Zum 22. Mal schleppt der Lichtkünstler Gerry Hofstetter den 37 Kilogramm schweren Projektor den Berg hoch. Hinter ihm tragen acht Sherpas der SAC-Sektion Brugg weiteres Beleuchtungsmaterial zur Gelmerhütte. Letztere vertritt den Kanton Aargau im Jubiläumsprojekt «Hütten im Alpenglühen».

Nebelschwaden ziehen an der schwer bepackten Wanderkolonne vorbei. Wassermassen donnern über kantige Steinplatten. Der Geröllweg führt vom smaragdgrünen Gelmersee bis zum Tagesziel auf 2412 Meter über Meer. «Das ist aber schon etwas brutal», findet Gerry Hofstetter. «Dieses Stück heisst nicht umsonst Lungenstutz», entgegnet ihm Brugger SAC-Sektionspräsident Heinz Frei. Helikopterflüge sind tabu bei dieser Lichtexpedition, den Transport erledigen berggewöhnte Vereinsmitglieder per Beinkraft.

Nicht die Natur wird inszeniert

Der Schweizer Alpen-Club SAC besitzt und betreibt über 150 Hütten – und zwar seit 150 Jahren. Gerry Hofstetter, der auch schon auf Eisberge oder das Bundeshaus projiziert hat, macht dieses Jahr eine Tour durch die Alpen und beleuchtet dabei 26 SAC Hütten. Das Projekt wurde auf SAC-Richtlinien abgestimmt. «Nicht die Natur wird dabei inszeniert, sondern die Hütten als Kulturobjekte werden ins Licht gerückt», erklärt Ursula Schüpbach, Bereichsleiterin Umwelt des Zentralverbands SAC.

1922 schlug die neu gegründete Sektion Brugg dem Zentralverband das Diechtergebiet für einen Hüttenbau vor. «Die Gelmerhütte war die erste, welche das Nachtlager-Bergheu durch Matratzen ersetzte», erzählt Heinz Frei. «Im SAC entstanden damals heftige Diskussionen wegen unnötigen Komforts.»

«Alles ist tipptopp»

Heute ist der alpine Schutzhort auch mit Strom und Duschen ausgerüstet und bekannt geworden durch «SF bi de Lüt – Hüttengeschichten». Längst ist die Wanderkarawane oben angekommen. Nach Suppe und Gschwellti in der Stube dämmert es draussen. Im Halbdunkel stolpern die Hüttenbesucher den Hang hoch.

Das Team um den Lichtkünstler hat den Projektor so installiert, dass bunte Sujets auf das Hüttendach fallen. Steinböcke, Kletterer und das SAC-Logo erscheinen. Der See schimmert in der Tiefe, eine dünne Mondsichel steht am Himmel. «Licht, Position und Wetter – alles ist tipptopp», sagt Gerry Hofstetter.