Brugg

Salz wird gleich kiloweise angeliefert

Riesige Bildteppiche: Reto Leibundgut vor einem seiner Werke aus Gobelin-Stickereien. Ursula Burgherr

Riesige Bildteppiche: Reto Leibundgut vor einem seiner Werke aus Gobelin-Stickereien. Ursula Burgherr

An der neuen Kunstausstellung «Salzwerk» im Salzhaus bestimmen die Künstler ihre Ausstellungspartner.

«Künstler*innen laden Künstler*innen ein», steht auf dem Flyer zur neuen Ausstellung «Salzwerk» im Salzhaus. Jonas Studer von der Kunstausstellungsgruppe Salzhaus Brugg erklärt dazu: «Wir haben uns dieses Jahr für sieben Kunstschaffende entschieden und ihnen die Möglichkeit gegeben, ihrerseits einen Künstler oder eine Künstlerin ihrer Wahl mitzubringen. So sind Kombinationen entstanden, die sich teilweise auch für uns als sehr überraschend erwiesen.»

Beim Besuch drei Tage vor der Vernissage wirkt noch vieles provisorisch. Reto Leibundgut hat im Gang des ersten Stocks ein Sammelsurium alter Möbeln und Holzbretter ausgebreitet. Es sieht fast aus wie im Brockenhaus. «Das wird wohl eine Nachtschicht», seufzt der Berner, der in Basel lebt. Denn schon die Bildträger, die er aus seinem Recyclingmaterial gestaltet, sind Kunstwerke für sich. Und sie sind noch längst nicht fertig. Aber auch seine Exponate sind absolut spektakulär.

Der 53-Jährige sammelt alte Gobelins, die er auseinanderschneidet und wie ein Puzzle zu neuen riesigen Bildteppichen zusammenfügt. Die einzelnen Teile näht er fast unsichtbar in winzigen Zickzackstichen und immer mit dem farblich passenden Faden zusammen. «Oft muss ich hundert Mal die Fadenspulen in meiner Nähmaschine wechseln.»

Märchenhafte Naturwelt im Eingang

Leibundgut wurde als Gastkünstler von Urs Aeschbach eingeladen, der Aargauer Wurzeln hat und in Basel lebt. Seine riesigen, bis zu drei auf vier Meter grossen Ölmalereien im Eingangsbereich des Salzhauses führen in märchenhafte Naturwelten, in denen eigenwillig wachsende Pilze, Gehölz und Gräser in explodierenden Farben die Hauptexponenten sind. Die Anziehungskraft und Schönheit dieser Szenerien ist magisch und die Betrachterin fühlt sich ein wenig wie in eine Filmszene von «Avatar» versetzt.

Einen guten Kontrast zum Farbenrausch bilden Fridolin Walchers monumentale Schwarz-weiss-Fotografien von Gletschern und den Alpen, die er auf gigantische transparente Tücher gedruckt hat. Bei jedem Windzug bewegen sie sich leicht. Fotograf Walcher lebt im Kanton Glarus. Ein wichtiges Anliegen ist ihm, mit seiner Kamera die Resultate der Klimaveränderung zu dokumentieren. Die Bildimpressionen, die er im Salzhaus präsentiert, stammen von einer Forschungsexpedition nach Grönland. «Während der Ausstellung wird dazu eine Badewanne mit einem Kubikmeter Eis gefüllt, das langsam vor den Augen des Publikums schmilzt. Darauf werden mittels Beamer weitere Bilder projiziert», erklärt Studer beim Rundgang.

Den monumentalen Dimensionen setzt Walchers Ausstellungspartner Martin Stützle, ebenfalls aus Glarus, seine Installation entgegen. Sie besteht aus 28 freihängenden und etwas über A4 grossen Druckgrafiken. In einer sparsamen und stark abstrahierten Formensprache gibt er darauf die schmelzenden Fragmente entlang der Abbruchkante des Gletschers wieder.

Überraschende Zusammenspiele

Für Rosângela de Andrade ist die Ausstellung im Salzhaus ein Heimspiel, denn sie lebt und arbeitet in Brugg. Die gebürtige Brasilianerin hat sich mit der Badener Künstlerin Esther Amrein zusammengetan. Die zwei Frauen haben jeweils zu zweit an ihren grossformatigen Tableaux gearbeitet, die aus feinen, mit Grafit gezeichneten und Draht geformten netzartigen Gebilden bestehen. Oft muten sie wie Mikro-Organismen an.

Die Besucherinnen und Besucher dürfen sich auf weitere überraschende Zusammenspiele gefasst machen: Den Dachstock wird der Aarauer Lichtdesigner Michael Omlin beispielsweise mit der eigens für die Ausstellung kreierten begehbaren Installation «Timelines» erhellen. Dazu kommt eine Intervention von Cornelia Lüthi Fletscher, Performerin und Master-Absolventin der Zürcher Hochschule der Künste. Salz wird als Material darin eine wichtige Rolle spielen. «Es wird kiloweise angeliefert», verrät Studer zum Schluss.

Ausstellung «Salzwerk» im Salzhaus Brugg dauert vom 10. bis 26. Mai;

Vernissage mit Round about Chet am 10. Mai, 19 Uhr; 12. Mai, 11.30 Uhr: Künstlergespräch; 17. Mai, 18.30 Uhr: Podiumsdiskussion zum Thema Klimawandel mit Johannes Jenny, Thomas Stocker, Fridolin, Walcher, Moritz Meier u. a.; 18. Mai, 17 Uhr: Workshop zur Herstellung von Salzbrezeln;

26. Mai, 15 Uhr: Performance «Freistil» von Jürg Halter.

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