Jura Ost
Schadet ein Tiefenlager für Atommüll wirklich dem Image?

Thomas Vetter, der Präsident des Juraparks Aargau, sieht durch das mögliche Tiefenlager am Bözberg Aufbauarbeit gefährdet. Villigens Ammann Jakob Baumann dagegen ist zwar auch nicht begeistert, hat aber trotzdem weniger Berührungsängste.

Claudia Meier
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So würde die Oberflächenanlage für das Endlager in Villigen aussehen. (Visualisierung)

So würde die Oberflächenanlage für das Endlager in Villigen aussehen. (Visualisierung)

Visualisierung Nagra

«Ich war perplex über diese Eingrenzung der Nagra. Wenn das nun nichts auslöst, weiss ich auch nicht mehr weiter.» Diese Aussage machte der Präsident des Juraparks Aargau, Thomas Vetter, nicht etwa nach dem jüngsten Nagra-Entscheid vor zwölf Tagen, sondern im Oktober 2012, als das sogenannte Nagra-Geheimpapier von den Medien thematisiert wurde.

Passiert ist seither nicht viel: Die Bevölkerung interessiert sich kaum für die Entsorgung der radioaktiven Abfälle in einem geologischen Tiefenlager und dessen Konsequenzen. «Das hat mich schon erstaunt», sagt Vetter heute. Vertreter des potenziellen Standortgebiets Jura Ost (Bözberg) standen in engem Kontakt zum Gebiet Südranden mit dem Regionalen Naturpark Schaffhausen. Dort wurde das Thema laut Vetter breiter diskutiert.

Bericht muss studiert werden

Vetter vertritt den Jurapark Aargau in der Regionalkonferenz Jura Ost, wo er in einer Arbeitsgruppe bei der Erarbeitung der sozioökonomisch-ökologischen Wirkungsstudie mitwirkt. Die starke Eingrenzung durch die Nagra auf die beiden potenziellen Standorte Jura Ost und Zürich Nordost erstaunte ihn. Nun gelte es, den Bericht zu studieren und zu beurteilen, ob der Vorentscheid der Nagra nachvollziehbar ist.

«Sollte das Tiefenlager im Gebiet Jura Ost gebaut werden, wäre das eine riesige Herausforderung für den Jurapark, weil die langjährige Aufbauarbeit gefährdet wird», betont Vetter. Er nennt die Vermarktung regionaler Produkte und den sanften Tourismus. «Potenziell am stärksten dürfte sich ein Lager auf Produkte mit einer regionalen Verarbeitung auswirken», so der Präsident, der nicht von einem Endlager-Widerstand sprechen will, solange die Priorität auf dem Sicherheitsaspekt liegt.

Die Vergabe des Parklabels im November 2011 ist vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) mit der Auflage verknüpft worden, dass sich der Jurapark Aargau mit den Chancen und Risiken eines allfälligen Tiefenlagers auseinandersetzen muss. Im jährlichen Reporting müssen auch diese Punkte dem Bafu gemeldet werden. Dennoch räumt Vetter ein: «Natürlich hätte ich im Jurapark lieber Leute, die mit Walking-Stöcken unterwegs sind als solche, die mit dem Geigerzähler die radioaktive Strahlung messen.»

Gemeindeammann Jakob (Schebi) Baumann aus Villigen, wo die Oberflächenanlage für das allfällige Tiefenlager im Bözberg gebaut werden soll, wäre überrascht gewesen, wenn der Standort Jura Ost nicht mehr im Rennen wäre. Die Schweiz habe sich nun mal entschieden, den Atommüll nicht für längere Zeit im Zwischenlager oder im Ausland, sondern in einem Tiefenlager im Inland zu deponieren. Dem Gemeinderat sei es wichtig, dass nicht der Standort mit dem geringsten politischen Widerstand, sondern mit der geeignetsten Geologie gewählt werde, betont Baumann. Mit dem Entwicklungszentrum Innovaare und der allfälligen Oberflächenanlage verfolge der Bund gleich zwei Projekte in Villigen.

Kein Imageschaden für Wein

«Von einem Tiefenlager wären wir nicht begeistert», sagt Baumann. Aber falls es wirklich der einzig mögliche Standort in der Schweiz sei, werde man sich damit abfinden müssen. Der Villiger Gemeinderat könnte sich auch vorstellen, dass alle 100 Jahre ein neues Zwischenlager nach dem aktuellen Stand der Technik gebaut wird und der Atommüll an der Oberfläche gelagert wird. «Niemand kann beurteilen, wie die Beschaffenheit im Untergrund in 100'000 Jahren sein wird», betont der Gemeindeammann.

Als Winzer sagt Schebi Baumann: «Das Zwischenlager in Würenlingen und die beiden Atomkraftwerke in Beznau sind rund 500 Meter respektive einen Kilometer von meinem Rebberg entfernt.» Das sei bis jetzt kein Problem. Er glaubt deshalb nicht, dass sich ein Tiefenlager imageschädigend auf die lokalen Produkte auswirken wird.

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