Bezirk Brugg
SBB-Tageskarten: Grosse Unterschiede bei den Gemeinden

Bei den SBB-Tageskarten haben die Gemeinden ganz unterschiedliche Preismodelle – auch für Auswärtige. Im besten Fall gehts für 20 Franken mit dem Zug nach Brusio.

Matthias Hausherr
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Ein Ausflug mit dem Bernina-Express zum berühmten Kreisviadukt in Brusio ist mit dem Last-Minute-Angebot schon ab 20 Franken möglich.

Ein Ausflug mit dem Bernina-Express zum berühmten Kreisviadukt in Brusio ist mit dem Last-Minute-Angebot schon ab 20 Franken möglich.

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Möchten Sie nicht gerne mal wieder mit Bus, Bahn und Schiff die Schweiz erkunden? Viele Gemeinden bieten ihren Bürgern SBB-Tageskarten zum Vorteilspreis an. Im Bezirk Brugg sind es zehn Gemeinden oder Verbünde, die insgesamt 30 Tageskarten pro Tag anbieten. Diese berechtigen wie ein Generalabonnement zur freien Fahrt. Wer kein Halbtaxabonnement hat, für den lohnt sich mit einer Gemeinde-Tageskarte für 40 Franken bereits eine Zugfahrt von Brugg nach Basel und zurück. Mit einem Halbtax muss man mindestens bis nach Thun oder St. Gallen reisen, damit das Angebot interessant ist. Wer hingegen von einem Last-Minute-Angebot profitiert, kann schon für 20 Franken ins Puschlav fahren.

Dreimal billiger als am Schalter

Die Gemeindeverwaltungen kaufen diese vordatierten Tageskarten bei den SBB ein. 2015 zahlte eine Gemeinde dafür 13 300 Franken. Das verursacht pro Tageskarte Kosten von Fr. 36.50. Wie viel die Kommunen ihren Bürgern für diesen Service verrechnen, können sie frei entscheiden. Im Bezirk Brugg variieren die Preise für die Einwohner zwischen 40 und 45 Franken pro Tageskarte. Einige Gemeinden verlangen 5 bis 10 Franken mehr, wenn die Karten von Auswärtigen reserviert werden. Zum Vergleich: Eine GA-Tageskarte der SBB, die denselben Gültigkeitsbereich abdeckt, kostet am Schalter 73 und ohne Halbtax gar 124 Franken. Die Tageskarten der Gemeinden sind dagegen rund dreimal billiger.

Die Karten können in allen Gemeinden per Telefon, Internet oder am Schalter reserviert werden. In den Dörfern Effingen, Elfingen, Bözen und Remigen können sie zudem gegen einen Aufpreis auch per Postversand nach Hause bestellt werden. Die Gemeindeverwaltung Schinznach verkauft die Tageskarten für 40 Franken an die Bürger weiter. Darin eingerechnet ist nebst dem SBB-Einkaufspreis noch eine Verwaltungsentschädigung von zwei Franken und die Kosten für das elektronische Reservationssystem. Bei einem Verkaufspreis wie in Schinznach müssen die Tageskarten zu mehr als 90 Prozent im Jahr ausgelastet sein, um die Kosten zu decken. Für die Finanzierung des Verwaltungsaufwands und des Reservationssystems sogar noch höher. Für die meisten Gemeinden geht diese Rechnung im Schnitt auf. In Schinznach und seinen Partnergemeinden liegt die Auslastung bei fast 98 Prozent. In Scherz und Lupfig, die dieses Angebot zusammen betreiben, spricht man von einem Nullsummengeschäft, das in der Tendenz sogar etwas defizitär sei.

Hohe Auslastung erwünscht

Doch das Angebot rechnet sich nicht für alle. Für Birrhard beispielsweise geht diese Kosten-Nutzen-Rechnung bei 670 Einwohnern nicht auf. Auch andere Gemeinden versuchen, sich gemeinsam abzusichern. Der grösste Verbund besteht aus den Gemeinden Schinznach, Schinznach-Bad, Auenstein, Veltheim, Villnachern, Thalheim. Auch Effingen, Elfingen und Bözen organisieren sich mit Hornussen, Herznach und Zeihen zusammen.

Um die Kosten zu decken, sind die Gemeinden daran interessiert, dass die Tageskarten möglichst jeden Tag benützt werden, denn sie zahlen das Angebot auch, wenn keine Nachfrage besteht. Deshalb bieten die meisten auch ein Last-Minute-Angebot an: Wenn eine Tageskarte bis zum Gültigkeitsdatum noch nicht ausgeliehen wurde, kann sie zum Vorteilspreis noch am selben Tag abgeholt werden. In einigen Gemeinden kann sie auch schon ab Mittag des Vortages abgeholt werden. Dieser Last-Minute-Rabatt variiert je nach Gemeinde zwischen 25 und 50 Prozent. Einzig Riniken bietet keine Vergünstigung an.

Das Tageskarten-Angebot für Gemeinden existiert seit 2003. In den letzten fünf Jahren ist der Einkaufspreis bei den SBB um 2000 Franken gestiegen. Das entspricht einer Preissteigerung von rund Fr. 5.50 pro Tageskarte. Ob im nächsten Jahr eine weitere Preiserhöhung ansteht, können zum jetzigen Zeitpunkt weder die SBB noch die Gemeinden sagen.

Falls der Preis der SBB steigt, müssen die Gemeinden in Zukunft wohl auch eine Preissteigerung zulasten ihrer Kunden in Betracht ziehen, um die Kosten vollumfänglich den Benutzern zu belasten. Denn die jetzt schon relativ hohe Auslastung, ist nur schwer zu erhöhen.