Im schummrigen Licht des Salzhaus-Dachstocks sind nur die Lichtpunkte von vier Riesenpendeln zu sehen. Das Auge folgt ihren schwingenden und kreisenden Bewegungen, die durch Propeller verursacht werden. Zwei der Pendel sind mit hochsensiblen Mikrofonen versehen, die Umgebungsgeräusche aufnehmen. Die beiden anderen sind mit Lautsprechern bestückt.

Durch akustische Rückkoppelung surrt, pfeift und knackst es. Jede Bewegung wird hörbar. Daniel Bisig und Florian Bogner nennen ihr ausgefallenes Gemeinschaftswerk «kinetische Klanginstallation». Sie sind an der Zürcher Hochschule der Künste tätig und eines von sieben Paaren, das sich speziell für die neue Ausstellung «salzarten» formiert hat.

Das klingende Riesenpendel von Daniel Bisig und Florian Bogner im Salzhaus Brugg.

Das klingende Riesenpendel von Daniel Bisig und Florian Bogner im Salzhaus Brugg.

Diese Kunst ist nicht abgehoben

Silvia Seifert vom Ausstellungsteam Salzhaus erklärt: «Jeder in unserer siebenköpfigen Gruppe schlug eine künstlerisch tätige Person seiner Wahl vor. Die von uns Geladenen durften wiederum jemanden aus ihrem Künstlerkreis auswählen, mit dem sie sich in Brugg gemeinsam präsentieren.» Alle Duos haben ihre Objekte und Malereien exklusiv für das Salzhaus geschaffen.

Die Ölfarbe auf den Leinwänden des spanischen Malers Fafa war sogar noch feucht, als er seine Bilder aufhängte. Er und Emanuel Roth aus Zürich pinselten je 12 Porträts von Kollegen, die wie spontane Schnappschüsse wirken und sehr viel Intimität ausstrahlen. Für das Lokalkolorit sorgt Jonas Studer aus Brugg, der analoge Landschaftsfotografien mit verschiedenen Chemikalien verfremdet. Im Gegenzug gestaltet der aus Neuseeland stammende Douglas Stichbury Zeichnungen, die extrem fotorealistisch sind. Beim Betrachten stellt sich immer wieder die Frage: Was ist Zeichnung und was ist Fotografie?

«Wir wollen dem Publikum Kunst zeigen, die nicht abgehoben, sondern sinnlich erfahrbar ist», betont Seifert. Wie zum Beispiel die Landschaftsmalereien von Ann Nelson und Nora Dreissigacker, die extra aus Genua anreiste. Oder das filigrane Knochenkleid, das Kitty Schärtlin aus Draht und Malerklebband kreiert hat und damit einen Kontrast zu den teilweise monochromen, vielschichtigen Malereien von Jacqueline Borner setzt.

Den Humor bringt Daniel Waldner aus Kaisten in die Ausstellung. Am Eingang streckt sich dem Besucher eine riesige Kunststoffhand durch eine Glasscheibe entgegen. Mit Ballettschuhen versehene Eichenholzfüsse an beweglichen Federn tanzen Spitze und eine Gruppe von Plastikpuppen klatscht dazu. Ganz andere Emotionen rufen die kleinformatigen Zeichnungen seines Ausstellungspartners Hanspeter Keller aus Uster hervor. Die Stillleben mit achtungslos liegengelassenen Spielzeugen, Kinderschuhen und Gasmasken lösen Beklemmung aus.

Ernster Hintergrund

Auch Cat Tuong Ngyuens Heubündel, auf denen geometrische Eisenfiguren liegen, haben einen ernsten Hintergrund. Er erinnert damit an die vielen gefallenen Soldaten in seinem Heimatland Vietnam. Leben und Tod, Werden und Vergehen: diesem Thema nimmt sich auch Andreas Seibert an, der seit Kurzem in Unterwindisch lebt. Er zeigt grossformatige Schwarz-weiss-Fotografien von der Auenlandschaft zwischen Aare und Reuss zu verschiedenen Jahres- und Tageszeiten.

Die Ausstellung «salzarten» im Salzhaus Brugg unter dem Motto «Künstler laden Künstler ein» dauert bis zum 14. Mai.

Öffnungszeiten Sa/So jeweils 11 bis 17 Uhr; Mi/Do jeweils 19 bis 22 Uhr; 6. 5., 16 Uhr: Führung durch die Ausstellung mit Simone Toellner; 7. 5., 11 Uhr: Künstlergespräch; an der Finissage vom 14. Mai, 15 Uhr, präsentieren Muriel Romero und Pablo Palacio eine Performance, die sie während der Ausstellung erarbeiten.