Wer bei Google den Namen «Sarah Canzani» eingibt, erlebt auf einem Youtube-Video eine zartgliedrige Frau mit starker Stimme bei einem Auftritt im Dampfschiff Brugg. Und bekommt definitiv Lust auf mehr: Nachdem die Musikkarriere der gebürtigen Windischerin bisher eher still verlief, rückt sie mit ihrem Debütalbum «Soul» erstmals als Frontfrau einer achtköpfigen Band ins Rampenlicht und zieht alle Register ihres Könnens. Etwa fünf Oktaven komme sie rauf und runter, sagt sie im Vorfeld des Konzerts zur CD-Taufe im Salzhaus Brugg. Aber das ist für sie ein unwichtiges Detail. Sarah will einfach raus und ihr Publikum mit Leidenschaft und eben ganz viel «Soul» erobern.

Soul mit starker Stimme: Sarah Canzani und Band.

Soul mit starker Stimme: Sarah Canzani und Band.

Sie ist unglaublich nervös. Die braunen Augen flackern vor emotionaler Erregung. Optisch ist die bildhübsche 30-Jährige eine Augenweide mit goldenem Lederjäckchen und Pailletten-T-Shirt, Minirock und mit Nieten besetzten Strümpfen. Und genügend Bühnenerfahrung hat sie auch, stand sogar schon mit Bligg als Backgroundsängerin im Hallenstadion. «Eine eigene Platte mit sehr persönlichen, selbstkomponierten Songs im vollbesetzten Salzhaus zu präsentieren, ist aber etwas ganz anderes», meint sie. Warum hat sich die Profimusikerin, die Songs komponiert, seit sie Kind ist, so lange Zeit genommen mit dem ersten Album? «Weil ich mit meinem Bassisten Andreas Canzani (Zaani) den richtigen Partner für mein Projekt gefunden habe», strahlt Sarah, die bürgerlich eigentlich Huber heisst. Vier Jahre haben die zwei an den Songs für «Soul» getüftelt. Sind durch die kreative Zusammenarbeit auch privat ein Paar geworden.

Starker Bezug zu China

Auf der Bühne ist nichts mehr von der Nervosität der Sängerin zu spüren, die an der Uni Zürich mit dem Master of Arts abgeschlossen hat. «Ich will den geilsten Gig meines Lebens abliefern vor dem geilsten Publikum, das es je gab», ruft sie herausfordernd in die Zuschauermenge. Und die kommt ganz schön in Fahrt bei den souligen Nummern mit satten Bläsersätzen, zackigen Bassriffs und funkigen Gitarrenlicks, über denen die Stimme von Canzani mit all ihren stilistischen Facetten erklingt: von kraftvoll bis sanft, mal rau, dann wieder klar. Sie strahlt unablässig, auch wenn ihr vor lauter Hingabe manchmal fast die Luft ausgeht; gibt sich wild und rockig, dann wieder lasziv, mutiert vom schmeichelnden Kätzchen zur fauchenden Tigerin, um dann bei Herzschmerz-Balladen wie «In China» wieder ganz viel Gefühl zu zeigen; übrigens einer ihrer persönlichsten Songs, der entstand, weil Canzani wegen ihres Sinologie-Studiums (im Nebenfach) einige Zeit in dem asiatischen Land lebte. Während sie «Respect» von Aretha Franklin ins Mikrofon röhrt und die Backgroundsängerinnen synchron mittanzen, gerät die Stimmung auf den Siedepunkt. Am Schluss reicht der Atem kaum noch, um sich bei all den Leuten zu bedanken, die an der Produktion der CD «Soul» mitgewirkt haben. Hofft sie mit ihrem Erstlingswerk auf den grossen Erfolg? «Nein. Dazu mache ich viel zu gerne Musik. Am wichtigsten ist es mir, die Leute mitzureissen», sagt Sarah Canzani. Das ist ihr im Salzhaus zweifelsohne gelungen.