Der Umzug hat sich gelohnt. «Wir sind in Windisch angekommen», sagte Werner Nuber, Stiftungsratspräsident von SBB Historic. «Wir haben uns gut eingelebt und wir wurden auch bestens aufgenommen.» Die positiven Reaktionen und interessanten Begegnungen hätten gezeigt: «Es war ein wichtiger Schritt, hierherzukommen.»

Ende 2014 zog die Stiftung Historisches Erbe der SBB – kurz SBB Historic – von Bern nach Windisch. Die Sammlungen, die Bibliothek sowie das Archiv wurden auch im zurückliegenden Geschäftsjahr am neuen Standort unmittelbar beim Bahnhof Brugg gut nachgefragt und genutzt, sagte Geschäftsleiter Walter Hofstetter an der gestrigen Medienkonferenz. Im Lesesaal seien zwar im Vergleich zu früher etwas weniger Besucher begrüsst worden, dafür habe die Zahl der Führungen und der Teilnehmenden deutlich zugenommen.

Schulen und Familien angesprochen

Auf reges Interesse stiessen ebenfalls die Erlebnisfahrten mit historischem Rollmaterial sowie die Führerstandfahrten. «Allgemein waren die von SBB Historic durchgeführten Publikumsanlässe gut besucht», stellte Hofstetter fest. «Allein zu unserem Eröffnungsfest der neuen Räumlichkeiten kamen im Mai 2015 gut 2000 Bahninteressierte und Sympathisanten.»

In den letzten Monaten sei überdies ein spürbar wachsendes Interesse der Wissenschaft am Angebot von SBB Historic zu verzeichnen gewesen, freute sich Stiftungsratspräsident Nuber – «wohl auch dank der direkten Nachbarschaft zur Fachhochschule Nordwestschweiz und den deutlich verkürzten Distanzen zu den Universitäten und Hochschulen im Grossraum Zürich».

Für Nuber und Hofstetter steht fest: «Jetzt wollen wir uns weiter öffnen für ein grösseres und vielfältiges Publikum.» Angesprochen werden sollen etwa auch Schulklassen und Familien. Ein im letzten Jahr erarbeitetes Vermittlungskonzept zeigt dafür Mittel und Wege auf. Vorgesehen sind, nannte Hofstetter als Beispiel, ein begehbares Lager oder permanente Ausstellungen. Ebenfalls will SBB Historic das Angebot von Fahrten und Führungen ausbauen, die Unterlagen aufarbeiten und eine Serie von Abendveranstaltungen – mit Filmen oder Referaten – lancieren. «Wir wollen einen Beitrag leisten an das kulturelle Leben in der Region», fasste Hofstetter zusammen. «Wir wollen dazu beitragen, dass die vorhandenen Schätze nicht verstauben, sondern zugänglich gemacht werden.»

Zurück zum abgelaufenen Jahr: Zwei Ereignisse hätten dieses zu einem speziellen und unvergesslichen gemacht, blickte der Geschäftsleiter zurück: Einerseits wurde SBB Historic von der renommierten Vereinigung deutscher Wirtschaftsarchivare als «Wirtschaftsarchiv des Jahres 2015» ausgezeichnet. Andererseits fuhr die legendäre «Krokodil»-Lokomotive an ein Eisenbahnfest in Schweden. Bei einer Panne war allerdings das Engagement aller Beteiligter gefragt. Derzeit befindet sich das 90-jährige Fahrzeug zur Überholung im deutschen Dampflokwerk Meiningen. Ende dieses Jahres soll die Heimkehr erfolgen. Neben diesen Höhepunkten sei 2015 in finanzieller Hinsicht allerdings ein schwieriges Jahr gewesen, führte Hofstetter weiter aus.

Chance am Gotthard

Auch in Zukunft mangelt es nicht an grossen Herausforderungen und Aufgaben, sagte Stiftungsratspräsident Nuber. Die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels rücke die Schweiz ins Zentrum der internationalen Aufmerksamkeit. «Diese grosse Chance gilt es zu nutzen.» Im Rahmen des Gesamtprojekts «Swiss Rail Park St. Gotthard» wird SBB Historic auf der Gotthard-Bergstrecke historische Erlebnisfahrten anbieten. Im Eisenbahndepot Erstfeld wird eine Ausstellung eingerichtet für szenische und thematische Führungen.

Zunehmend Sorge bereitet dem Stiftungsratspräsidenten die Aufrüstung des Schienennetzes mit dem elektronischen Zugsicherungssystem. Die Strecken, auf denen Lokomotiven ohne entsprechende Ausstattung fahren können, werden immer kleiner. Neben den technischen gibt es laut Nuber auch regulatorische Entwicklungen, «die uns zusehends fordern». Mit der Revision der Eisenbahnverordnung werde der vorgeschriebene Unterhaltsstandard für Rollmaterial verschärft. «Es ist Aufgabe und Ziel von SBB Historic, dafür zu sorgen, dass wir auch künftig unsere Leistungen noch erbringen und Fahrten mit historischen Zügen ermöglichen können.»