schaffen. Im Rahmen der Revision wurde laut Gemeinderat in Erwägung gezogen, für das ganze Siedlungsgebiet oder für zusammenhängende Bereiche Tempo-30-Zonen oder Begegnungszonen zu realisieren. Diese Themen werden losgelöst von der Nutzungsplanung in einem separaten Projekt angegangen.

Um die landschaftlichen und ökologischen Qualitäten langfristig zu verbessern, beabsichtigt die Gemeinde Scherz überdies, ein Landschaftsprogramm zu initiieren. Die Stichworte lauten: offene Landschaft, strukturierte Kulturlandschaft, Hochstamm-Baumgärten, Feuchtstandorte, Trockenstandorte und Wald.

Am Sommerapéro am Freitagabend, 29. August, 19 Uhr, Schulhaus Scherz, Turnhalle, wird der Gemeinderat die Bevölkerung über die Gesamtrevision Siedlung und Kulturland informieren.