Schinznach
Sara Käser weiss genau: «Ich gehe einen Aussenseiterweg»

Die Cellistin Sara Käser ist in Thalheim aufgewachsen. Mit Noëmi Lerch stellt sie in Schinznach das Programm «Rezepturen in Blau» vor. Um eine klassische Lesung mit Musik handle es sich aber nicht.

Elisabeth Feller
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zvg

Was verbindet der Mensch mit Blau? Google weiss es: «Vertrauen und Verlässlichkeit. Zudem fördert Blau das Lachen.» Da wir nun Bescheid wissen, wundern wir uns nicht über die «Rezepturen in Blau», die der KulturGrund Schinznach-Dorf übermorgen vorstellt.

Die Cellistin Sara Käser lächelt, was – nicht überraschend – der Farbe Blau zu verdanken ist. «Das ist eine Auftragsarbeit für meine schreibende Kollegin Noëmi Lerch und mich.» Die beiden jungen Frauen sind ein eingespieltes Team, das sich in der Kantonsschule Wettingen kennen gelernt hat. Dort haben sie gemeinsam ihre Maturaarbeit verfasst und dabei festgestellt: Wir verstehen und ergänzen einander glänzend. So sehr, dass sie weiterhin miteinander arbeiten wollten – zum Beispiel für den KulturGrund Schinznach-Dorf.

Sara Käser lacht erneut. Sie hat wohl erraten, was ihr Gegenüber denkt. «Nein, nein. Das ist keine klassische Lesung mit Musik. Es ist nicht so, dass die eine liest, dann schweigt, worauf die andere mit Musik einsetzt. So ist das nicht.» Sondern? «Ich lege, gleichsam als Subtext, Celloklänge unter den von Noëmi Lerch gesprochenen Text. Uns beide interessiert auch die Frage: Wie verändert Musik unsere Wahrnehmung?» Bestimmt wird das Publikum besonders auf den «offenen, wohltuenden Klang» des Violoncellos achten.

Aha-Erlebnis kam später

Sara Käser, in Biel und Thalheim aufgewachsen, ist diesem Instrument verfallen. Sie weiss nicht mehr, in welchem Jahr sie «zunächst vor allem von seiner optischen Ausstrahlung» gefesselt war. Betrachten konnte sie dieses Instrument immer wieder. In der Nähe von Sara Käsers Elternhaus in Biel gab es einen Instrumentenbauer, in dessen Atelier das kleine Mädchen oft Verstecken spielte. Es ahnte damals noch nicht, welchen Platz das Cello dereinst in seinem Leben spielen würde.

Das Aha-Erlebnis kam später – an der, bekanntlich grossen Wert aufs Musische legenden Kantonsschule Wettingen, wo Sara Käser auf Kolleginnen und Kollegen stiess, die von klassischer Musik «angefressen» waren. Dort reifte der Entschluss: «Ich will Cellistin werden. Also habe ich Gas gegeben.» Anders gesagt: Sie probte eisern; absolvierte einen 12-monatigen Vorkurs, bevor sie an der «Hochschule Luzern – Musik» die Aufnahmeprüfung bestand. «Alles hat damals einfach gestimmt», sagt sie rückblickend und erwähnt speziell «die schöne Akustik des Saals, wo ich gespielt habe». Das war 2007. Sieben Jahre später büffelt Sara Käser erneut – im Hinblick auf ihren Master, den sie im Januar 2015 machen wird.

«Das Publikum ist völlig offen»

Und danach? Die fröhliche Stimme verstummt. Blau, wo bist Du? Wir wollen Sara Käser wieder lachen hören. «Mein Weg ist völlig offen», sagt die junge Frau nachdenklich und unterstreicht damit, wie steinig der Weg als Berufsmusikerin ist. Die zusätzliche pädagogische Ausbildung ist als absicherndes Standbein gedacht. Ansonsten weiss und bekräftigt sie in fröhlichem Trotz: «Ich gehe einen Aussenseiterweg.» Inwiefern? «Ich bin auf Neue Musik spezialisiert.» Um Vorurteile gegen diese zu entkräften, stellt die Cellistin oft Programme zusammen, deren Werke sie vor dem Spiel erläutert. Dabei macht sie stets diese Erfahrung: «Das Publikum ist völlig offen.»

Die Musikerin liebt zeitgenössische Komponisten wie etwa Helmut Lachenmann, der Geräusche als integralen Teil des Klangs betrachtet oder die Finnin Kaija Saariaho. Werke dieser beiden Grossen, aber auch andere wird die Cellistin nun am Freitag in «Rezepturen in Blau» spielen. Sara Käser freut sich darauf. Und wird – ganz im Sinne von Blau – wohl sogleich zu lachen beginnen: Sie feiert heute ihren 27. Geburtstag.

Schinznach «Rezepturen in Blau» am Freitag, 5. Dezember, 20 Uhr, Aula Schinznach-Dorf.