Brugg-Lauffohr
Wegen überschwemmter Aargauer Gemüse- und Reisfelder: «Der Eisbergsalat wird für mehrere Wochen ausfallen»

Das Hochwasser in der vergangenen Juliwoche brachte schwerwiegende Folgen mit sich. Heiner Gysi, der Geschäftsführer der Max Schwarz AG aus Villigen, erzählt, wie schwer es sie getroffen hat.

Janine Walthert
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Mitte Juli sind die Eisbergsalatfelder (vorne) und die Reisfelder (hinten rechts) der Max Schwarz AG überflutet.

Mitte Juli sind die Eisbergsalatfelder (vorne) und die Reisfelder (hinten rechts) der Max Schwarz AG überflutet.

Bild: Michael Hunziker (14. Juli 2021)

Die Max Schwarz AG pflanzt schon seit 90 Jahren Gemüse in der Region Brugg an. Auf den Parzellen in Brugg-Lauffohr ist sich die Firma Hochwasser gewöhnt. So hatten sie laut Geschäftsführer Heiner Gysi allein drei in den letzten 25 Jahren ereignet. Doch so schlimm wie in diesem Juli sei es seit 15 Jahren nicht mehr gewesen.

Der grösste Teil der Felder von Brugg-Lauffohr bis nach Vogelsang wurde komplett überschwemmt. Heiner Gysi sagt:

«So war etwa der Reis – den wir vorgängig wenige Zentimeter schwemmten – komplett überflutet.»

Gut 240 Aaren Nassreis wurde in Brugg-Lauffohr angesät. «Voraussichtlich haben die Pflanzen das Hochwasser überlebt», sagt Geschäftsführer.

Da der Reis an Nässe gewöhnt ist, fällt der Ernteausfall wohl eher gering aus. «Doch das lässt sich erst im Oktober – wenn dieser geerntet wird – feststellen.» Denn in den späten Herbstmonaten wächst die wärmebedürftige Pflanze nicht mehr. Gysi sagt:

«Doch wir hatten bereits einen kalten Frühling. Unsicher ist, ob der Reis bis im Herbst genügend gewachsen ist.»

Auch könnte die Pflanze in den nächsten Wochen bei schlechtem Wetter weitere Schäden nehmen.

Eine Luftaufnahme des Wasserschlosses – wo sich Aare, Reuss und Limmat vereinen: Die überschwemmten Felder sind am rechten Aareufer zu sehen.

Eine Luftaufnahme des Wasserschlosses – wo sich Aare, Reuss und Limmat vereinen: Die überschwemmten Felder sind am rechten Aareufer zu sehen.

Bild: Kfs Kanton Aargau (14. Juli 2021)

Gysi rechnet mit einem Ernteausfall von fast 80 Prozent

Doch beim Gemüse auf den Parzellen in Brugg-Lauffohr sieht die Situation laut Gysi anders aus:

«Viele Felder erlitten einen Totalschaden. Wir rechnen deshalb mit Ernteeinbussen von bis zu 80 Prozent – gut 200 Tonnen Gemüse.»

Noch sind einige Felder überschwemmt. Nach dem Rückzug des Aarewassers hinterliess dieses viel Sumpf und Verschmutzung. «Auch rein aus hygienischen Gründen können wir die davon betroffenen Gemüsearten nicht mehr ernten», sagt der Geschäftsführer.

Seit Ende Februar setzt die Max Schwarz AG wöchentlich auf verschiedenen Parzellen als Hauptkultur Eisbergsalat. Für die Ernte im Juli bis August jeweils auf den Feldern zwischen Brugg-Lauffohr und Vogelsang – und damit direkt an der Aare. Bereits ab dem 9. Juli standen die Eisbergsalatfelder unter Wasser. Gysi sagt:

«Nun hätten wir ernten können. Wir haben einen Totalausfall, das Feld muss bearbeitet und neu bepflanzt werden. Der Eisbergsalat wird wohl für mehrere Wochen ausfallen.»

Vor gut drei Wochen wurde Lauch angepflanzt. Auch da werde das ganze Ausmass des Schadens erst im Herbst bei der Ernte sichtbar. Doch die jungen Setzlinge haben erheblichen Schaden genommen. Nun lasse die Max Schwarz AG die kleinen Lauch- und anderen Pflänzchen weiterwachsen und schaue, wie sich diese entwickeln.

Dieses Eisbergsalatfeld in Brugg-Lauffohr hat es bereits am 9. Juli teilweise geschwemmt. Der Salat muss entsorgt werden.

Dieses Eisbergsalatfeld in Brugg-Lauffohr hat es bereits am 9. Juli teilweise geschwemmt. Der Salat muss entsorgt werden.

Bild: zvg

Noch sind die Setzlinge nicht in Sicherheit

«An diesen massiven Ernteausfällen haben wir wohl einige Wochen zu ‹gnagen›», sagt Gysi. «Vor allem, da das Gemüse von den überschwemmten Parzellen im Verkauf fehlt.» Die Max Schwarz AG beliefert Grossverteiler und Handelsbetriebe. Ein wichtiger Partner ist die Migros. Der Geschäftsführer sagt:

«Verkaufen können wir nur, was in Villigen und Umgebung angebaut wird. Auf das Gemüse in Brugg-Lauffohr müssen wir einige Wochen verzichten.»

Die Max Schwarz AG hat in Brugg-Lauffohr ihre Felder direkt neben dem Aareufer. «Das birgt ein gewisses Risiko», sagt Gysi.

Bereits vor dem Hochwasser am 14. Juli bildeten sich kleine Seen in den Feldern in Brugg-Lauffohr.

Bereits vor dem Hochwasser am 14. Juli bildeten sich kleine Seen in den Feldern in Brugg-Lauffohr.

Bild: zvg

So werden laut dem Geschäftsführer in der nächsten Zeit die Gemüsepreise je nach Verfügbarkeit variieren. Gysi fügt an:

«Konsumierende sind sich volle Regale in Supermärkten gewohnt. Dieses Ereignis zeigt: Selbstverständlich ist das nicht. Doch die Kundschaft hat Verständnis für unsere Lage.»

Weitere Sorgen machen dem Geschäftsführer nun die schlechten Wettervorhersagen für das kommende Wochenende: «Wir wissen nicht, was auf uns zukommt. Immerhin wurden wir vom Hagel verschont.»

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